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Der Orient · 1845-03-05 · Heft 10 (5.3.1845) · p. Seite 76

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 10 (5.3.1845)
Date
1845-03-05
Page
Seite 76 (sequence 7)
Language
German
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76 selbst beurtheiten. Diese literarische Sünde ist aber nur! der schriftstellerischen Tugend, keinesweges dem Ra bbinate des Hrn. W. zuzurechnen, denn er hat schon früher in der Vorrede zu seiner kleinen Geschichte eine ähnliche gegen Hrn. Mannheimer sich zu Schulden kommen lassen. Leipzig, 28. Febr. Die Stoßseufzer der jüdischen Literatur nehmen noch immer kein Ende. Hr. Dr. Jakob Gold ent hat besitzt, wie bereits in diesen Blättern gemeldet wurde, das Werk „Mafteach Manule ha- Talmud" von R. Nissim handschriftlich, und ist mit den Vorbereitungen zur Herausgabe desselben beschäftigt. Hr. Dr. G. ist den Lesern dieser Blätter als geschickter Herausgeber des „Mosne Zedek" und des „Sefer ha- Halaza" hinlänglich bekannt. Das Werk, wichtig wegen des Namens seines Verfassers als wegen seines Inhalts, verdient mit großerm Rechte eine Unterstützung zur Ermöglichung der Herausgabe,, als manche Predigtsammlungen. Hr. Dr. G. wird uns eine korrekte und treue Ausgabe nebst Einleitung liefern. Wo ist aber die schöne Zeit der jüd. Literatur, wo dieselbe reichlich von Subskribenten unterstützt wurde? Vielleicht ist sie noch nicht ganz geschwunden und werden diejenigen, welche für das Gedeihen der jüdischen Literatur sich interessiren, Subskribenten sammeln unb sie dem Herausgeber zukommen lassen. Das Werk und der Herausgeber sind der Unterstützung würdig. — Das Gedicht ben Gebirol's, welches in der vorigen Nummer des LB. mitgetheitt wurde, wird von einem hier lebenden schwedisch-jüdischen Komponisten in Musik gesetzt werden. Also ein Orient nach Noten! I. Mecklenburg-Schwerin, 1. Febr. (Fortsetzung.) Dies gilt zunächst dem Gelingen der vom Oberrath beabsichtigten Maßnahmen zur Heranbildung befähigter Inländer. Aber auch abgesehen von solcher hierauf bezüglicher Thätigkeit des Obecraths würde eine Ausdehnung jener Trennung des Lehramtes vom Schlächterfache auf mehre Gemeinden schon an und für sich des wohlthätigen Einflusses auf viele Familienväter nichr entbehren, ihre Söhne für das jüdische Lehrfach zu bestimmen. Das Schlächterwesen ist nun einmal mit so vielen unangenehmen Funktionen verbunden, und setzt den es Ausübenden in eine so große Abhängigkeit nicht blos von dev Gemeinde in ihrer moralischen Ganzheit und Vertretung wie die übrigen Funktionen, sondern von so vielen einzelnen zur Gemeinde Gehörigen, daß es für Viele mit Recht viel Abschreckendes hat, abgesehen davon, daß der Stand des Lehrers durch solche Trennung viel an Achtbarkeit in der öffentlichen Meinung gewinnt, diese seine geachtetere Stellung eine wohlthätige Rückwirkung auf die Schule sicherlich nicht verfehlt. Dieser letztere Gesichtspunkt namentlich hat so Vieles für sich, baß von ihm ausgehend viele deutsche Regierungen, welche dir moralisch religiöse Veredlung der Juden zum Gegenstände legislativer Fürsorge machten, wie z. B. in Würtemberg, Baden, Hessen und mehren Andern, in neuerer Zeit auch in Hannover, diese Tcennungsmaßregel ganz oder theilwcise im Interesse der religiösen Verhältnisse der Israeliten ausgeführt haben. Iw früherer Zeit, wo das Schlächterfach in jüdischen Keisen quasi als eine geistliche Funktion gegolten, hätte eine solche Trennung — da die ihr zu Gründe liegende Absicht nicht begriffen werden konnte - gewiß keinen Anklang bei den,Israeliten gefunden; die gegenwärtigen Stimnnungen haben sich aber, mit Ausnahme bei wenigen Erstarrten, wesentlich geändert und eine weise und humane Gesetzgebung dürfte dieselben nur durch entsprechende Maßregeln benutzen, um sie zu größerer Klarheit zu bringen. Ueber den moralisch - religiösen Zustand der meklenburgischen Israeliten kann ich, insoweit mir die Einblicke in solche innere, schwer zu beurtheilenden Verhältnisse möglich sind, nur Lobendes berichten. Ich kann die Moralität der israelit. Unterthanen nicht als eine jüdische, sondern als eine allgemein menschliche, als eine besonders dem meklenburgischen Volke ungehörige bezeichnen. Der Kampf mit dem Mittelalter ist zum großen Theile glücklich beendet. Die Juden sind in die Bildung und Gesitnung des deutschen und insonderheit des meklenburgischen Volkes eingetreten, sie denken und fühlen sich trotz der religiösen Differenz und sogar trotz ihrer bürgerlichen Beschränkungen- Glieder und Theilnehmer des Gesammtvolkes, in dessen Mitte sie leben. Nur da, wo die bürgerlichen Beschränkungen nicht durch glücklichere Umstände ausgeglichen, wo der Zutritt der allgemeinen Gesittung durch so mancherlei erschwert und aufgehalten ist, da werden freilich noch manche traurige Ueberreste zu finden sein, die aber in nichtjüdischen Kreisen bei gleichen Anlässen nur vielleicht anders gefärbt sich äußern würden. Im Allgemeinen und im Ganzen ist das Ehrgefühl erwacht, das reinmenschliche Bewußtsein aus den mittelalterlichen Schranken der Besonderheit herausgetreten. Der Jude fühlt sich ganz in seiner menschlichen Würde, fühlt sich zwar durch die noch bestehenden beschränkenden Gesetze in seiner Ehre gekränkt, begreift nicht, wie das theure Vaterland, das er so inniglich wie jedes andere Landeskind liebt, dem er so treu ergeben ist, ihn noch immer in manchen Stücken als Fremden betrachtet, sieht aber dieser Unbegreiflichkeit wegen, den Zustand nur als einen transitorischen unv bald vorübergehenden an und erwartet, wie einst die Ankunft des Messias, von der nächsten Zukunft schon, daß sie ihm das bringen werde, was ihm in seiner bürgerlichen Stellung noch zu wünschen übrig bleibt. Ich erlaube mir gehorsamst zu bemerken, daß ich die geschilderte Auffassung dieser Lage bei den Juden als eine der Moralität sehr günstige finde. Es muß der Mensch an seine eigne Ehre und Würde glauben, wenn er moralisch sich aufrecht erhalten soll, und ich betrachte es als meine Pflicht, auch vom Standpunkte der Religion dieser Auffassung Nachdruck und Vorschub zu gebcn, die Hoffnung auf die Vorsehung und die Weisheit und Gerechtigkeit der hohen Negierung über-

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