Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1845)
- Date
- 1845-04-02
- Page
- Seite 111 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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111 die im Sabbat - Blatte enthaltenen hiermit ausgewählt und eingeführt sein. I V. Die früher am Vorabende des Bersöhnungsfestes gesprochene Formel: Kol Nidre soll fortan in den Synagogen Meklenburgs abgeschaffr sein und der Gottesdienst m:L,Wenislach eröffnet werden. Auch ist das Hafarot Nedarim in der Synagoge nicht mehr zu sprechen. Die Herren Vorsteher wollen obige Bestimmungen auf dem üblichen Wege zur Kenntniß der Gemeinde und des Synagogendieners bringen und sie, gleich der Synagogenordnung, aufrecht halten und überwachen. Schwerin, den 27. December 1844. Der Oberrath. Müller. Meyer. Dr. Holdheim. Dr. Aarons. Dr. Wehrend. Kaufmann. Dr. Marcus. Liepmann Marcus. Hamburg, 18. März. Der dem Oberhause in Betreff der Wahlfähigkeit der Juden zu Municipat- und städtischen Aemtern dem 7. März vorgelegte Gesetzvorschtag, über dessen Bedeutung und erste Verlesung ich Ihnen in zwei vorhergehenden Mittheilungen das Nähere berichtet (?), ist am 10. März zum zweiten Male im Ober- Hanse verlesen worden. Auch diesmal trug der Lord- Kanzler (Justizminister, gegenwärtig ein Tory) auf die Verlesung an; der Bischof von London (Blomfield, der bekannte Philologe, ebenfalls ein Tory) reservirte sich dann seine Opposition; dagegen erklärten stch die Lords Brougham (vormaliger Lordkanzler) und Landsdowne (Mitglied des früheren Whigkabinets) zu Gu'nsten des Vorschlags. Lord Campbell (Whig, eine der ersten rechtsgelehrten Autoritäten des britischen Reiches, derselbe, der im O'Connetlschcn Proeesse den AnSschtag zur Freisprechung gab) druckte den Wunsch ans, daß den Juden bald auch das Recht zugestanden werden möchte (welches ihnen auch nach der neuen Bill noch versagt bleibt), Lord-Mayors von London werden zu können und daß schon in der nächsten Session (1846) die Juden als zu Parlamentsgliedern wählbar anerkannt werden möchten. Das Letztere sah dagegen Lord Colchester für ungehörig und unzulässig an. Die Debatte schloß dann mit einigen Worten des Lord Redesdale und mit der zweiten Verlesung. Geht nun, iiuc nicht zu bezweifeln, die Bill im Oberhanse durch den Ausschuß (die Kommission) und wird sie zum dritten Male verlesen, unb wird sie dann auch, was sicherlich geschieht, im Unter- Hause angenommen, so sind die Juden für'ö Erste den Quäkern, mährischen Brüdern und Separatisten gleichgestellt und auch bei ihnen findet die Weglassung der Worte „bei dem wahren Glauben eines Christel:" in der Eidesformel statt. C. Oesterreich. Wttag - Ikeustndtl, März. Das letztversiossene Jahr gewährte Allen große Hoffnungen, versprach nach beiden Seiten hin Wiel, und — täusche Beider Hoffnungen Ulid hielt weder dem Einen noch dem Andern die geleisteteten Versprechen! Speeielles übergehend, erwähne ich hier bloö die beim Reichstag wiederholt zur Sprache gefommcitc Emaneipationsfrage und die ungarische Rabbillerversammlung, die beide nach sehr kurzem und schwachem Leben (oder richtiger Vegetiation l) wohl nicht geräusch- und laut-, aber doch fast ganz resultat- und erfolglos simst in den Orkus hinabstiegen. Ich sage h i n a b st i eg en, denn keineswegs wurden sie durch äußre Unglück'sfätte und unvorhergesehene Stürme aus der lebenden Reihe gestoßen, und in das Reich ewiger Stille und Thatlosigkeit hinabgedrängt; es war innere Schwäche, die sie nicht aufkomulen ließ, cs war die eigne Kraft- und Marklosigkeit, die ihnen in der Zeit des geränsch- und wechselvollen Drängens und Treibens sich zu behaupten nicht gestattete; es war Mangel an innerer Wärme, die keine Fruchte gedeihen und der: Baum vor der Zeit welken ließ. Die Emaneipationsfrage, die beim vorige:: Landtag so merkwürdig reussirte und beinahe durchgegangen wäre, ist beim jetzigen total d urch g efallen, weil es sowohl den Petitionirenden als dem legislativen Körper an innerer Wärme und heiligem Eifer für die Sache des Rechts, der Freiheit und der Humanität fehlte, ja von Seiten der Inden, sogar von einer der größten Gemeinden Ungarns, G e g e n schritte versucht wurden; ein Urnstaud, der den Judenfeinden wieder neuen Beleg gab zu der Behauptung: Der Jude verdiene keine Menschenrechte, weil er dieses edlen Gutes hohen Werth nicht kenne, — was in: Grunde eben so ungereimt klingt, als wenn rnan den Kindern Unterricht entziehen wollte, weil sie dessen Werth und Nützlichkeit nicht anerkennen, ihm nicht hold sind und lieber unwissend und ununterrichtet in Scherz und Spiel die Tage zubringen wollten! Und der Staat soll ein väterlicher sein, n:uß seinen Kindern oft manches Gute quasi aufdringen, in der sicher:: und nietrügenden Zuversicht, daß sie eben durch den länger:: Genuß dieses Gutes und die dadurch veranlaßte nähere Kenntniß desselben seinen hohen Werth erkennen und dem huldvollen Spender artig dankbar dafür sein werden; — abgesehen davon, daß es nur der kleinste Theil der ungarischen Juden ist, dem Emaneipation unerwünscht ist, und auch bei diesen: nur aus — ungerechter — Furcht vor der, im Gefahr der politischen gewöhnlich kommenden geistigen Emaneipation, und den dadurch veranlaßte:: religiösen Reformen. Und von Seiten des Reichstages zeigte sich dem aufmerksamerer: Beobachter die traurige Wahrnehmung, daß sowohl die mit Ausarbeitung der Judenfrage beauftragte Kommission in ihrer Eingabe als auch die Redner, die sich bei der Verhandlung pro auSsprachen, zu fü rchte n schienen, die Sache werde renssirer:, und man sah es den meisten dieser pro leicht an, daß es nur schlechter-