Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-03-05 · 10 (5.3.1845) · p. Spalte 157-158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
10 (5.3.1845)
Date
1845-03-05
Page
Spalte 157-158 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897698-9897709--3934-3531102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

137 158 Kritiken. Dr. Kä'mpf's Lachkemoni. darauf ankam, einem seiner Gönner Weihrauch zu streuen, der dem Wohlthäcer Lobeserhebungen mit vollen Händen bot, sowie er gegen den Geizigen mit scharfen Satyren nicht geizte — er wurde, sage ich, dem Herausgeber, Hrn. Dr. Kämpf, und dem Verleger, Herrn Dunk er, mit größern poetischen Hyperbeln seine Dankbarkeit für die geschmackvolle moderne Einkleidung bewiesen haben, als er es gegen die Herren ^Ip^N p ’PNW und bnJirj NHWH P gethan, wenn er von der .Höllischen Universität und der Berliner Hofbuchhandlung ein Vorgefühl gehabt hätte. Andererseits hätten die Herren in Amsterdam, für die vielen Ungereimtheiten, die sie auf seine Rechnung — allerdings ohne den Wirth — begangen haben, die Geißel seiner treffenden Satyre empfunden. Ich stelle die mehr äußern Vorzüge dieser Herausgabe darum cm die Spitze dieser Anzeige, weil ein großer Fortschritt der jüdischen Literatur sich darin bekundet. Wenn wir auf die Druckwerke, welche die polnische und russische .Presse uns liefert, einen Blick werfen, und auf der andern Seite den wandernden Buchhandel — bis jetzt der ewige Jude — noch immer unter uns vegetiren sehen, so muffen . wir es mit Freude anerkennen, wenn Charisi's Poesien den Weg in eine Hofbuchhandlung, ein schönes modernes Gewand und ein dem Auge wohlthuendes Aeußere gefunden. Nachdem ich nun den Herren Herausgeber und Verleger im : Namen des Herrn Charisi — wenn auch in Prosa und ohne Humor —gedankt habe, gehe ich zur eigentlichen Besprei chung über. — Der Titel sagt ausführlich, was Hr. Dr. Kämpf leisten; \ wollte, und das er in der That geleistet hat. Durch die Güte \ des Prof. Luzzatto war es dem Herausgeber gestattet, 1 eine werthvolle Handschrift des Tachkemoni aus dem Jahre; 1281, deren Besitzer I. A t m a n zi zu Padua ist, zu benutzen, v Gewiß hätte eine Kollation des Manuskriptes der ^Sorbonne ' wesentliche Vortheile geboten, doch hat bereits.die Almanzische Handschrift vortreffliche Dienste geleistet. Vieles Ungereimte und Verstümmelte in den gewöhnlichen Ausgaben*) konnte entfernt, manches Fehlende ergänzt werden. Ich hebe beispielsweise eine auf der Hand liegende Verbesserung in der HEnpn hervor. In unseren Ausgaben las man: ddh ifinN ^nn.bvS' 10^ MllQ . . während au- , genscheinlich hier gemeint ist. Möglich daß dieser - Schreibefehler dem Vers, des Tachkemoni später den Beinamen — gleichsam der jüdische, dem.arabischem gegenüber — verschafft hat. Diese Konjektur gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man erwägt, daß es in der Almanzischen Handschrift schlechtweg .TOT lMch in der Einleitung und an der früher bczeichneten Stelle heißt. Charisi hätte demnach, wie Chajug" (Lebrecht in der Hall. A. L. Z.) einem Schreibefehler seinen Namen zu! danken, wenn /auch als der Dichter Kar3 z%o%riv? *) Ueber die Ausgaben des Tachkemoni vgl. meine Notiz im LB. des Orients 1844, 793. genommen werden kann. Die Vokalisation und Interpunktion verrathen an jeder Seite den .kundigen, genauen und gewiffenhaften Herausgeber. Hr. Dr. K. hat uns in einigen.hebräischen Gedichten, die er seinem „Versuch einer wissenschaftlich begründeten Metrik für die neuhebräische Poesie" (Orient, 1841, Nr. 43 ff.) beigefügt, sowie in der Übertragung einer Stelle aus Tanchum's Kommentar Zu den Büchern Samuel (Orient 1843, Nr. 6) bewiesen, daß er selbst das Hebräische sehr gut handhabt. Was die Ueberfetzung anlangt, so hat es Hr. Dr. K. vorgezogen, „wenn auch nicht streng metrisch, doch wenigstens in vorherrschender rhythmischer Sprache" die Reimprosa des Originals zu übersetzen. Und diese Leistung ist ihm am meisterhaftesten gelungen. Denn trotzdem daß die Uebersetzung sich allenthalben dem hebr. Originale anschmkegt, ist sie doch von jeder Härte frei und bewegt sich in rhythmischem Ebenmaaße. Besonders sind die eingestreuten Gedichte am schönsten wiedergegeben. Als Probe hebe ich hier ein kleines Gedichtchen (in der nDlpn, beginnend .im hebr. Original .d'NHD by Uk) hervor: Wehe euch durstigen Narren, Die ihr wie lechzende Farren, Nach einem Trünke brüllt! Die ihr steh't an der Stelle Einer lebendigem Quelle, —- Und eu'ren Durst nicht stillt! Die beim Manna ihr stehet — Und vor Hunger vergehet, Weil Euer Aug''verhüllt! — Wir sind nun bei der Einleitung, bei den sprachlichen und sachlichen Erläuterungen. Zuerst liefert der Herausgeber eine.„Biographie Charisi's" (S. 1—7). Wo und wann der Dichter geboren, ist gänzlich unbekannt. Der Name „Charisi" wird in Frage gestellt (vergl. oben). Daß der Dichter in dem einleitenden Gedichte sich blos ni&W p mn1 nennt, würde nichts beweisen, da er des Metrums wegen irnn p weglassen mußte. — Die Bemerkung (S. 48) — beiläufig gesagt — daß dieses Gedicht in der Amsterd. Ausg. sich am Schluffe des Tachkemoni befinde, hat mich überrascht, da ich eine A. A. vor mir habe, wie es an den Anfang, gleich nach dem Inhaltsverzeichniß, gestellt. Auch sicht man, daß Titel und Inhaltsverzeichniß aus einem Bogen gedruckt sind. — In der Handschrift des XMDH m>Nv aus der hiesigen Rathsbibliothek — nach welcher Benjakob in dem cppriy QHün es abgedruckt, findet sich auch imn p_ Auch giebt der Ali des "O^n iTüX umständlich seine Lebensbeschreibung und ist da- - her .mehr als ein „gewisser". Vergl. -)D]Dn bis zu Ende. Die Charisi'sche Ibebersetzung desMaimunischen Kommentars zu OpT TD ist nichts weniger als genau. Ab rav an el hat es bereits gerügt und Earmoly (Revue Orientale, IJ. 158) entschuldigt ihn damit, daß CH. ein fehlerhaftes arabisches Origmal vor sich gehabt. Ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.