Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1845)
- Date
- 1845-04-02
- Page
- Seite 108 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Mer Hrn. C. ist es mit der ganzen Frage nach meiner Legitimation wohl gar nicht eigentlicher Ernst; er weiß es wohl, daß man ebenso gutvon Frankfurt aus für Dr. Adler, obgleich dieser ein „Frankfurter Kind" ist, als von Hamburg, der Geburtsstadt des Hrn. S. R. Hirsch, aus, für diesen schreiben darf; er weiß auch, daß Jemand irgend einen gewissen Artikel eines Blattes vertheidigen kann, ohne darum die Unparteilichkeit, oder gar die „Sünden" des ganzen Blattes vertreten zu wollen oder zu müssen; es ist ihm, dem Journalisten, auch nicht unbekannt, daß man keineswegcs durch irgend eine äußerliche Beziehung bei einer Sache betheililigt zu sein braucht, um gleichwohl für oder wider dieselbe in die Schranken treten zu dürfen; er zweifelt wohl gar nicht daran, daß man die Wahrheit sagen dürfe, ohne die naseweise Frage: warum man sie sage, auch nur einer Antwort würdigen zu müssen; er sieht es mit mir ein, wie verrückt z. B. der judenfeiMiche Proselyte Frankel war, als er, der vorher 1NDV ^1 'fl bl) geschimpft, auf meine an ihr: gerichtete Frage: wie er seine wahrheitswidrigcn Schmähungen vor Gott und dem Publikum verantworten wolle, an mich die in seinem Munde um so possierlicher Gegenfrage richtete: Wo ich denn meine Vollmacht hätte, von Gott und dem Publikum unterzcichn.et, die mich berechtige, solche Fragen an ihn zu richten? Hr. C. weiß das Alles recht wohl, und wenn er dennoch nach meiner Qualifikation fragt, so geschieht es mit, um unpassenderweise meine persönliche Stellung bei der Redaktion m§, Spiel zu ziehen, und zwar nicht etwa, um diese irgend zu seinem Vortheile zu benutzen, denn das war etwas rein Unmögliches — sondern um daran über die Oberpostamtszeitung, ihre Vergangenheit und Zukunft, ihre Farbe und Temperatur, und sogar über ihre „Geheimnisse" allerlei Betrachtungen zu kllüpfen und zu behaupten: „sein Urtheil (?) über die O.P.A.Z. nehme er überhaupt nicht zurück." (??) Freilich kommt in dem. von mir gerügten Berichte des Hrn. C. von Allem, was er hier an den Haaren herbeizieht, kein Wörtchen vor, was er hier, wie er sagt, nicht zurücknehme; aber das geschieht wieder „ans dem Gedächtnisse", wie es nicht minder aus eben diesem sogenannten „Gedächtnisse" geschieht, daß Hr. C. mir in den bliß seiner Zeit auch auf Männer erster Größe, z. B. auf den Glasschleifer Spinoza und auf den Handlungskomwis Mendelssohn anwendbar gewesen wäre. Umsonst, ich, der ständige Referent des Blattes, war nicht legi tim irt, denn aus meinem Aufsätze erhellte ja, daß ich K's. Freund sei, und das Zeugniß (?) eines Freundes hat keinen Werth. Ich erhielt meinen Artikel Franko wieder zurück..;. Seit jenem Tage geschah es auch, daß die Rabbinerversammlung in ihrer ganz ungeheuren Weisheit alle nicht legitimirten „Laien" aus ihrem Sitzungssaale verbannte und nur die als Rabbiner legitimirten Laien zuließ. — Anm. d. Eins. Mund legt, ich hätte die O.P.A.Z. ein unparteiisches Blatt genannt, um sich dann über diese meine angebliche Aeußerung in seiner Weise verbreiten zu können. Merz ken Sie sich aber die Regel, Hr. E. C.: über öffentliche Dinge darf jeder Mündige das Wort nehmen und behaupten: „nihil publici a me alienum esse puto“, bet kann Niemand nach seiner Vollmacht gefragt werden; aber wenn es sich um „Geheimnisse" und um persönliche Dinge handelt, da kann man mit allem Rechte an dm Redner die Frage richten: was berechtigt Sie, sich darüber vernehmen zu lassen? da läßt ein Ehrenmann, wofür ich noch immer Sie zu! halten fortfahre, seine Hand aus dem Spiele mtb überläßt es einem Schmähblatte, wie der „Rheinische Beobachter" ist, von „Geheimnissen und Aufdeckungen" zu faseln. Sind Sie übrigens gutmüthig genug, um sich „lieber kurzsichtig nennen zu lassen", als Hm. Lehren für einen Bösewicht zu halten, so hätten Sie wohl auch so gutmüthig sein dürfen, lieber von vorn herein, wie j Sie jetz t gethan, den Wahlmodus einen für Sie „unbegreiflichen" zu nennen, —■ worauf Ihnen dann vielleicht der in Gegenwärtigem ertheilte Aufschluß geworden wäre — als daß Sie so ohne Weiters mit der? Beschuldigung des Fälsitms um sich warfen,, ja, von j einem gegen Hrn. Lehren so wolwollenden Manu hätte auch ich meinerstits so viel menfchenfteuudtiches Wohlwollen in Anspruch nehmen dürfen, daß Sie nicht nach einem persönlichen Beweggründe meines Handelns in imeinen Privatverhältnissen umhersuchen würden, wo der Gedanke, daß ich mich lediglich für die Wahrheit und \ den öffentlichen Charakter der Sache interessirte, bei Betrachtung meines sonstigen öffentlichen Sirebens doch nicht so sehr weitmtfernt lag. Der Korrespondent der O.P.A.Z. war denn doch auch mindestens ebenso gut Ihr „Nebenmensch" als Hr. Lehren, rntd weder gegen Jenen noch gegen mich liegen solche Gravamente vor wie gegen Hrn. Lehren; wir hatten also nicht weniger Anspruch auf eine philantropifche Bemtheilung als der Nasi vom gelobten Lande — der freilich die Kandidatur des Hrn. Hirsch auf jede mögliche Weise unterstützte, aber eben dadurch den Argwohn vieler Gutgegesinutm erregte und eigentlich den einzigen Vorwurf bildete, der in dem besprochenen Artikel der O.P.A.Z, gegen Hrn. Hirsch geltend gemacht wurde, aber auch gar Manchem die Augen öffnete. — Denn daß in dem fragl. Artikel weiter „die Gegner (Mitbewerber!) des Hrn. Dr. Adler als Anhänger mittelalterlicher Dogmen und Principien" dargestellt und von Hrn. A. behauptet worden, daß er „der Reform huldige", das citirt Hr. C. nur so „aus dem Gedächtnisse", in Wahrheit und Wirklichkeit aber steht davon nichts in dem Artikel. — Die Umtriebe des Hrn. Lehren zu Gunsten des Hrn. Hirsch waren auch ganz derart, daß man annehmen mußte, die Chasidim würden solche Minen