Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-03-19 · Heft 12 (19.3.1845) · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 12 (19.3.1845)
Date
1845-03-19
Page
Seite 91 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360377--4880-3531126
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

91 Tribunen in der Synagoge. Wir hoffen, daß die 27 gewissenhaft genug sein werden sich wohl zu überlegen, was sie bewilligen. Berlin muß eine neue, große Synagoge haben und darf kein Geld wegwerfen zu Tribünen und Chören. — Kann die Gemeinde 4000 Thtr. jährlich dazu hergeben, so kann sie viel leichter 100,000 Thlr. aufnehmen und mit 4 pro Cent verzinsen, um eine anständige, große Synagoge zu bauen. Einstweilen macht sie sich lächerlich durch die Ausgabe von Einlaßkarten zur Synagoge mit der Bezeichnung 1. Rang — Loge — Nr. 4. — rechts. Hamburg, 4. März. Im Februarhefte der von Frankel heransgegebenen „Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judcnthums" besindet sich ein längerer Artikel über Hamburg, der viel Gutes und Wahres enthält, aber auch Manches, daS einer Berichtigung bedarf. Auf den ganzen Inhalt jener Korrespondenz komme ich wohl später wieder einmal zurück; heute beschäftigt mich nur der Schluß desselben. Dort heißt es nämlich: „In dem Sinne jener Richtung (d. h. der Richtung der Tempelgemeinde) ist auch die Israelitische Freischule organisirt, was schon daraus erhellt, daß darin der Unterricht im Hebräischen, in der heiligen Schrift und den dazu gehörigen Fächern theilS gar nicht, theitS irr so kleiner homöopathischer Dosis gereicht wird, daß Eltern, die ihre Kinder hierin unterrichtet zrr sehen wünschen, und mm ans Mangel einer besseren sich gezwmrgcn fühlen, ihre Kinder in diese Schule zu schicken, genöthigt sind, den sogenannten jüdischen Unterricht durch Privatstunden im Hause zu ersetzen." So weit der Berichterstatter. Wir könnten urrs über das hier ausgesprochene Urtheil nicht wundern, denn wir haben es schon öfter vernommen , tun es aber in einem öffentlichen Organ auSzusprechen, wäre es besser gewesen, wenn der Berichterstatter zuvor nähere Erkundigungen eingezogen und ein vielleicht oft gehörtes Urtheil nicht für ein richtiges gehalten hätte. Ganz' falsch ist die propositio, und dagegen schon vom Direktor der Anstalt (Dr. Kley) in der bei Gelegenheit der 25jährigen Stiftungsfeier der Schule herausgegebeuen Geschichte derselben gesprochen worden. Die israelitische Freischule ist ein selbstständiges Institut, und ist weder „im Sinne der Richtung der Tempelgemeinde organifirt", noch hat sie überhaupt irgend eine Verbindung mit derselben. Es ist ganz zufällig, wenn einzelne Schüler der Freischule im Ehore des Tempels Mitwirken, wozu sie, außer dem Gesangunterricht der Schule, noch an einem besonderen Gesangunterrichte Theil nehmen. Daraus aber schließen zu wollen, daß der innere Organismus der Freischule mit dem des Nteuen Tempels übereinstimme, ist durchaus falsch. (Ob cs überhaupt zweckmäßig ist, daß eine Schule eine so stark ausgeprägte Tendenz habe und verfolge, ist eine Frage, die wir an einem anderen Orte zu erörtern gedenken.) Wie überhaupt die Voraussetzung falsch ist, so sind es auch die Schlußfolgern Der Berichterstatter widerspricht sich selbst, indem er sagt, der Unterricht im Hebräischen werde theils gar nicht, theils in kleiner homöopathischer Dosis crtheilt. Wirmeinen, eins könne nur der Fall sein, entweder der Unterricht wird gar nicht, oder er wird in kleiner Dosis crtheilt. (Wir lieben es, die Worte des Berichterstatters beizubehalten.) Klein ist übrigens ein relativer Begriff, und muß hier der Zweck und die Aufgabe des Instituts in Betracht kommen. Bei einer Schule, die die Ausbildung zum Geschäftsteben sich als Ziel setzt, deren Schüler in hiesigen Komptoiren stets gern genommen werden, bei einer Schule, die (wie wohl keine Freischule) auch die höheren Lehrgegenstände ebenso wenig wie den Unterricht in den neuern Sprachen ausschließt, die also der Aufgabe einer Realschule vollständig entspricht, kann und darf der Unterricht im Hebräischen keine Hauptsache bilden. Ob aber die Dosis klein zu nennen ist, wenn er in allen Klassen in wöchentlich 4 Stunden crtheilt wird, (d. h. nur der Unterricht in der hebräischen Sprache, denn Religionsunterricht re. wird außerdem crtheilt), mögen Andere entscheiden, die in dieser Hinsicht stimmfähig sind. Wir wollen hier nur noch hinzufügen, 1)aß die Uebersetzung der Gebete schon in der vierten Klasse gelehrt wird, und die Schüler in den höheren Klassen nicht nur zum Verständniß der Gebete, sondern auch der h. Schrift herangebildet werden, und außerdem in der hebräischen Grammatik vollständigen Unterricht empfangen. Wenn einige Eltern ihren Kindern im hebräischen Privatunterricht ertheilen lassen, kann daraus keine solche Schlußfolge gezogen werden, wie es der Berichterstatter gethan; das geschehet in allen Schuten und in allen Fächern! Die Erfahrung hat übrigens bewiesen, daß deswegen solche Schüler nicht mehr leisteten als Andere; der Privatunterricht soll Schüler von schwächeren Anlagen mit ihren Mitschülern im gleichen Niveau Halter:: — das ist sein Zweck, also läßt sich daraus keineswegcs eine Marlgelhastigkeit des Unterrichts schließen. — So viel zur Steuer der Wahrheit. — Louis S i m o n, Lehrer an der Israel. Freischule. Hamburg, 3. März. Der. Hamburger Korrespondent vom 1. d. M. stellt irr einem Schreiben aus Hannover Betrachtungen an über die gleichzeitige Vakanz der Rabbiuate zu Hannover, Hildesheim und bald auch Emden. Durch den Abgang Dr. Adler's nach London, dem die Berufung Bodenheimer's nach Crefeld vorangegarrgen, seierr die beiden erstgenannten Stellen erledigt; auch Herr Hirsch werde wohl bald seinen Wirkungskreis in Emden mit einem größeren in Mähren vertauschen. Uebcr ein in der Landdrostei Stade zu errichterrdeS Rabbinat scheint noch nichts Sicheres festzustehen. In der Residenz selbst giebt es, dem Berichterstatter zufolge, unter den Juden keine Parteien; auch dürste die Wahl 12 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.