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Der Orient · 1845-03-12 · 11 (12.3.1845) · p. Spalte 169-170

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
11 (12.3.1845)
Date
1845-03-12
Page
Spalte 169-170 (sequence 5)
Language
German
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169 Kritiken. Dr. Kä'mpf's Lachkemoni. 170 Der noch so orthodoxe und strenggläubige Anhänger des Talmuds hat jene Theorie in seinem Herzen längst abgeschworen und im Leben verleugnet; hingegen giebt es wieder eine große Anzahl von Juden, die in tausend Dingen gegen die talmudische Praxis verstoßen, im Ganzen aber der Herrschaft seiner Theorie nicht entsagen können. Die Kritik des talmudischen Moralprincips in einem Punkt, wo der schlichteste Mann im Volke ebenso urrheilsfähig wie der gelehrteste ist, muß, wenn sie zum öffentlichen und allgemeinen Bewußtsein kommt, wie ein wohltätiges Gewitter die religiöse Atmosphäre läutern. Daher kann unsere Absicht keine andere sein, als an ein einziges aber höchstwichtiges Beispiel den Maßstab des populärsten religiösen Bewußtseins zu legen und Jedermann fragen zu lassen: kann diese Theorie über die Auflösbarkeit des promissorischen Eides, der fremde Verhältnisse betreffend, vor Gericht geleistet worden, der mosaischen von Gott abstammenden Religion entsprungen sein? Ich mache aus meiner An- und Absicht kein Hehl und bin darauf gefaßt, vom talmudischen Standpunkt aus verketzert zu werden; ein Forum, welches für mich, da ich seine Kompetenz leugne, so gut wie nicht existirt. Aber wahr müßt Ihr zu Werke gehen. Nennet das, was ich beginne, von jenem Standpunkt aus frevelhaft, gebet ihm alle diese Namen, die im Talmud dafür sich finden; nur mit falschen Insinuationen bleibt weg. Suchet cs vom talmudischen Standpunkt aus mit den grellsten Farben darzustellen, nennt mich einen frODD )p? / einen D^Dn1? , ich will mich nicht beklagen und mein Schicksal mir Resignation tragen. Aber um alles in der Welt raubet mir die Wahrhaftigkeit meines Strebens vom r e in m e n sch l ich e n Standpunkt aus nicht. Saget nicht, daß ich ein Feind des Judentums bin, wo ich meine begeisterte Liebe für das wahre und ächte Iudenthum eben darin beweise, daß ich es von so manchen es entstellenden Flecken zu reinigen strebe, auf die Gefahr hin, von der großen Menge misverstanden und dem großen Troß verketzert zu werden. Sorget nicht, daß ich feindselige Gesinnungen gegen die jüdische Genossenschaft habe, wo ich mit glühender Liebe für das, wofür sie die heiligsten Gefühle im Herzen trägt und die schwersten Opfer duldet, nämlich die reine gediegene Lehre von der mosaischen Religion, bei ihr zu klarem höherem Bewußtsein bringe. Zeihet mich der gröbsten Jrrthümer, wenn ihr könnt, beweiset, wenn es euch möglich ist, daß die rabbinische Lehre durchgängig rein und fleckenlos ist; nur thut das als wissenschaftliche Männer, aber nicht wie Heuchler, die den Unverstand der Menge für sich auszubeuten suchen und kein Wort sprechen können, ohne dieser mit gleißnerischer Zunge zuzurufen: sehet, das ist unser gememschastlicherFeind, der will euer Verderben, dem dürft ihr nicht glauben! (Fortsetzung folgt.) Kurze Anzeigen. 10) Die ersten Makamen aus dem Tachkewoni oder Divan des Charisi nebst dessen Vorrede. Nach einem authentischen Manuskript aus dem Jahre 128t herausgegeben, vokalisirt, interpungirt und ins Deutsche übertragen, wie auch sprachlich und sachlich erläutert und mit einer umfassenden Einleitung versehen von Dr. S. I. Kämpf. Berlin, 1845. gr. 8. Alexander Dunker. (S. 180 und X.) (Schluß.) Hr. Dr. K. will zwar (S. 138, Anmerkung 13) den Grund der zweiten Widmung in den Worten: o *>njm finden. Charisi hätte demnach, in umgekehrtem Verhältnisse zu Freiligrath, seinem ersten Mäcen Samuel el-Barkoli die Widmung aufgekündigt und sie dem freigebigern R. Iosia zugetheilt. Allein es bleibt immer unbegreiflich, wie ein Dichter, der in der seine Freude darüber äußert, einen Mann gefunden zu haben, dem er sein Buch widmen könne, und den er bis in die Wolken erhebt, in der ersten Pforte aus prosaischem Eigennutz Alles vergessen und einem neuen Gönner sein Werk gewidmet haben soll! Dies wäre eine zu starke licentia poeticat Auch scheint Herr Barkoli nicht so geizig gewesen zu sein, wie Hr. Dr. K. glaubt, indem Charisi von ihm sagt: niDD 1NO1 VT nnDEO rrm bo bop1? , nnnb. Ueberhaupt ist dieser Theil der Einleitung und der ersten Pforte die Wiederholung eines und desselben Gegenstandes. Und m der 46. Pforte ist Charisi keineswegs so begeistert für Barkoli und R. Iosia. Er würde gewiß einen höhern Ton angeschlagen haben, wenn er dem Einem von diesen Beiden gewidmet hätte. — Die Worte nrQD mwo pn^ 'n DW) ln derselben Pforte spielen vielleicht auf den Vers, des ,-ZLM fWO, Zur Vertheidigung Maimuni's, an. — Von S. 8 —11 spricht Hr. Dr. K. über „MakLmen- Dichtung" im Allgemeinen, über Hamadani, den Vater dieser Dichtungsart, und über Hariri's soLoUiJt das unserem Ehar. als Muster gedient. S. -12—14 wird das „Verhältniß des Tachkemoni zu den Makamen Hariri's" auseinandergcseht, und hier kommt der Verf. wieder auf die Anordnung der Pforten zurück. Die, in den gewöhnlichen Ausgaben, zweite Pforte soll die Schlusjpforre sein. Charisi habe, nachdem er 48 Pforten zusammen hatte, die erste und letzte Pforte hintereinander geschrieben und so entstand die Stellung in unseren Ausgaben. Daß die Schlußpforte in den gewöhnlichen Ausgg. nicht an ihrem rechten Orte sei, zeig: auch schon der bunte, aus kleinen, zu verschiedenen Zeiten abgefaßten Gedichten bestehende Inhalt derselben. Auf die Spielereien, z. B. in der 11. Pforte mit der Aufschrift: tan:p tsn.i ^nn nh nwi,«yn rpmba wird ein zu großes Gewicht gelegt. In dem aus drei Sprachen zusammengesetzten Gedichte in derselben Pforte, ist der arabische Theil sehr korrupt. In die Augen springende und den Reim störende Fehler sind: ^ntintUN, TrfPN,

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