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Der Orient · 1845-03-26 · Heft 13 (26.3.1845) · p. Seite 100

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 13 (26.3.1845)
Date
1845-03-26
Page
Seite 100 (sequence 7)
Language
German
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100 - dieses bis jetzt nicht geschehen, wollte ich durch obige Darstellung offenkundig machen. Leopold Stein, Rabbiner. Hamburg, 6. März. Noch immer erfährt man von neuen Petitionen, die den preußischen -Provineiallandtagen zu Gunsten der Judenemancipation überreicht worden sind. In Ostpreußen, der Rheinprovinz, Westphalen, dem Herzogthum Sachsen, der Mark Brandenburg und dein Großherzogthum Posen haben sich besonders die großen und industriereichen Städte (Königsberg, Elbing, Bielefeld, Paderborn, Duisburg, Köln, Elberfeld , Aachen, Düsseldorf, Trier, Bonn, Magdeburg, Berlin, Posen re.) bei - dieser Bewegung betheiligt *). Zuletzt Haberl sich Essen (in der Rheinprovinz) und mehrere posensche Städte angeschlossen. In Essen hat der Stadtrath für die völlige bürgerliche Gleichstellrlng der Juden petitionirt;. im Posenschen haben es besonders die Juden selbst. gethan, obwohl Landtagsdeputirte wie der Gutsbesitzer Aleyander von Lipski auf Leskov, der Oberbürgermeister Narrrnann in Posen, der Landtagsmarschall Graf ■ von Grabowski und der Baron Hitler von Gärtringen durch Unterstützung und Förderung dieser Bittschriften ihnen erst einer: günstigeren Erfolg sichern. Bei Gelegenheit dieser Mittheilung gedenkt die -D. A. Z. des trefflichen Edikts vom 11. März 1812, der Beschränkung der Rechte der posenschen Juden vom 8. Aug. 1830, des (Korporatiouo-) Edikts (nach dem Rathe von Streckfuß) vom 1. Juni 1833, des Lipskischen Antrages auf Emaueipation (1843) und der jetzigen Bernühungen der angesehensten Mitglieder und der Korporationsvorsteher der Stadt Posen, sowie der Korporation zu Schwerin a. Warthe und der Stadt Ostrowo, endlich des gemilderten , hin und wieder ganz verschwundenen Judenhasses als eines erfreulichen Zeichens der Zeit und cineö unbestreitbaren Arguments gegen die als Vorwand gebrauchte Abneigung des Volkes (1. e. der Hefe) gegen die Juden. — Auch in Hannover schreitet man, freilich sehr langsam fort. Nachdem die Juden der Wehrpflicht unterworfen worden. ist auch in der Gesetzsammlung Abth. I. Nr. 13 vom 1. März das ^Gesetz über die Eidesleistungen der Juden, ä. ck. Hanllover den 24. Februar 1845^^ erschienen, welches indeß tritt dem neuen braunschweigischen verglichen , sehr viel zil wünschen übriglassm soll. — Im Großherzogthllln Posen kommt auf je 14 Seelen 1 Jude/im-Königreiche Sachsen auf je 250 einer. — In Pornmern und.-Schlesien scheint Nieuland die Juden bei den Provinzialständen vertreten zu wollen. — Ich schließe diesmal mit zwei bibliographischen Anzeigen. Der Herausgeber des-Koran ,, zugleich Verfasser einer Einleitung in Auf dem westfälischen Landtage (in Münster) hat ein städtischer Abgeordneter die Aufhebung des die Juden beschränkenden Gesetzes vom 20. Sept. 1836 beantragt. denselben, ferner eines Werkes „Muhammeds Leben und Lehre" (welchem eine Fortsetzung „das Leben der Kalifeil" folgen soll) und Uebersctzer der arabischen 1001 Nacht, Dr. G. Weil, Bibliothekar an der Universität zu Heidelberg und Mitglied des asiat. Gesellschaft zu Paris, hat eine Schrift: „Biblische Legenden der Muselmänner. Aus' arabischen Duellen zusamn:engetragen und lnit jüdischen Legenden verglichen" in der Literar. Anstalt Mitten) in Franks, a. M. (VI. und 298 S.) herausgegeben. — Außerdem ist in Hamburg (bei Berendsohn) die dritte Auflage des Gesangbuches für den neuen iörael. Tempel erschienen. -— Bemerken wir zuletzt noch, daß die Nouy eiles Annales des Yoyages, (December 1844) auf S. 282—321 einen Llufsatz von Dubeux, betitelt: Essai sur les trayaux geograpliiques des Juifs depuis les temps les plus anciens jusqu’a la fin du dix — luiitieme siede, traduit et exlrait du docteur Zuuz enthalten. — Am 5. März hat Dr. S. Stern in Berlin seinen (siebenten) Vortrag „über die Organisirmlg der jüdischen Kirche im Staat" gehalten. -—- Unterm 4. März hat der Vorstand der Syllagogen-Gemeiilde zu Hannover (Adolph Berend und Joseph Frensdorfs) eine öffentliche Aufforderung zu Meldungen für die am 24. Juni d. I. lviederzubesetzende Landräbbiner-Stelle m Hannover erlassen. KyZ-tsschnr, 9.. Mcärz. Wenn, bisher über die Angelegenheiten unserer Gemeinde noch wenig oder gar nicht öffentlich gesprochen worden ist, so lag der Grund lediglich darin, daß eer Thermometer derselben, seit beinahe achtzehn Jahren auf Null stand. Es blieb Alles tu ihr so einförnlig, so eilltönig und schlaff, ohne daß ein Bedürfniß fühlbar wurde, endlich aufregende harmonische Aecordc anzuschlagcn, die in die Geinüther fernliegende Saiten der Eintracht anklingend machen konnte;:, welche wiederum das Halbstarre Bewllßtsein erwecken und anfrütteln sollten. Mit der Begründung von einem Dlltzend Duodez-Bethäuschen der Nothbehetf, mit dem Ableben des greisen Rabbiuen, beides nach dem hiesigen großen Brande, schrumpfte der immer rege gewesene Genleinsinn der hiesigen Gemeinde ganz unmerklich, immer inehr zusammen, und ohne cs zu gewahren, schlich eine Theilnahmlosigkeit an ihre Stelle und bemächtigte sich der ohnehin schon, ziemlich fremd gegenüberstehenden Gemüther ganz und gar. Ueber solch einen Zustand der Bedatterlichkeit ließ sich, wie dieses sich ganz von selbst versteht, wenig oder gar kein Erhebliches berichten. Aber endlich hat dieser Zustand sich geändert; die Lethargie ist durch das ucucrBautc prachtvolle Bethaus, dessen baldiger Einweihung wir entgegen sehen', ziemlich gewichen. Man rieb sich daher die noch schläfrigen Augen und sah sich um nach einem Rabbiner, der nun unentbehrlich schien. Daß nach einem solchen unwüllkürlichen Erwachen die Blicke nicht klar, das Bewußtsein kein lebendiges und das Bedürfniß noch kein ganz nach den Erfor-

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