Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1845)
- Date
- 1845-04-09
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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117 dessen zu sein, daß auch in England, und zwar unter einem Toryministerium, ein Schritt vorwärts geschehen soll. Sir Robert Peel hat nämlich auf eine Anfrage des Parlamentsgliedes Herrn Trelawney am 6. März Lm Unterhause erklärt, er werde nächstens eine Bill einbringen, durch welche die Nichtbetheiligung der Juden an Municip.alälntcrn aufhören sollte. Es wird wohl also eine Abänderung der Eidesformel vorgeschlagcn werden. Die Sache mag nun allerdings zunächst durch die (annullirte) Wahl des Herrn David Salomons zum Aldermann von London hervorgerufen worden sein; indeß ist die Entscheidung schon bei der Stellung Peel's, den hierbei auch die Whigopposition unterstützen wird, als eine durchaus sichere und günstige zu betrachten; ja, wir glauben überzeugt zu sein, daß das Unterhaus wenigstens, wie früher so auch diesmal, für die völlige, uneingeschränkte Emaneipativn der Juden stirnmen wird. Vielleicht ist auch das Oberhaus seit den letzten Jahren zu größerer Einsicht über die Grundsätze der wahren Gerechtigkeit gekommen. — Die Wahl des Herrn Helfft in Brannschwcig zuin Stadtverordneten daselbst soll nun von der Negierung mit dem Zusatze gutgeheißen worden sein, daß sie zwar gegen das Grundgesetz verstoße, indeß wegen der Eigenschaften des H. Heisst für giltig erklärt werde. Als ob die Stadtverordneten je einen Juden gewählt hätten oder wählen würden, wenn er nicht, treffliche "Eigenschaften besäße. -— Herr D. A. Benda m Berlin hat seine Stelle und seinen Titel als Berliner Stadtrath aufgegeben uub will von nun an nur der: Wissenschaften leben. — E. C. Hamburg, 28. März. (Z u r Em ancipatiou s- ■ frage.) Die Osterferien des englischen Parlements haben u. A. auch die Bill wegen der Zulassung der Juden zu Kommunatäuüern noch unerledigt in: Ilnterhause liegen lassen. Diese Pause wollen wir unsrerseits dazu benutzen, um noch einiges Detail über denjenigen Stand der Emaneipationsfrage in England alachzuholen. Die öffeiltliche Meinung (itnb fie wird in England mehr als überall sonst durch die Zeitmlgen treu abgespiegelt) hat sich unter alleinigen: Widerspruche der nltratorystischen Morning Post eiustirnmig für das gute Stecht der Jnden erklärt; nächst dem Globe ist hier besonders des Morning Chroniele ehrenvolle Erwähnung zu thun nnb auch die französische:: und die belgischen Zeitungen haben die gute Gelegenheit ihre Leser dara::f hinzuweisen, daß im Punkte der religiösen Toleranz, wenn auch spät, die Engländer von den Franzosen und Belgiern zu lernen anfingen. (Journal des BeJjals, ConslitutionneL, Emancipation de Bruxelles). Dies sollte ein Fingerzeig für unsere deutschen Gegner sein, daß es nicht eine von Inden okkupirte Presse, sondern der Geist der Wahrheit und Gerechtigkeit allein es ist, der die Eisrinde des Worurtheils von den Herzen der christlichen Gesetzgeber löst. Die englischen Juden find aber auch darin völlig Engländer, daß. sie sich durch kleine Abschlagszahlungen nicht von der Eintreibung der ganzen, längst fällig gewordenen Schuld ablenken lassen; so überreichte schon am 11. März Lord Monteagle in: Oberhause eine Petition von Sir Isaak, S. Goldschmid, Herrn Moses Moeatta und den Bezirksvorständen der West-London- Synagoge britischer Juden um vollständige Emancipation. Sehr hübsch zeigt das Morning Chroniele, wie die Juden, die des passiven Wahlrechtes (des Rechtes, ins Parlament gewählt zu werden) entbehrten, in dem aktiven Wahlrechte (als Wähler) ein viel wichtigeres und wenn sie wollten, weit eher zum Missbrauche geeignetes Gut besäßen. Auch ist die Praxis dem Votum de§ Parlanreuts bereits vorangeeilt; denn schon findet u:an Juden als Aldermens in Birmingham, Portsmouth und Southampton. — Daher ist auch der Widerstand gegen die neue Bill eben so matt wie die Sympathie für dieselbe und als Peel am 1?. März im Uuterhause auf die erste Verlesung derselben antrug, ließ sich nur der unverrneidliche Judenfeind Sir Robert Jnglis brummend und knurrend vernehmen. Die zweite Verlesung wird wohl erst in der zweiten Aprilwoche stattfinden. — Ob bereits wieder in Norwegen der Antrag auf Abänderung des §. 2 des Grundgesetzes gestellt worden, ist aus den bisherigen Storthingsverhandtungen noch nicht zu ersehen. Leider ist Wergelaud noch immer krank, obwohl wieder geistig produktiv. Bei dieser Gelegenheit uröchte ich die Redaktion des Orient darauf aufmerksam machen, daß sich der Verfasser des Aufsatzes, über Norwegen in der illnstrirten Zeitung vom 22. März einen Jrrthum (oder eine absichtliche Entstellung?) hat i\\ Schulden kommen lassen, indem er behauptete, jene Abänderung des tz. 2 der norweg. Konstitution sei im I. 1842 mit großer Majorität verworfen worden. Das ist nämlich durchaus nicht wahr. Die Majorität (von mehr als 90 Stimmen einige über 50) stimmten für Wergeland's und Sörensen's Motion; aber die zu jeder Modifikation grundgesetzlicher Artikel in Norwegen erforderliche Majorität von zlvei Dritttheilen der Versammlung (analog mit den Statuten der preuß. Provineialstände) konnte leider nicht erwirkt werden. Indeß sind im I. 1844 wenigstens die portugiesischen Juden wieder zum Reiche zugelassen worden und auch sonst sollte man bedenken, daß ein Jahr laug unbeachtet gelassener Rost nicht gleich beim ersten Male schwindet und weicht. Wäre es sonst wohl in: Jahre 1845 in Preußen noch nöthig, um die Wiederherstellung des Ediktes vom 11. März 1812 zu bitten? —Herr Dr. S. Stern in Berlin hat nun seine am 26. Febr. und wiederholt an: 15. März gehaltene Verlesung: „Das Judenthum und die Juden im christliche:: Staate" in: Berliner Lesekabinet erscheinen lassen. — Die Juden in Bonn haben in dankbarer Anerkennung des in Coblenz gefaßten Ernancipationsbeschlusses 371 Thlr. 10 Sgr. für die in Düren zu