Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1845)
- Date
- 1845-03-26
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 99 in Jerusalem neue proselytische Gemeinden in hebräischer Sprache ju beten, von ihren christlichen Seelenmäklern veranlaßt werben. — Von dieser Nummer sind viele Exemplare in unserer Provinz vertheilt worden. „Wie gut eS doch diese Herren mit uns meinen", sagte ein israelitischer Gewürzkleinkrämer.-,,EL mit Nichten", siel ihm sein Nachbar ein, ,,daß ist nichts-als Brodneid gegen bot Frankfurter Reformvereiu und gegen Ho'ldheim und Genossen". — „Nein", erwiederte der Erstere, „ich utctite sie versorgen u::S mit billigem Makulatur zu Pfeffer und zu Häringen". — ' Frankfurt a. M./ im März, In Nr. 1 des Orients vom laufenden Jahre hat ein Korrespondent die Nachricht mitgetheitt, ich hätte den Fasttag „den 10. Tebet" aufgehoben, indem ich an diesen: Tage in der Hauptsynagoge dahier weder die Parasche Wajchal noch Bußgebete (Selichot) vortragen ließ. Kein Freund von öffentlichen Kontroversen/ habe ich diese unrichtige Nachricht auf sich beruhen lassen , es der Zeit überlassend, die Wahrheit heranszüstellen. Da mir nun aber Freunde ans der Ferne ihre Verwunderung ansdrück'en, daß ich diese Reform auf eigene Faust unternommen hätte, fühle ich mich gedrungen, den wahren Sachbestand öffentlich anzngeben. Der zehnte Tebet fiel in diesem Jahre auf einen Freitag. Morgens nun wurde:: in der Hauptsynagoge die Parasche Wajchal gelesen, Bußgebete (Selichot) vorgetragen, wie auch das U3JK also dem Tage sein Recht gehörig vindieirt. Abends jedoch blieb Anenu und Wajchal weg. Damit aber hat es folgende Bewandtnis;. Im hiesigen ' Gottesdienste sind manche Reformen eingeführt worden, denen entsprechend sich eine eigenthi'unliche Fluktuation der Synagogenbesucher gestaltet hat. An dem Gottesdienste nämlich, woran die rcforunrende Hand gelegt worden ist, nimmt das am 10. Teb. fastende Prlbjikum keinen Unkhc.il, wo dies nicht geschehen, da findet es sich ein; znm Beschlüsse des Sabbats z. B. ist es da, denn da blieb AsleS beim Alten, zum Beginne des Sabbats aber fehlt cs, denn da wurde'Manches geändert*). ’) Und zwar mit vollem Rechte. Früher bestand hier der liebenswürdige Gebrauch, daß man am Freitagabende zuerst das Minchagebct verrichtete, dann niDTD, HH HD1? i V ropn yw vortrug: worauf der liebe Sabbat wieder zur Synagoge hinaus mußte, denn es wurde in demselben Gotteshause nochmals Mincha vorgetragen und dann erst rrü angefügt. Das Letztere jedoch war der eigentliche hiesige Minhag, sowie denn in der nahgelegenen Neuschul das fogenannte n^p nie stajUgefunden, und in dem geschriebenen, vom Vorbetex in der Altschul benutzten Gemeind egeberbu che nach Mincha sogleich p^>2 folgt, und weder noch ‘■jV und w piDlft recipirt ist. Man befand sich daher hier auf neutralem Boden , und es wurde die E i n Leitung des Sabbats durch einen Hut sch e n Da um: an dem betreffenden 10. Tebet Freitagabende auf keine fastende Zehn-Zahl (Minjan) zu rechnen war, so. wurde — mtb dies ist ja keine erst von der Kanzel zu begründende Neuerung — uub Pnn weggelaffen. Wer trägt mm die Schuld, daß dcmFasttag sein ganzes Recht nicht geschah? Nicht ich, sondern diejenigen, welche an unserem erhebenden, übrigens sehr fleißig besuchten Freitagabendgottesdieuste nicht Antheil nehmen wollen. Was klagen sie also mich cm? Mögen sie sich selbst anklagen, die, statt des neu hier entstandenen, sich mehr und mehr steigernden, regen Synagogenlebens sich zu freuen, dieses öffentlich ohne Grund zu verkleinern suchen. — Nach dem Bishergesagten wird eS nun Jedermann klar sein, daß an ein Aufheben des Fasttages 10. Tebet meinerseits nicht gedacht wmrde, sonst hätte man gewiß ihn morgens nicht hergebrachtermaaßen eetebrirt. Ich war auch nonn N, ich war ir'rtf DttJ hier, und cs winde, da das fastende Publikurn gegenwärtig war , Abends wie Morgens rtty und ^>nn eingeschaltet. Wer hat übrigens den Referenten belehrt, daß die 5MP ymN biblisch seien? Von ihrer biblischen Begründung wisse:: wir nichts, wohl aber von ihrer biblischen Au sh e b un g durch den Propheten Z a ch ar ia 8, 19, welche Stelle auch der Talmud (2, ri^ nS) dahin deutet, daß mau in Zeiten, wo die Israeliten Frieden haben (nkw W'W JDP), die betreffenden Fasttage n ich L begehen solle. Nur Thorheit oder übelangebrachter Witz kann übrigens die jetzige Zeit, in welcher r:nscre Glaubensbrüder in so vielen Ländern Europa's sich einer ungestörten Religionsübung und schon so mancher bürgerlichen Rechte erfreuen, deren Besitz unsere Väter, wie sie in der alten Frankfurter Chronik beschrieben sind, eine halbe nblN.1 genannt hätten, eine nz? nennen; und sind wohl auch die hiesigen Israeliten noch eine gute Strecke von der bürgelicheu Gleichstellung entfernt, ist auch das vom Referenten berührte Ehegesetz allerdings ein schwarzer Flecken in der hiesigen Gesetzgebung, so wollen wir streben, daß er auSgemcrzt werde, wollen wir uns mehr und mehr der Gleichstellung würdig erweisen, dies wird aber eher geschehen durch Aushebung als durch Beibehaltung antiquirter Fasttage. Ich werde mich daher sehr gern anschließen, wenn die Aufhebung der 5NQP 'ü voir mehreren Rabbinern sollte begutachtet werden; wir sind diese Koncession der Zeit, schuldig; nur der neunte Ab soll als ein Tag, welcher unS durch seine inhaltschweren Erinnerungen so eindringlich Anhänglichkeit an Gott und Religion Predigt, als allgemeiner Bußtag ferner beibehaltcn werden. Jedoch war und bin ich weit davon entfernt, einen so lange itnb aller Orten befolgten Gebrauch allein ausznhebeu; daß Gesang, vor welchem f~b DH nrÄ “fiDiD, und nach welchem DPP W gesungen wird, festgesetzt. Anm. d. Eins. 13 "