Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1845)
- Date
- 1845-03-19
- Page
- Seite 95 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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95 die Juden die Schlussworte'der christlichen Eidesformel nicht mit aussprechen. Die Redaknonsbemerkungen zu der richterlichen Warnung werden Wir berücksichtigen. Wenn man sich indeß dem Urtexte ganz genau bei den citirten Bibelstellen anschließen will, so wird es in Absatz 4 heißen müssen: Du sollst den Namen des Ewigen, Deines Gottes, nicht zu einer Lüge misbrauchen rc. rc. und in Absatz 6: Ein lügenhafter Zeuge bleibt nicht ungestraft und wer Unwahrheit verbreitet wird zu Grunde gehen. Wir sehen nunmehr einer gefälligen Erklärung löblicher Ständeversammlung über das Ganze des Gesetzes entgegen. Wraunschweig, den 7. Januar 1845.. Herzog!. Braunschw.-Lüneb. Staatsministerium, von Schleinitz. Dem auf diese Weise modiflcirren Gesetz-Entwürfe trat die St.-V. am 10. Jan. d. I. einstimmig bei, und schon am 14. d. M. ward das Gesetz von der Regierung veröffentlicht. Perfonalchronik und Miseellen. Literarhistorisches und Bibliograhisches. Von einem Dr. Constantin Frantz in Berlin, der mehrere Werke philosophischen Inhalts (z. B. über Hegel) geschrieben hat, soll eine Schrift über die Judenemancipation erschienen sein. Nach der Angabe eines öffentlichen Blattes spräche sich dieselbe in einem derStreckfuß'schen (späteren oder früheren?) Ansicht entgegengesetzten Sinne aus. — Dr. I. Goldenthal in Leipzig erklärt, daß Sir Moses Montesiore von einem in London projektirten Rabbiner-Seminar keine Sylbe wisse. — Dr. S. Stern in Berlin hat am 26. Febr. seine sechste Vorlesung: „Die Stellung des Judenrhums und der Juden im Staate" gehalten. Hamburg. In den Hamb. wöch. gem. Nachr. wird die Schillingssammlung zum Synagegenbau von Neuem angeregt (27. Febr.). In Posen hat die Verlockung zweier jüdischer Mädchen (von 15 und von 13 Jahren) aus dem elterlichen Hause durch einen katholischen auch bei der Schule sungirendcn Geistlichen und ihre Behufs der beabsichtigten Laufe geschehene Unterbringung im Kloster der barmherz. Schwestern große Aufregung unter den Juden und die Rückkehr der reuigen Mädchen zu ihren Eltern zur Folge gehabt. Vermischtes. Pfarrer Grandeke in Posen quält sich mit einer Berichtigung der Proselytenmachergeschichte in Bezug auf zwei jüdische Mädchen in der Posener Zeitung ab. — Die Münchner und andere bairisch-jüdische Gemeinden petitioniren um völlige Gleichstellung der baierschen Juden. — Die hannöv. Juden werden von nun an zum Kriegsdienste zugelassen. — Durch die neue preußische Gewerbeordnung ist das Judendekret vom 17. Mai 1808 völlig annullirt. — Die Franks, jüdischen Banquiers wollen sich mit einer Beschwerde über das neue Wechselgesetz an den Bundestag wenden. In Mergentheim hat unter dem Vorsitze des Lehrers I. LLwenstein zu Hubach eine Versammlung von würtemb. Rabbinern, Lehrern, Gemeindevorstehern rc. stattgefunden, und eine Petition an den würtemb. Landtag behufs der Emancipation beschlossen. —- In Preußen sollen die gemischten Ehen zwischen Juden und .Christen verboten werden. Die Holdheim'sche Schrift über das Religiöse und (das) Politische im Judenthum besonders über gewischte Ehen ist erschienen und bereits in der Hamb. Neuen Zeitung vom 27. Febr. recensirt. * * Hamburg. Der Verein zur Vertheilung von Feuerung für israel. Arme hier hat im Anfang März um eine einmalige außerordentliche 'Unterstützung wegen des strengen und anhaltenden Frostes angetragen. Nürnberg. Herr Ghillany hat endlich wieder einmal ein Blatt aufgetrieben, das seine Broschüre: „Das Judenthnm und die Kritik" dem undankbaren Publikum ins Gedächtniß ruft. Es ist diesmal der „Rheinische Beobachter", derdas Schriftchen den Mitgliedern des Rheinischen Landtages empfiehlt! Herr Ghillany hat es i'n gedachter Broschüre unternommen, das alte Mährchen vom Blutgenusse der Juden an ihrem Osterfeste — welches bekanntlich im Jahr 1840 zu der türkisch-französischen Judenverfolgung in Damaskus den Vorwand gegeben — nach seiner Methode zu beweisen. Unter Anderm führt Herr Ghillany in gedachter Broschüre einen angeblich in der Nähe von Nürnberg, wo er selbst wohnt, stattgehabten Fall von jüdischem Kanibalismus an, der von den betreffenden Gerichten untersucht worden sei. Das Ergebniß der Untersuchung habe die Freisprechung der Juden und die Abweisung ihrer Ankläger zur Folge gehabt, was Herr Ghillany ohne Umstände der unbegreiflichen Parteilichkeit der Gerichtsbehörde zuschreibt. Res. hat indessen an Ort und Stelle sorgfältige Erkundigungen angestellt und erfahren, daß die ganze Geschichte — wobei Ort und Namen von Herrn Ghillany angegeben sind — glimpflich ausgedrückt, eine rein aus der Luft gegriffene Erdichtung ist. L. * * Hannover. Der Vorstand der hiesigen Synagoge, Hr. Adolph Berend und Hr. Joseph Frensdorfs, hat ein Ausschreiben zur Besetzung der erledigten Rabbinatsstelle, die vom 24. Juli d. I. an zu besetzen ist, veranstaltet. Der letzte Termin der Anmeldungen ist der 8. Mai d. I. Ein neues Feld für Rabbinatskandidaten. Aus dem Morgenlande. In Meschid wurden mehrere hundert jüdische Familien gezwungen, ihre Religion