Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1845)
- Date
- 1845-03-12
- Page
- Seite 81 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster NS Jahrgang. Berichte, Studie« und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr, für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Br. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M. M-' Leipzig, den 12. März 1S45. Inhalt. Deutschland. H a mb u r g. Die badische Kammer. Widerlegung. Glaub rech. Nekrolog des Dichters Kohen. Breslau. Rabbinenwefen. Dr. Fasset. Ein dummer Scherz. Dr. Cassel als Rabbiner. Hamburg. Vermischte Nachrichten. Berlin. Beförderung der Industrie unter den Juden. Karlsruhe. Die Verhandlungen über die Emancipation. Meklen- 5 u r g - S ch w e ri n. Bericht über Kultus- und Schulverhaltnisse. Schutzjuden und Schrrtzgeld. (Schluß.) — Nordamerika. New- Pork. Schreiben, die jüd. Freimaurer betreffend. — Das Gesetz über die Eide der Juden im Herzogthum Braunschweig.. Von Dr. PH. Ehrenberg. (Fortsetzung.) — Personalchronik und Miscellen. Vraunschweig. Posen. Stockholm. — LB. d. Or. Deutschland. Hamburg, 24. Febr. Die größtenthcils von christlichen Bürgern rheinischer, westfälischer und ostpreußischer Städte an ihre Provinziatlandtage gerichteten Petitionen nur völlige Emancipation der Juden bilden mit den in der zweiten badischen Kannner am 18. Februar-stattgehabten Verhandlungen einen, die sonst so gepriesenen Stände Badcn's eben nicht sonderlich ehrenden Kontrast. Die Vorwürfe Bruno und Edgar Baucr'S, daß der ■ von ihnen als vulgär bezeichnete Liberalismus der badischen Abgeordneten gerade das rechte Element sei, in welchem die Freunde der Judenenlancipation fischen könnten, zeigt sich als durchaus unbegründet. In alleir andern politischen Frageil in überwiegender liberaler Majorität , weiß die badische Abgeordneten-, oder wie sie sich am liebsten nennen hört, Volkskammer die Schranken des Vorurtheils in der Judenfrage nicht 31t durchbrechen. Einzelne rühmliche Ausnahmen unter den Mitj gliedern, wie die Namen: Bassermann, Mathy, Wetcker, j zu denen diesmal noch Bader, Zittel, Mez undDahmen hinzutraten, stoßen die allgemeine leidige Regel nicht um. Schon daß ein Abgeordneter, wie Fauth, der die hundertmal widerlegten Argumente gegen die Emancipation wiederum hcrvorzieht und geltend gemacht wissen will, zum Berichterstatter in dieser Angelegenheit gewählt werden und alle Stimmen gegen 15 für seine Meinung gewinnen konnte , beweist, wie weit man in Karlsruhe noch von dem Ideale wahrer Gerechtigkeit und Liebe * entfernt ist. Es hieße eine Mohreilwäsche versuchen, wenn man die Gegner der Emancipation eines Besseren zu belehren unternehmen wollte; nur einen Punkt in der Sammlung von alten Gri'ulden, die Fauth aufgestetlt hat, will ich hier beiläufig berühren. Herr Fauth bezeichnet die Inden als Beherrscher der Tagespresse; er möge nur, wenn es seine Zeit erlaubt, einmal nach Hamburg kommen, um zu erfahren, welcher Terrorismus hier von ben rohesten und unsaubersten Geistern auch der ruhigsten Bertheidigung gegenüber geübt wird. Aber gesetzt die Juden beherrschten die Tagespreise, wer hat sie dieser, in Deutschland gewiß nicht mühe- und knmmerlosen Beschäftigung zngeführt? Wer anders, als ihre Gegner, die auch den ausgezeichnetsten Talenten jede höhere Laufbahn im Staats- und Stadtdienste verschlossen? Indessen ist der ganze Vorwurf eine — Fabel, waS gerade dadurch am leichtesten zu beweisen ist, daß die Ultramontanm die ganze Presse von dm Protestanten, diese wiederum von den Organen antiprotestantischer Staaten (z. B. der Angsb. Allg. Zeitung) beherrscht wissen wollen. Was bleibt nun noch für die Juden übrig? Nichts als der, oft sekundäre Antheil jüdischer Schriftsteller, znm Theil solcher, deren sich, wenn es gilt mit deutschen Namen und deutscher Gesinnung zu prahlen, das christliche Publikum rühmt; so eines Berthold Auerbach, Dr. Johann Jacoby, Dr. H. B. Oppenheim, Dr. Karl Weil re. - Nicht besser steht cs mit der Furcht vor einen: jüd. Obereinnehmer, welche Herrn Fauth quält. Wir würden, wenn wirreich wären, 11