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Der Orient · 1845-03-12 · Heft 11 (12.3.1845) · p. Seite 82

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 11 (12.3.1845)
Date
1845-03-12
Page
Seite 82 (sequence 3)
Language
German
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82 dreist unser ganzes Vermögen als Preis für denjenigen anssetzen, der den Juden in der Verwaltung von öffentlichen zumal von Gemeindegeldern anders als mit sehr, sehr geringen Ausnahmen Verschleuderung, Unterschleife u. dgl. Nachweisen könnte. Wir wären dann gewiß, um Seinen Deut ärmer zu werden. Fiat applicalio! Indessen, gegen die Vornirtheit kämpfen, die Besten selbst vergebens; das hat abermals der Beschluß, zur Tagesordnung überzugehen, der in Karlsruhe am 18. Febr. 1845 gefaßt wurde, dargethan. — Wenige Tage vorher hatte der liberale hessen-dannstädtische Abgeordnete Glaubrech (der früher schon die hannoversche Verfassungsfrage energisch zur Sprache gebracht hatte) in der zweiten Kammer auf die Aufhebung der Ausnähmsdekrete vorn 17. März 1808, die sich auf den Zinswucher und die von Napoleoru dagegen getroffenen, damals für transitorisch geltenden, indeß noch immer in Rheinpreußen und Rheinhesserr bestehenden Bestiurnmngen bezieherr, angctragen. — Der nächstens erscheinenden Schrift des Herrn Dr. Gotthord Salomon über die Räbbinerversammlung habe ich bereits in einem ailderrr Berichte durch eine vorläufige Anzeige erwähnt; auch von Herrn Oberkirchenrath Maier in Stuttgart, dem Präsidenten der ersterr Rabbinervcrsammlung, soll sich eine Schrift verwandten Inhalts unter der Presse befinden. (Ist bereits erschienen. Red.) Hr. Dr. Adler, bisher Rabbiner zu Hannover, demnächst zu London, hat sich dagegen in einer handschriftlich cirkütirenden Denkschrift gegen die Tendenz jener Versammlung ausgesprochen. Herr Kand. Meyer in Hannover, der von dort aus nach Braunschweig zur Versammlung abgeordnet worden war, soll Rabbiner im hannöverschen Landdrosteibezirke Stade werden. ■—Herr Kand. Schwabacher, derzeit in Hamburg, beabsichtigt dem Vernehmen nach, seine kürzlich im Hamburger neuen Tempel gehaltene Predigt dem Urtheile des größeren Publikums gedruckt vorzulegeu. — Am 20. Februar starb nach langer Krankheit in Hamburg, 74 Jahre alt, Herr Salomon Jakob Cohen, dessen schriftstellerische Leistungen auch im Orient öfter die verdiente Aufmerksamkeit und Beachtung fanden. Als hebräischer Dichter, als Uebersetzer, sowie als Polemiker in der Lehren'schen Angelegenheit hatte er sich einen, weit über Deutschland hinanSreichenden Namen gernacht. Auch unter Christen besaß er viele Freunde, wie schon sein Verhältniß zu dem, eine Zeitlang in Hamburg bestehenden Friedensverein beweist. C. Breslenr, 26. Februar. Ich beeile mich Ihnen das eben bekannt gewordene Resultat der Räbbinerwahl in unsrer Gemeinde anzuzeigen, freist, wie vorauSzusehen war, zu Gunsten des Rabbiners Fasset aus Proßnitz ausgefallen, und die glänzende Majorität der Stimmen von 51 gegen 4 beweist, daß Männer wie Fasset einer bedeutenden Popularität sich erfreuen. Nächst ihm hatte Einhorn 8 Stimmen, Dr. Herxheim er 4, und 6 Bewerber, die ihre Zeugnisse eingesandt hatten, wurden gar nicht berücksichtigt, worunter auch Gutmann aus Redwitz gehört, an dem sich seine kühne Chaliza-Reform auf steckbrieftichenr Wege, die er einmal in den Flegeljahren seines Rabbinats versucht haben soll, insofern rächte, als er gerade wegen dieser unglücklichen Affaire von der Kandidatenliste gestrichen wurde. — Dieser Wahlakt, weicher diesmal vom Vorstand mit eben so viel Würde als gewissenhafter, vorschriftsmäßiger Pünktlichkeit geleistet wurde, hat in sofern ein mehr als partikuläres Interesse, als er ein erfreuliches Zeichen für die in unsrer Gemeinde herrschenden Ansichten über die Anforderungen an einen Rabbiner zu geben scheint. Der Gewählte hat f stinen Sieg nämlich einzig und allein seiner bedeutenden s talmudischen Celebrität zu verdanken, und dieses verbürgt, [ daß auch in unsrer Gemeinde die Gegensätze des moder-! neu Judenthums, welche gerade hier in schroffer Unversöhnlichkeit sich gegenübergestanden haben, allmälig einer Vermittlung und Ausgleichung, trotz den beiderseitigen Faktionsoberhäuptern, und so zu sagen wider Willen, entgegengehe. Die konservative Partei, welche bei dieser Wahl mitvotirt hat, sichet nachgerade ein, daß beim Rabbiner, neben unbescholtener Frömmigkeit und neben - tüchtiger Tatmudkenntuiß, auch die von der Zeit dringend postulirte Bildung gesucht werden muß, wenn das i Judenthum von demselben nach Innen und Außen wür-; dig vertreten sein soll. Und auch die Geiger'sche Partei, welche bisher, wie eö scheint, die genügende Berechtigung zum Rabbiuate in einem oratorischen Organe, einer schonungslosen Reformrichtuug, in einer zweideutigen literarischen Berühmtheit, und etwa noch in der Frisur a l’enfant gefunden hatte, hat bei dieser Wahl gezeigt, daß sie von deur Gedanken geleitet war, der wahlberechtigte Rabbiner müsse durchaus eine kernige theologische Bildung, eine umfangreiche talmudische Erudition besitzen. Nur aus diesem Grunde wurden die meisten ■ Kandidaten, deren Zeugnisse den Anforderungen nur gei ringe Garantien gewährten, ohne weiteres ausgeschlossen. [ Indem also beide Parteien von ihren einseitigen Forder- \ ungen abstehen, sind sie auf dem besten Wege, zu dem | schönen Resultate zu gelangen, daß ein Rabbiner einer [ großen Gemeinde nicht nur durch einen höheren Bildung§- \ grab, durch exotische Gelehrsamkeit seiner Gemeinde vorl leuchten soll, sondern ganz besonders durch eine klare [ Einsicht in sämmttiche Theile der jüdisch-theologischen i Wissenschaft, wozu der Talmud ein Hauptmoment bildet, 5 und daß er imr dadurch Vertrauen und Autorität, die i Bedingungen einer segensreichen Wirksamkeit, gewinnen kann. — Man zweifelt übrigens hier sehr daran, ob Hr. Fasj* scl diesem Rufe Folge leisten, und sich in eine gefahr- } volle Stellung begeben wird, wo ihn weit eher die Derneukröne des Leidens erwartet. Denn da diese Wahl jr, im Grunde doch nur von einem Theil der Gemeinde ansgegangen ist, der andere aber von vorn herein gegen f

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