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Der Orient · 1845-03-12 · Heft 11 (12.3.1845) · p. Seite 83

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 11 (12.3.1845)
Date
1845-03-12
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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83 jede neue Wahl protestirt und eine offene Erklärung und Warnung im SDrient Nr. 1 und d. Z. d. I. Nr. 2 abgegeben hat: so muß sich Herr Fasset auf eine energische Opposition gefaßt machen. Nimmt aber derselbe die Stelle au, so ist nicht abzuschen, wohin die neuen Verwirrungen ltnb Parteiungen in hiesiger Gemeinde führen würden. Man denke, drei Rabbiner in einer gespaltenen Gemeinde, von den verschiedensten Richtnngen, von denen jeder sich die Suprematie zuschreibt. Der Eine, Geiger, den seine Partei gern unversehens als Oberrabbiner: haben möchte, wird von der feindlichen Partei, selbst nach dem strengen Wortsinn des Ministerialreskripts, höchstens als Rabbinatsassessor, ohne bestimmte Funktionen, ja nach den Statuten, ohne Gehalt, anerkannt, dem nach den gutachtlichen Vota orthodoxer Rabbiner, jede Berechtigung und Befähigung zum Rabbinate abgesprechen wird. Der Zweite, Tiktin, dessen innere, rabbiuische Legitimität ohne allen Zweifel ist. und den die tragischen Erinnerungen an seinen Vater, sehr Vielen in der Gemeinde theuer und populär gemacht haben, fehlt die obrigkeitliche Sanktion, wiewohl seine räbbinischen Funktionen dadurch durchaus keine Beschränkung leiden. Jetzt sott auch der Dritte hinzukommen, der von der konservativen Partei scheel und verdächtig angesehen wird, unbeschadet seines guten Rufes, schon darum, daß er eine Inkonsequenz sich zu Schulden kommen läßt, indem er tatsächlich Geiger's rabbinische Würdigkeit anerkannt, die er doch bekanntlich in seinem Votum in Zweifel gezogen hat. Dazu kommt noch, daß er von dem strenggeiger'schen Anhänge nicht die erforderliche Unterstützung und Schadloshaltung erwarten kann, wodurch er sich über die Opposition wegsetzen könnte, weil sein bloßes Dasein, das in talmudischem Boden wurzelt, einen Vorwurf gegen den antitalmudischen Resormrabbinen involvirt, abgesehen davon, daß er auch peinlichen Reibungen wegen seiner gradativen Stellung .zu Geiger entgegen sehen kann. Man zweifelt übrigens auch, daß die Regierung Herrn Fasset das Bürgerrecht verleihen werde, da die Tiktinische Partei beim König klagt. — Noch verdient als Kuriosum bemerkt zu werden, daß ein Rabbiner ans der alten Schule bei dieser Gelegenheit zum Besten gegeben hat. Er glaubte sich nämlich am besten beim Vorstand einzuschmeicheln, wenn er seine Bcnmnderung für Geiger zu erkennen gäbe, und drückte sich hebräisch darüber ohngefähr aus: DD1? DJ/JPM brwn NDDH l Es wäre ein Stoff für Charisi! Sonst wüßte ich Ihnen nur Weniges aus unserer Gegend mitzutheilen. Der hiesige Vorstand hat beiden: versammelten Landtag eine Petition wegen Emaneipation eingereicht, die mit dem besten Willen entgegen genornmen wurde. — Daß Geiger in Beziehungen gesetzt wurde zu den ronge'schen Bewegungen, und einige Blätter seinen Uebertritt zu der neukatholischen Gemeinde ausposaunt haben, wird Ihnen bekannt sein, und daß es ein Scherz war ebenfalls, eben so Geiger's schöne und furchtlose Entgegnung in der Deutschen Allgemeinen, welche aber in der hiesigen Zeitung einen Angriff erfahren hat, der wiederum repellirt wurde. Es war in der That für einen Scherz zu viel. — Zum Schluffe noch die Nachricht, daß die Oppelner Gemeinde jetzt im Begriffe ist, den literarisch thätigen Dr. Cassel zu ihrem Rabbiner zu berufen, zu welcher Akquisition wir dieser Gemeinde nur Glück wünschen können. Hamburg, 21. Febr. Zu denjenigen preußischen Städten, die bei den Landtagen auf Fürsprache für die völlige Emaneipation der Juden angetragen haben, gehören noch Aachen und Burtscheid, so wie Cleve. In Berlin ist eine Petition gleichen Inhalts von 600 großentheils angesehenen Männern (Christen und Juden) zu Stande gekommen, in Breslau scheint man sich gar nicht haben einigen zll können, in Königsberg ist es dagegen spater noch gelungen. — Dr. S. Stern in Berlin hat trotz der vielen Angriffe, die zuerst in derVossischen Zeitung laut wurden und im Rheinischen Beobachter (durch V. A. Huber?) widerhallten, am 19. seine fünfte Vorlesung: ,,Die Aufgabe des Judenthums in: Verhältnis; zun: Leben und zum Christenthum" gehalten. — Der Frankfurter ,,Reformverein" hält jetzt an dem ersten Sonnabende jedes Monats (des bürgerliche!: oder des jüdischen?) eine Versammlung. Rabbiner Leopold Stein in Frankfurt hat von dortigen Juden eine ansehnliche Summe für die durch den drohenden Einsturz ihrer Wohnungen obdachlos gewordenen Felsberger gesammelt; ein Gleiches ist in Rödelheim geschehen. Wohlgemerkt, Felsberg liegt im Kanton Graubünden. — In Leipzig wurde am 16. ein jüdischer Schriftsetzer von 500 seiner christlichen Kollegen feierlich begraben. — Mainz zählt jetzt 1796 Inden. — In den Hamb. wöch. gem. Nachrichten vom 21. fordert ein Ungenannter zu öftereir Veröffentlichungen in Betreff der jüdischen WohlthätigkeitSanstalten auf. — Der treffliche Verteidiger der Juden auf dem norwegischen Storthing von 1842, Herr Sörensen, ist Vieepräsident deS jetzt versammelten Storthings. — Berlin, Febr. Die hiesige Gesellschaft zur Beförderung der Industrie unter den Juden hat vom 1. Oktober 1842 bis zum 30. September 1844 wiederum 20 Lehrburschen untergebracht, nachdem dies bereits früher mit 40 anderen geschehen war. Von diesen 60 waren 17 als Gesellen ausgeschrieben worden, 2 auS der Lehre gegangen; außergewöhnliche Unterstützungen waren an einen L o k o m o t i v fü h r e r, einen M a u r e r und Architekten und einen Bäcker, außerdem 70 Thlr. an einen Drechsler zum Etablissement ertheilt worden; die Einnahme hatte in jenem zweijährigen Zeiträume 3553 Thlr., die -Ausgabe sammt Unkosten (?) eben so viel (?) bell *

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