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Der Orient · 1845-03-12 · Heft 11 (12.3.1845) · p. Seite 84

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 11 (12.3.1845)
Date
1845-03-12
Page
Seite 84 (sequence 7)
Language
German
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84 tragen, das Kapitalvermögen beläuft sich auf 16,175 Thtr. (Berliner Spen. Zeitung vom 25. Febr. 1845.) Karlsruhe, 26. Februar. Je erfreulicher die Eiustitnmigkeit und Beharrlichkeit ist, mit der man in Preußen (und nun nicht mehr blos in der Rheinprovinz und in Ostpreußen, sondern auch in Westphalen, und sogar in Berlin, wo .freilich erst achtbare Privatpersonen die Lässigkeit des Magistrats in der Wahrnehmung derReehte der jüdischen Bürger in der Hauptstadt und der ganzen Monarchie wieder gut machen mußten) die völlige Gleichstellung der Juden, .besonders aber die Wiederherstellung des seit 1822 verküinluerten Gesetzes von 1812, zumal von christlicher, und ebensowohl katholischer wie protestantischer Seite aus betreibt, einen desto schlnerzlicheren Eindruck mußte die Zurückweisung der Petitionen badischer Israeliten durch die zweite Kamnter der tu Karlsruhe tagenden Stände hervorbringcn. Und dieser Eindruck wird stch nicht blos in Baden, sondern in ganz Deutschland und gewiß noch mehr in den außerdentschen konstitutionellen Ländern, er wird sich bei allen intelligenteren Christen nicht minder wie bei alten von der Gerechtigkeit ihres Strebens und ihrer Sache überzeugten und durchdrungenen Juden, sie seien Orthodoxe oder Reformer auf kirchlichem Gebiete, er wird sich endlich bei allen Freunden der Freiheit ohne Unterschied offenbaren. Um diese Behauptung zu rechtfertigen u/ld nur zugleich den Judenfeinden, die nur zu häufig sieh bloß für Feinde des Judenthums ausgeben, tu der Thal abcx, da sie die Juden tticht mehr wie früher verachten und hudeln dürfett, sie. jetzt ingrimmig hassen unb verleumden, weil sie sich jetzt von den edlem Juden der Verachtung der öffentlichen Meinung preisgegeben fühlen, um btcfen unverbesserlichen Störenfrieden und Terroristen ihre Schadenfreude zu verderben oder wenigstens zu vergällen, entlehuctt wir hier der Mannheimer Abendzeitung, dem liberalsten unter den Organen der badischen Zeitungspresse, eine Reihe von Aphorismen aus der Debatte der zweiten Kammer. Bader (ein Mitglied der Minorität der Kommission) sagte u. A.r Der Einwurf (Fauth's, des Berichterstatters für die Majorität jener Kommission), daß es sich nicht um allgemeine Menschenrechte, sondern um politische handle, gehört dem Absolutismus der Aristokratie an; er ist falsch. — Zittel (ein um das ^Schulwesen hochverdientes Kammermitglied") sagte: Ist das ein ,.christlicher Staat", der von seinen Staatsbürgern, wie sie alle Rechte haben wollen, verlangt, sie selten getauft sein? — Noch treffender äußerte sich Metz: Nur die physische Uebcrmacht, unser uuchristliches Wesen verhindert uns, den Juden die Emancipation zu geben. — Bassermann und Mathy (zwei der beredtsten Stützen der Kammer) stelltet: ähnliche Argutttente für die Juden auf. Die eigentlichen Kernwahrheiten aber auSzusprechen, war auch diesmal dem Hofrathe und Professor Welcker Vorbehalten. Dieser weltberühmte Staatsrcchtslehrer und Publieist, dessen Autorität die aller unserer^ Gegner in den Kammern und Zeitnngen^reichlich anfwiegt, weil sie nicht blos eine unbestochene, sondern eine erst atts dem Schmelztregel der Erfahruttg und jahrelanger Prüfttng (Welcker sprach vor 1834 nur für eine allmälige und stufenweise Emancipation) hervorgegangcn ist, Welcker, sprach 1845 die bedeutungsvollen, inhaltschweren goldenen Worte atts: Es schmerzt mich jedesmal, so oft die Judenfrage in der Kamnter verhandelt wird; denn jedesmal ver h ü l lt si e d en Ru h m der zweiten badisch en Kamm er , und zum Schluffe: So lange wir Deutschen diese Ungerechtigkeit nicht einschen, sind wir gar keiner Freiheit werth. ■— Diese beiden Sätze bedürfet: keittes Kotntnentars. — Ob in Baiern, wo man eine neue Gesetzgebung vorbereitet , nicht wieder eine besondere für die Juden geschaffen werden, oder ob statt dessen lticht vielleicht einmal ausnähmweise das beider .neuen Gewerbeordnung in Preußen in Bezug auf die Juden beobachtete liberale Beispiel nachgcahmt werden, ob des wackent Abgeordtteten Glaubrech Antrag aufAnf- - Hebung des Judenpatents von 1808 von der zweiten hessendarmstädtischen Kamnter und der des ehemaligen niederländisch -nassauischen Bundestagsgesandtett Freiherr von Gagern at:f Regulirung, Verbesserung und Gleichstellung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden bei der ersten Hessen -darntstädtischen Kammer durchgehen wird, muß die Zeit lehren. — Daß auch Mißlingen nicht enttnuthigen darf, drückt die Kölnische Zeitung so vielfach als wahr bei Gelegenheit des Berichts über die badische Debatte (in der unter 60 Anwesenden — die Kammer hat 63 Mitglieder — 5 fü r, 45 gegen die Jttden stintmtett) folgendermaaßen ans: ,,Die Frettndc der Rechtsgleichheit aller Staatsbürger werden sich durch ein solches Resultat nicht abhalten lassen mit doppeltem Eifer für die Emancipatiot: in die Schrattkett zt: treten." Gewiß wird dies auch in England der Fall sein, ungeachtet die Etnatteipationsfrerlude tut englischen Oberhanse, wo ihre Stimme bisher noch nicht durchdringett konnte , leider au: 17. Februar einen ihrer beredtesten Vertreter in dem altadeligen liberalen Marquis vonWestminster durch den Tod verloren haben. Mecklenburg-Schwerin, 1. Febr. (Schluß.) Ein solcher konkreter Fall, welcher mich zu obigen unterrhä'nigen Vorstellungen veranlaßt, findet eben jetzt statt in der israelit. Gemeinde zu N., welche ohnehin unter allen andern in moralisch-religiöser Beziehung am weitesten zurücksteht. Die noch unmündigen Kinder der Witwe N., deren Vater vor Kurzem gestorben ist , entbehren des Schulunterrichts, weil die Mutter das Schulgeld zu zahlen nicht im Stande ist und die übrigen Mitglieder es für sie zu thun sich weigern. Ich kann mit Zuversicht annchmen, daß in jeder andern Gemeinde dies ohne alle Schwierigkeit geschehen wäre. Aber die Israeliten N's. sind entweder zu wenig bemittelt,

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