Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 15 (9.4.1845)
- Date
- 1845-04-09
- Page
- Spalte 237-238 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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237 Studien. Kurze Notizen und Miscellen. 238 falsches Aergniß abtegen, zu übertreten oder gar gotteslästerlich eine lügenhafte Aussage bei Gott betheuern. Der Nachdruck, den man von geraffen Setten auf den Eid moi-6 Judaico legt, ist nichts als ein Blendmittel gegenüber der christlichen Behörde. Der wahre jüdische Eid ist blos „bei Gott" als dem Heiligsten. Bei etwas Anderm soll der Jude nicht schwören (vergl. bes. ITOD nimn,'D)! Selbst „bei der Bibel schwören" ist daher durchaus unjüdisch. Denn blos eine Bibel in die Hand nehmen (p^n HU'pJ) von den Lalmudisteu der Feierlichkeit wegen (qv^ «s. Aschen zu Schebuot Absch. VI init. 3 R. Niffim zu Nedarim 22 b ans. idn u. a.) angeordnet worden. Ein anderes Buch, etwa ein Gebetbuch statt der Bibel in die Hand nehmen, ist ebenfalls gestattet; so wie denn überhaupt das jüd. Recht den Behörden den freiesten Spielraum laßt, eine angemessene Feierlichkeit bei der Eidesleistung anzuordnen. Aber „bei der Bibel" schwören, ist wie gesagt, uujüdisch. Sieht man sich daher gemüßigt aus dem Wesen des jüd. Eides eine Untüchtigkett zum Schwören abzuleiten, so kann man nur den für untüchtig'erklären, der an Gott nicht glaubt. Nur bei denjenigen, die etwa eines Meineides, oder die eines solchen Vergehens sich schuldig gemacht haben, wodurch sie an den Lag legten, daß sie um des Geldes willen das göttliche Verbot übertreten Dom ytan, als: Wucherer, Räuber u. dergl. tritt die von dem Talmud angeordnete Erschwerung ein, daß dieselben selbst nach Zurückerstattung des gestohlenen Gutes rc. nicht eher zum - Zeugen zugelaffen werden, als bis sie auch ihre Lebensweise klar an den Lag gelegt haben, daß sie ihre sittlich verderbte Gesinnung zum Bessern verändert haben. Doch wie wir gleich anfangs bemerkten, das Frankfurttr Rabbinat hat hauptsächlich die Grundsätze'des sog. Reform- Vereins im. Auge, die es als Beweggrund der Unterlassung der Beschneidung angiebt. Es ist der Unglaube, das Leugnen der Lora, das sich thatsächlich in der Unterlassung der Beschneidung bewiesen und mit der Untüchtigkeit zum Zeugen und Schwören bestraft werden soll. Der hierhergehörige Ausspruch des Maim. befindet sich in H. Edut Xl, 10 wo es heißt, daß die pD*Vp’DN untüchtig seien zum Zeugen. Es fragt sich nur was unter Epikurust'n zu verstehen sei. Denn daß dieser Ausdruck vieldeutig ist, daß er bald die verächtliche Behandlung eines Gelehrten, bald Götzendienst, bald Atheismus mit allen zwischen diesen Extremen liegenden Abstufungen bedeutet, ist jedem Lalmudisten bekannt. Daß ferner fast überall die Lescarten zwischen vN^p'Oör , po, 'pTO , u. dergl. variiren, weiß der aufmerksame Lalmudkundige nicht minder. Daß auch bei Maim. dieselbe Unsicherheit in der Bedeutung wie in den Lesearten herrscht, das läßt sich daher leicht erklären. Wollen wir nur die Bedeutung des Ausdruckes or.ip'DN an der angeführten Stelle ermitteln, wo von Maim. praktische Folgen für den aufgestellt sind, dem er diesen Namen beilegt, so müssen wir andere Stellen vergleichen, wo er für den mit diesem Charakter Behafteten ebenfalls praktische Folgen aufstellt, zugleich aber auch angiebt, wen er als Epicurus betrachtet wissen will. Wir werden um so sicherer gehen als Maim. hier uns zugleich durch das p'pyo p^miD andeutet, auf welche Stelle in seinem Werke er zielt. Diese findet sich in H. Rozeach IV, 10 wo es heißt: die d. h. Götzendiener unter den Israeliten, oder der ein Verbot Übertritt in der Absicht Gott zu erzürnen (ö'ymh), wenn er selbst von einem gestorbenen Vieh ißt oder ein Kleid von Wollen und Leinen trägt in dieser Absicht (D'JDr6)>f° ist er ein Drop^DN (eine andere Leseart jedoch ist: so ist er ein pD; kin ornp^DN aber ist) wer da leugnet die Lora und die Prophetie, (vgl. auch Maim. H. Akkum 1!, 5.) Betrachten wir nun diese für die Praxis allein Norm gebenden Merkmale eines jüd. Epicurus und vergleichen wir dieselben mit den von dem sog. RV. ausgesprochenen Grundsätzen z so können wir nicht behaupten, daß er götzendienerische Grundsätze proklamire, auch nicht, daß er will, daß man die Verbote übertrete Es bleibt also nur die Frage übrig, ob er die Lora und die Prophetie leugne. Daß die positive Leugnung eines politischen Messias, nach dem Talmud, eine Ansicht ist, die nicht blos etwa einmal aufgetaucht und abgewiesen ist, sondern wie jede andere im Talmud ebenfalls bestrittene Meinung stets berücksichtigt ward (wie aus Sanhedrin 98 b ^,-j '-no ip^DN^ hervorgeht) und ohne irgend eine Verketzerung neben der im Talmud recipirtm besteht, beweist hinlänglich, wie auch R. Jos. Aldo darthul, daß eine solche Messiasleugnung mit der Leugnung der Lora nicht identisicirt werden kann. (Fortsetzung folgt.) Kurze Notizen und Miscellen. NDT1 DUKD'i>pN1 ] 3 1DDT1N " n.' Dieses im Besitze des Hrn. Reifmann sich befindende Büchlein (LB. 1844, Nr. 31, Literaturbericht) ist ein aus dem G r i e ch i s ch e n übersetzter Roman. De S a c y sagt darüber bei Gelegenheit der Notiz über Kalila und Dimna (Notices et ßxtraits; T. IX, p. 405): „Ce nuime roman (Syntipas le phitosophe) a pvoduit celui d’E raste fils de Diocletien, de sa belle* mere A p h r o d isiaet de sept philosophes, qui a ete publie. sous des titres un peu differens en plusieurs langues. Oh peut consuiter Ia-dessus, la Bibliofcheque Grecque de Fabricius (1. V, c. XL. 11), et un memoire de M. Dacier, dans le receuil de TAcademie des Belles-lettres (t. X, p. 339)." Das „Leben Erast's" gehört demnach in