Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1845)
- Date
- 1845-03-26
- Page
- Seite 98 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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das erwähnte löbliche G e m eind ek o m i te, bestehend aus sieben gemeinsinnigen Mitgliedern, vom Westen Geiste beseelt ist; daß an der guten Gesinnung des wohllöblichen Gemeindevorstandes in diesem Betreff, wie schon anderweitig bekannt worden, nicht zu zweifeln steht; daß überhaupt die hohe und wichtige Angelegenheit der jährlichen Rabbinerzusammenkünfte hier von allen Wohldenkenden.erkannt und mit der wärmsten Lheilnahme gewürdigt wird, und so dürfen sich die hier zusammentretenden Rabbiner einer gastfreundlichen Aufnahme durchaus versichert halten, und es lassen günstige Zeichen schließen, daß bei zahlreichem Besuche dasInstitut der Rabbinerversammlung von hier aus um e inen m erkti chen S chrit t wird gefö rderL w erden. Frankfurt a. M., den 8. März 1845-.. Der Ausschuß der zweiten Rabbmerversammlung. Leopold. Stein, Rabbiner dahier. De. Formstecher, - zu Offenbach. Dr. S. Adler, - zu Alzey. Dr. A. Adler, Prediger zu Worms. Deutschland. Posen,-.12. März. In unserer Provinzherrscht seit einiger Zeit in Beziehung aus judenthümliches Leben. eine förmliche Windstille. Mau hält fast - überall beit Athen: an, nur zu erlauschen was die nächste Zeit, die schon so lange erwartete, so heiß ersehnte nächste Zeit bringen werde. Inmitten der jüdischer: (S5cmcinbcn der Provinz herrscht fast überall innerer Frieden, der jedoch gewöhnlich nur so lange dauert, bis -"man zu irgend einer Wahl zu schreiten hat; da getl/s beinah wie einst bei polnischen Königswahlen. -— In Krolosch in ist inan über die Wahl des Rabbirwr: itneinig, da der gewählt gewesene Rabbiner Löwenstein bei seiner Gemeinde in Fraustadt geblieben ist. — In Karge ist durch den merkwürdigen Tod de§ dasigen würdigen Rabbiners, den so viele periodische Blätter berichtet haben, eine neue Vakanz.. eröffnet. Auch Pieschen hat sich noch nicht zu einer Wahl entschließen können. — Herr Dr. H irsch seld bleibt zur Freude seiner Gemeinde in Wollstein. Einer schönen Blüthe erfreut stch das jüdische Schulwesen der Provinz. Unsere Schnlen, wo sie vorschriftsmäßig organistrt, sind gänzlich emancipirt. Die jüd. Lehrer werden auf gleiche Weise wie die christlichen gewählt, von der Negierung bestätigt, und diese hohe Behördeverfügt nach deren 3 —4 jährigen erprobten Amtsführung unäbweislich ihre definitive Anstellung. Gute jüdische Schuten find besonders die zu Schwerin unter Leitung des Hrn. Rektor Mayer mit mehren Klassen, ferner zu Wollstein und Wreschen, bctxcit die Herren Rabbiner DD. H i r sch fe l d und Geb h a r d ihre , besondere Aufrr:erksarnkeit zuwenden, desgleichen zu Rawicz, Gnesen, Krotoschiü, Ostrowo und die zu Kempen, an§ vier Schrrlklasser: mit eben so viel angestellten Lehrern bestehend, denen wie wir hören, noch eine fünfte Klasse und Lehrer von der König!. Regierung zngeordnet ist. Hier steht Hr. Dr. Jacobson , der auch in diesen Blätterr: rühmlichst bekanrtte Volksitnb Jugendschriftsteller, an der - Spitze- und wirkt mit seltener Liebe und dem anerkenlurngswerthesten Eifer. Beiläufig muß ich hier berichtigend bemerken, daß die Priorität der Idee und-der trefflichen Ausführung in Bezug auf Lesebücher für die israelitischen Schulen Herrn Dr. Jacobson gebührt, nicht aber wie Ihr Hamburger Korrespondent in -Nr.' 7 des,'Orients irrlhümlich berichtet. Die beiden Abtalion erschienen bei Leuckart, Breslau 1842, hingegen Dr. Kley's ,,Morgerrgabe^ erst 1844. — Suum emcine. Merkwürdig ist es und giebt einen eklatanten Beweis, daß vernünftige Neuerungen selbst in noch so orthodoxen Gemeinden Eingang füibcit, weru: sie von dÄr rechten Männern ausgehen und auf die rechte Weise gehandhabt werden. So hören wir, daß Hr. Dr. Jacobson bereits in: Jahre 1843 die erste und in: vorigen Jahre die zweite, öffentliche feierliche Konfirmation mehrer Knaben und Mädchen in Kernpcn vorgcrrornnm:, bei welcher: die orthodoxesten Gemeirrdegliedcr, ja Greise urit Bärten in Zobelhut und Schupiza, sowie die Ortöbehörder: sich eingefunden, und erbaut und gehoben , höchst befriedigt und mit dem Frieden im Herzen beirr: Schluß der Feierlichkeit das AndachtShauS verlassen haben sollen. Wenn nun die Sache an und für sich in unfern Tagen nicht mehr neu ist, so ist sie doch für Kempen ein Triumph. — Nur die Hauptstadt Posen, die so Manches thun könnte, geht uns lveder in Beziehurig auf den Kultus noch auf ein gutes Schulwesen als Muster voran. -— Als literarische Novität habe ich Ihnen mitznthcilen , daß der in Ihren Blättern schon einmal näher beleuchtete Missionär I. C. H art m ann, der mit BekehrnngslichL und Seife die Messen zu besuchen pflegt, und jetzt, verrnrrthlich nur die öfterer: Meßreisen zu sparen, seiner: Wohnort zu Frankfurt a. O. aufgeschlagen hat, daselbst eine Zeitschrift redigirt, vor: welcher mit dem 1. Januar bereits eir:e Nununer ansgegeben worden. Eir: liebes Stückchen Machwerk unter dem Titel ,,Dibre Emeth oder Stimmen, der Wahrheit (?) an Israeliten nr:d Freunde JsraelS^^ -- Die Ter:derrz dieses Blattes ist so zu sagen eine arüi-jüdisch-rcforrnistische. ES wird gegen'den Frar:kfurter Reform-Verein und gegen Dr. H o l d h e i n: wegen ihrer Reforrnbestrebunger: irr: Judenthrrm, und g eg en Dr. Saal fchütz hergezogen, weil er (i'Ismn teneatis!) fc>:c Dreiei rüg keit negirt, und zuletzt eine Glosse über die Braunschweiger Rabbinerversammlung gemacht, weit diese die Frage über die Beibehaltung der hebräischen Sprache im Gottesdienste, in ihre Berathung gezogen, währcrrd doch tu England und