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Der Orient · 1845-03-19 · Heft 12 (19.3.1845) · p. Seite 96

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 12 (19.3.1845)
Date
1845-03-19
Page
Seite 96 (sequence 15)
Language
German
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96 abzuschwören. Der bekannte Iudenchrist und Missionär Wolff hat sie beim Mollah empfohlen und sich für sie verwendet, welcher versprochen hat, sie in Schutz zu nehmen. Petersburg. In einem Art. der D. A. Z. von daher datirt, wird dem Minister Uwaroff viel Weihrauch gestreut und ihm nachgerühmt, daß er in der Errichtung der Schulen für die Juden große Thätigkeit entwickelt. Diese Lobspendung ist vorläufig unwahr, da laut privatlichen Nachrichten noch nichts geschehen ist. Frankfurt a. M. (Die Nab binervcrsammlung und ihre Mitglieder.) Zwischen verschiedenen Mitgliedern der im vorigen Sommer zu Braunschweig versammelt gewesenen Rabbinerversammlung wird gegenwärtig ein seltsamer Streit geführt. Nachdem die Herren Rabbiner sich unmittelbar nach der Versammlung über ihre gegenseitigen theologischen Grundsätze in der jüdischen Tagesliteratur Vorwürfe gemacht, fingen sie an, an einander Fehler ihrer resp. Privatcharaktere zu rügen, was schon nicht so ganz in der Ordnung war. Doch dabei blieb es nicht stehen, und seit einigen Wochen ist eine Fehde unter ihnen entbrannt über ihre — persönliche Liebenswürdigkeit oder deren Gegentheil, und das ist denn aber doch mehr, als man dem Lesepublikum zumuthen sollte! Vor einiger Zeit gab der von einem Rabbiner und Mitgliede der Braunschweiger Versammlung redigirte — „Israelit des 19. Jahrhunderts" eine Reihe von „Personalbeschreibungen" der Kollegen seines Redakteurs, über die sich manche Frau Rabbinerin noch weit mehr als ihr Herr Gemahl geärgert haben soll. Der gewesene Präsident der Versammlung, Dr. Maier in Stuttgart, verwahrte sich darauf in einer Broschüre ernstlich und würdevoll gegen die ihm und seiner Persönlichkeit in jener Personalbeschreibung gesagten Anzüglichkeiten. Dr. Philipp so n aber, gleichfalls Rabbiner und Mitglied der Versammlung, nahm die Sache so hoch auf, daß er in der von ihm redigirten „Allaem. Zeitung des Judenthums" seinem journalistischen Rivalen und geistlichen Kollegen Gleiches mit Gleichem zu vergelten unternommen, wobei Letzterer natürlich sehr übel wegkomml. In der neuesten Nummer des „Israelit" rc. läßt nun aber der Redakteur des letztgenannten Blattes, Rabbiner Dr. Heß in Eisenach, sich von Frankfurt a. M. aus eine förmliche Rechtfertigung seines Aeußern schreiben, wobei attestirt wird, daß des Redakteurs Teint durchaus nicht gelb, seine Gestalt keineswegs hager und ebensowenig der Umgang mit ihm langweilig rc. rc. zu nennen, sondern von dem Allem das Gegentheil wahr sei. Wenn dieser würdige Kampf noch eine Weile so fortwährt, und die Herren Rabbiner sich gegenseitig alle mögliche Arten von Höflichkeit und Lebensart bewiesen haben werden, dann wird endlich die Zeit ihrer zweiten Versammlung herbei gekommen sein und E i n Saal in Frankfurt a. M. wird alle die liebenswürdigen und unliebenswürdigen Kämpfer in sich saffen, um Zeuge ihrer Einmüthigkeit und der Art und Weise zu sein, wie sie die Würde Israels repräsentiren. (Franks. Conv.) Leipzig. Zu der ersten Miscelle ist Folgendes, ergänzend und berichtigend, hinzuzufügen. Herr Constantin Fr an tz ist ein bekannter philosophischer Schriftsteller, der, in anderer Manier als der neue philosophus teutonicus Schelling, die Fahne der christlichen Orthodoxie aufgepflanzt hat. Hat Herr Frantz in der „Berliner literarischen Zeitung" den Liberalen — den Antipoden der „Literarischen"; sie würde demnach einen verkehrten Standpunkt einnehmen — eine christlich-philosophische Predigt gehalten und sie mit den Jesuiten auf eine Linie gestellt — wofür er allerdings von den „sächsischen Vaterlandsblättern" keinen rothen Adlerorden erhielt —; so hat er auch in seiner Schrift über die Indenfrage den Staatsmännern einen „christlichen Staat" komponirt. Ob ein gewisser Staatsmann, ä!a Rellstab, den Text zu dieser tragi-komischen Oper schreiben wird, wird die nächste Zukunft entscheiden. Jedenfalls ist von „Philosophie der Mathematik" in diesem Frantz'schen Opus keine Spur5 höchstens wenn Hr. F. die Quadratur des Zirkels — „christlicher Staat" — entdeckt hätte. Uebrigens hoffe ich Hrn. Frantz bald wieder einen literarischen- Besuch abzustatten. I. Mähren. In Gaya (Hradischer Kreis) ist das Rabbinat vakant. Die Genm'nde zählt 74 Familien und kann daher einen tüchtigen Rabbinen auf eine anständige Weise unterhalten. Ueberhaupt nehmen die mährischen Rabbinen in materieller Beziehung eine bessere Stellung als die Deutschland's ein. Dazu kommt noch, daß die Bücher-Censur in Mähren sehr streng gchandhabt wird, und der Rabbiner schon von Staatswegen keine Bücher zu kaufen braucht. In Deutschland hingegen sollen die Rabbiner die Hauptstützen der jüdischen Literatur bilden. (Der geehrte Referent ist im Irrthume. Red.) * London. Sir Robert Peel hat eine Emancipationsbill vorgeschlagen, wonach die englischen Israeliten wahrscheinlich zu Gemeindeämtern zugelaffen werden. Wenn nur erst die deutschen Israeliten so weit wären. Prag. Dr. Meiscl, Rabbiner in Stettin, ist zum Prediger an Sachs' Stelle gewählt worden. Er hat zwei Mal daselbst mit großem Beifalle gepredigt und die Strebsamkeit dieses jungen Predigers läßt vermuthen, daß er in seiner Wirksamkeit Sachs bald überholen wird. Verlag von E. L. Fritz schc. Druck von I. H. Nagel.

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