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Der Orient · 1845-04-02 · Heft 14 (2.4.1845) · p. Seite 112

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 14 (2.4.1845)
Date
1845-04-02
Page
Seite 112 (sequence 15)
Language
German
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112 hüllte, in einen Bombast von Hmnanitäts- und Rechtsgcwährungs- Phrasen verpackte contra waren. Ob die Jude:: nicht überhaupt auch dieser ungünstigen Behandlung der Frage von Seiten der Legislation einen großen Theil der Schuld zu tragen haben, ist eine beachtenswerthe Frage, deren Beantwortung wir aber Andern überlassen wollen. Die zweitgenannte Erscheinung, die im Monate August zu Paks im tolnaer Komitate stattgehabte Nabbinerverscnnmlung— ein Gegeu-, nicht Seiten stück der Braunschweiger — welche bei der in Ungarn noch die Mehrheit allsmachenden Partei große Hoffnungen erregte, brachte eben solch' herrliche Früchte l Die Versammlung wurde nach 3 Tagen aufgelöst, ohne das kleinste Resultat hervorgebracht, ohne das Geringste bestimmt , ohne auch nur ein Jota geändert zu haben, was ganz untürlich, da die ehrenwerthen Herren durchaus sich llicht bewußt waren, was sie wollen, sondern höchstes was sie nicht wollen, keine Gestaltung, möge diese übrigens wichtig oder unwichtig, löblich oder schädlich, heil- oder unheilbringend sein. Der Charakter der Versammlullg war. also ein rein p r o t e st i r e n d e r; gegen de§ Zeitgeistes Allmacht aber kann wohl Protest::! — denn daö Wort ist frei — aber mit der Protestation nie Etwas auSgerichtet werden l Von den alten Rabbinen Ungarn'ö gingen seit Kurzeur mehre in ein besseres Leben ein, in jene seligen Gefilde, wo Orthodo.rie und Ncologie Arm irr Arm wandeln und ewiger Friede herrscht; so der Rabb. zu Körmcnd, Kitsee u. And.; dem Alter, nach den jünger::, den Grundsätzen nach aber der Hype.rorthodoxie angehorend war der an: 26. v. M. verstorbene Rabb. zu Papa, Rabb. Pinchas Hurowitz, Stifter der weiland ungarischen Rabbinerversaminlung, der mit seiner Gemeinde in stetem Kanlpfe begriffen war, und in den letzten Monaten gerichtlich zu machen Acndernngcn im Sinne des Fortschrittes z. B. Kopuliren in der Synagoge , Predigt u. dgl. g e z w u n g e n wurde; einer der Aeltesten an Jahren, dem Geiste nach der Gegenwart augehörend und alle ihre Bestrebungen mit Eifer und Liebe erfassend und möglichst befördernd, war der gelehrte, helldenkende itttb bis zu seiner letzten Stunde unermüdlich thätige Chor in, Rabb. zu Arad, über dessen Hintritt zur Zeit in Ihrem Blatte berichtet wurde. Der ehrenvolle Ruf zur Besetzung seiner Stelle erhielt Hr. I. S t e i n h a r t in Presburg, tm Vaterlande als Hauptmitarbeiter der presburger Zeitung und Pannönia bekannt, ein tüchtiger, vielseitig gebildeter Theologe, voll ernsten aber gemäßigten Eifers für Inder: und Judenthum, und dem zeitgenräßen Fortschritt zugethan, ohne destruktiv zu sein, besonders ein trefflicher Ungar, was gewiß in einer gebildeten ungar. Gemeinde zur nicht geringen Empfehlung gereicht. Hr. St. nahm den ehrenvollen Rrrf an, und geht schon nächstens nach dem Orte seiner Bestimrnung ab, und zwar so, daß er am großen Sabbat seine Antrittsrede hält. Es kann gewiß für jeden Fortschittsfreund, besorrders aber für den bildungSliebendcn Ungar. Juden, die Wahrnehmung rrrrr höchst erfreulich fein, daß auch bei uns jetzt die Vakanzen meist mit gebildeten Rabbinen besetzt werden, und so das bei uns kleine Häuflein der fortschreitenderr und bildenden Volkslehrer immer wächst. Wie falsch und grundlos die Beschuldigungen sind!, die bei Erwähnung der arader Rabbinatsvakanz (im Israeliten) gegen die sehr ehrenwerthen Herren Rabb., Schwab und L ö w, wie früher daselbst gegen den vor wenigen Monaten in Gr. Wardein zuur Rabb. aufgenommenen Dr. I. Wahr mann vorgebracht wurden, wird jeder Unparteiische, mit der: Verhältnissen ein wenig Vertraute, leicht finden, und soche Klagen in ihrer Nichtigkeit anzusehen wissen. Die jüdischer: Referenten Ungarn's sollten billigerweise immer erst ein Auge auf den allgemeinen Bildungsstand im Vatertande werfen, um zr: sehen, wie weit dieser noch von dein Deutschlands zurück ist; und sie werden dann leicht einsehen, daß auch an das Schaffen.und Wirken eines gebildeten ung ari sch en Rab b. noch immerhin nicht der Maaßstab eines deutschen gelegt Werder: darf; sie werden finden, daß Letzterer schon eine gebildete Gemeinde vor sich hat, mit der er auch dann leicht religiöse Umgestaltungen ur:d Fortbildung des Judenthums vornehmen kann, Elfterer hingegen zu solchem Zwecke sich erst aus seiner eingebildeten eine gebildete Gemeinde schaffen und bilden muß, was gewiß bei einer von religiöserkVorurtheilen und benebelter Unwissenheit umfangenen Genreinde, mit der man religiöse Reformen vornehmen will, der Fall ist! Doch wollen wir hiermit keineswegs dem dolce far mente, dem sich manche nuferer Rabbiner: so gemächlich hingeben, das Wort gesprocher: haben! E. Cato. Personalchromk und Miseellen. Vermischtes. Der berühmte norwegische Dichter Wergeland, der im Jahre 1842 mit der größten Energie für die Aufhebung des §.2 des norwegischen Grundgesetzes kämpfte, ist bei der diesjährigen Versammlung des Storthings, leider nicht anwesend. Eine hartnäckige Krankheit hält ihn ans Bert gefesselt. Indessen wird wohl sein früherer Kampfgenosse, Hr. Sörensen, jetzt Präsident des Storthings, die edle Rolle übernehmen, welcher Wergeland im Jahre 1842 so männlich sich unterzog. Verlag von C. Fritzsche. Druck von I. H. Nag e l.

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