Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1845)
- Date
- 1845-04-09
- Page
- Seite 118 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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118 errichtende Blindenanstalt zusammcrlgcschossen. — Ein geachtetes Holland. Blatt, die „neue rotterdamsche Courant^ weist in einem leitenden Artikel den Vorwurf des Mangels an liberaler Gesinnung, den man den Holländern gemacht, durch die Erwähnung der unbeschränkten bürgerlichen Gleichstellung aller Konfessionen, die in Holland herrsche, kräftig zurück. . E. C. Schleswig-Holstein, im März. Nachdem im Jahre 1844 der Bau der Rendsburg er Synagoge, der durch das Legat des sel. Hartwig, genannt von Essen, gcst. in Hamburg, möglich geworden, bereits begonnen hatteist nun für dieses Jahr auch der Bau der Synagoge zu Friedrichstadt, zu dem derselbe Verstorbene ebenfalls 15,000 Mark Courant vermacht hatte, beschlossen worden. Die Plätze (Stände) werden nach wie vor jedes zweite Jahr neu vermiethet werden. D e st e r r e i ch. Tarrropsl, 9. März. Das von Sr. Majestät dem allcrgn. Kaiser, der hiesigen Stadt huldreichst verliehene Privilegium einer königlichen Freistadt, und die Jnstallirung eines neuen Bürgermeisters, machte in der hiesigen Bürgerschaft den Wunsch rege, diese freudigen Ereignisse durch ein Fest zu feiern. — Die jüdischen Bürger , erst jüngst durch hohen Beschluß zu dieser Würde erhoben, wünschten noch überdies dieser Feier auch ihre Aufnahme in den Bürgerverband anzureihen, und traten mit Vergnügen der Aufforderung der Stadtrepräsentanten bei, durch ein Festessen, diese für die hiesigen Bürger so wichtigen Erlebnisse freudig zu begehen. — Am 3. d. M. fand dieses Festmahl statt, das auf S glänzendste geordnet, den Erwartungen vollkommen entsprach, die man sich von den vereinten Kräften einer wohlhabenden Bürgerschaft machte. — Die Bürger als die eigentlichen Festgeber, luden auch hierzu die höhere christliche Geistlichkeit, den in und um die Stadt wohnenden Adel, einen Theil des hiesigen Officierkorps, und die obem Beamten aller Branchen ein. Alle erschienen, um ein Fest verherrlichen zu helfen, das bei den wichtigen Gründen, die es hervorgerufen, auch den Reigen zu einer brüderlichen Annäherung der Bürger beider Konfessionen zu eröffnen, schien, dessen günstige Folgen für Stadt und Bürger nicht zu berechnen sind. •— Man überbot sich gegenseitig in Höftichkeits- und Freundschaftsbezeugungen, und Jeder freuete sich ein veraltetes Vorurtheil abgestreift zu haben, das bis jetzt eine so schroffe Abgrenzung zwischen den Bekenner» beider Religionen erhalten. Bald bemächtigte sich auch Frohsinn aller Anwesenden, und wärmer und wärmer schlossen sie sich an einander, bis aller Zwang fiel, und man sich brüderlich die Hände reichte. — Die eigentliche Tendenz des Festes ging in der hehren der Versöhnung der Konfessionen und Stände auf, und jubelnd stimmte Alles in die Toaste ein, die man sich gegenseitig brachte. Ein Akatholik rief ein „Lebehochs dem katholischen Probste, ein Jude den anwesenden Brüdern der Gesellschaft Jesu , deren Verdienste um die Bildung der jüdischen Jugend er dankend gedachte, und ein hochgestellter Militär brachte einen warmen Toast der jüdischen Gemeinde und ihren Bürgern, die er früher vielleicht gar nicht kannte. Auch der Todteu wurde gedacht, und dem um die Bildung der hiesigen Judengemeinde so hoch verdienten in Gott ruhenden Schuldirektor Joseph Perl, brachte Hr. Dr. Horvwitz ein „Lebehoch" begleitet von einigen gediegenen Worten, wo er sein und seiner großen Verdienste ehrend erwähnte. — Stürmischen Beifall ärndtete der Redner, ttnb unser ebenso geehrter wie humaner Kreishauptmarm und Gubernialrath Ritter von Sacher, nahm hierdurch Veranlassung, seine eignen Gefühle über das heutige Fest auszusprechen, und dem gelehrten Todten alle Anerkennung gewährend, forderte er die Judengemeinde auf, in seinem Geiste zu leben, beide Gemeinden aber mahnte er in rührenden Worten zu brüderlicher Eintracht und ungeheuchelter Freundschaft. — So endete ein Fest, das den Bewohnern TarnopolS eine neue Aera für ihre Kommunalzustände eröffnet, dem kalten Beobachter aber die Bemerkung aufdringtdaß alle EmaneipationS-Ideen nur teere Wünsche bleiben müssen, so lange sich alle Parteien nicht zu nähern suchen , und Vorurtheile nicht zu bannen vermögen, die deren Zwiespalt so lange frisch und jugendlich zu erhalten wußten. —- Daß aber der Impuls hierzu, wie alles Seegensreiche, von Oben kommen müsse, hat sich auch durch dieses Fest bewähret, das der Idee unserer höhergestellten Beamten entkeimt, durch ihr leutseliges und überaus humanes Betragen auch jene Weihe erhielt, welche cs zu einem wahren Versöhnungsfeste stempelt. P. Das Wesen des Judenthums und seine Zukunft. I. Das System des Unglaubens. Wenn es unbestreitbar wahr ist, daß ein Kampf auf dem Gebiete des Geistes Ideen und Principien zu seinem Gegenstände, Wissenschaft und Philosophie zu seinen Waffen und Geschossen haben müsse, so wird auch jeder Jünger der Wahrheit zugeben müssen, daß die allgemein verbreitete Ansicht, es werde innerhalb des gegenwärtigen Judenthums ein heftiger und