Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1845)
- Date
- 1845-04-16
- Page
- Seite 122 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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angekündigt, daß er nächstens den Antrag auf Gleichstellung'der Juden Vorbringen will. In diesem/Hause, welches Mou mehrernal ihre Liberalität in dieser Beziehung gezeigt, ist das Günstigste mit Gewißheit zu erwarten. Ob aber eine völlige Emaneipation, oder nur eine bedingende diesmal Vorkommen wird, ist abzuwarten. Es ist unter den Juden selbst darüber Uneinigkeit, nämlich der Board of Depulies, welcher sämmtliche Juden vertritt, hat durch seinen Präsidenten Sir M. Montesiore eine Bittschrift eingereicht, wogegen die Bmton Gemeinde, welche als eine Sekte betrachtet und von Board nicht repräseutirt wird, hat durch Sir I. L. Goldschmidt besonders petitionirt. In Jewsli Clironicle ist sogar ein Aufsatz eines Mannes eingerückt, der gegen alle Begünstigungen und Beförderung protestirt, indem er in seinem Wahnstirn glaubt, e§ sei der Religion uachtheitig. Dieser Aufsatz, wie ein ähnlicher in Voice of Jacob, fc^cincn von einem,auferstandenen Geiste des 13. Jahrhunderts verfaßt zu sein, und schade, daß mit dergleichen das Parier besudelt wird. — G. Deutschland. Berlin, 2. April. Der vor Kurzem hier in den letzten Jahren verstorbene H. H. Herzberg hinterließ eine Bibliothek hebräischer Werke, die jedenfalls eilte auserlesene genannt werden darf.. Steht mau von einen: Vergleiche mit der Oppenheimer'schen und der Michael'- schen ab, so kann man sie auch reich und selten nennen. Sie enthält nämlich über 800 Werke, wobei die gediegensten Bücher, kostbarsten Ausgaben und prachtvollsten Exemplare sich finden. Hr. H. sammelte mit Auswahl und Geschmack. Eine besondere Vorliebe hatte er für Venetianer Ausgaben, die neben denen von Konstantin opel , Salonichi rc. in der Sammlung prangen. Der Verstorbene war aber nicht bloßer Bibliophile, der, in. seinen Schatz verliebt , ihn vor den Händen der Gelehrten verschloß, nein er.war in hohem Grade liberal, und unterstützte zuvorkommend mit seinen reichen literarischen Mitteln die wissenschaftlichen Bestrebungen der Berliner Freunde dieser Literatur. Diese verlieren jetzt eine Stütze, wenn, wie zu fürchten steht, die schöne Sammlung auS Berlin in die Fremde geschleppt wird, und es wäre um so tiefer zu bedauern, wenn die hiesigen Inden abermals die Gelegenheit errtschlüpfer: ließen, sich ein Verdienst durch den Ankauf einer gewählten Bibliothek zu erwerben. Wie man sagt hat Lt. Schritte gcthan, die Gemeinde-Vorsteher auf die Wichtigkeit des Inhaltes dieser Sammlung aufmerksam zu machen, und sie zu vermögen, an eine Erwerbung für die Seminar- Bibliothek, oder sonstige Anstalt zu denken. Und in der That, sollte eine Gemeinde, wie die von Berlin nicht das Bedürfniß fühlen, eine Bibliothek anzulegeu, die auf 122 - ihre Kosten erhalten und vermehrt wird? Vielleicht wäre es eben solche Pflicht der Verwaltung, eine öffentliche Bibliothek zu erhalten, wie sie eine öffentliche mpD erhält 5 vielleicht wäre es der Großartigkeit und Lieberälität, womit andere Einrichtungen hier ausgestattet sind, würdig, eine zugängliche Bibliothek auf Kosten der Gemeinde anzulegeu, auf daß der arme Gelehrte seine Forschungen erleichtert, auf daß selbst der wohlhabende Gelehrte eine Quelle finde, die sonst selten zu erwerbenden Bücher zu benutzen. Aber abgesehen von diesen Beweggründen, glauben wir, es gezieme sich für die Herren Aeltesten unserer Gemeinde, daß sie eine Bibliothek haben, die sie gqnz die ihrige nennen können. Alle Dikastcrien, Korporationen und Vereine haben mehr oder minder ansehnliche Bibliotheken, um wie viel mehr muß, bei der so bewegten Zeit, bei den drohenden religiösen Kämpfen, der Gemeindevorstand die Nothwendigkeit einsehen, in seinen eigenen Lokalen die Hilfsmittel aufzubewahreu und zugänglich zu machen, .-aus denen Verthei-, dignng, Begründung und Lehre geschöpft werden kann. Und wenn die Regierung oder die öffentliche Stimme an den Vorstand Fragen über Religion, Kultus, Literatur, Geschichte, Ritus rc. richtet, ist es dann schön, wenn sich der mit der Antwort beauftragte Vorsteher oder Gelehrte sich die Bücher zu seiner Antwort von allen Seiten her leihen muß? Wäre es nicht passend, in bcn Sälen der Gemeinde selbst alles oder das meiste nöthige Material vorfinden zu können? Hoffen wir, daß unser erleuchteter Vorstand diese Ansicht einer Prüfung, vielleicht einerRücksicht werth hält. Es sollen übrigens, wie wir hören, die Herbergischen Erben sehr mäßige Bedingungen stellen, und zwar sollen letztere der Art sein, daß selbst einigermaaßen bemittelte Privatleute diese kostbare Sannnlung erwerben könnten. Hamburg, 31. März. Die Hamburger Neue Zeitung vom 29. März enthält ein Schreiben aus Hamburg, welches des iitncrn Kampfes und der äußeren Bekämpfung der Mitglieder der Braunschweiger Rabbinerversammlung gedenkt und als besten Allsweg aus den: Labyrinthe der religiösen Kämpfe eine förmliche Sonderung der beiden Hanptparteien in den-jüd. Gemeinden, aber nicht nach der Weise des Frankfurter Reformvereins, empfiehlt. —- Wergeland, obwohl auf den: Kranken- (nach Andern sogar aitf dem Todten-) Bette liegend, fährt in seinen humanen Anstrengungerl für die Ausnahme der Juden in Norwegen fort. Wir Hörer:, daß er seinen früheren Gedichten (die unter dem Titel: Blühende Dornbüsche" herausgekommen und zum Theil in's Deutsche übersetzt sind) wiederum mehrere zu diesem Zwecke hat folgen lassen, so daß sich die Anzahl der auf die Schicksale der Juden bezüglichen jetzt auf 20 beläuft. — Ir: den Hamb. lit. u. krit. Bl. vom 24.,. 26. unb 29. März finden Ihre Leser eine Reeension eirres von: Prof. Mosche in Lübeck verfaßter: Programrr:s über das