Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 9 (26.2.1845)
- Date
- 1845-02-26
- Page
- Spalte 135-136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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135 Kritiken. Die Protokolle der ist nicht gar häufig/ und verdient um so mehr, in das richtige Licht gestellt zu werden. Am schärfsten und tiefsten einschneidend ist endlich der Antrag des Dr. Hirsch: Ausgleichung der Kluft zwischen Lehre und Leben durch Aufhebung oder Milderung mehrerer Sabbat- und Speisegesetze. Die Wichtigkeit der Frage unterliegt keinem Zweifel, ob sie zeitgemäß' sei, darüber waren - die Meinungen getheilt; die Majorität entscheidet sich jedoch dafür und eine Kommission von fünf Mitgliedern wird ernannt. Kein Resultat wird wohl mit solcher Spannung erwartet werden, keines wird auch wohl so verschiedene Ansichten zu Lage fördern als dieses.. Der Antrag selbst findet sich, wir wir vernehmen, in seinen Hauprzügen in der neuesten Schrift des Dr. H i r sch über Reform. Nur noch einige Äußerlichkeiten sind zu berichten, die mehr den Verein als solchen , denn die Zwecke - desselben betreffen. Die Versammlung ist von dem Wunsche beseelt, sich als ein Ganzes zu konstituiren, daher ist die Rede von Errichtung einer Registratur, von Anschaffung eines Siegels, von Gründung einer Kaffe, von Bildung von Vereinen unter dem Volke, die sich für die Zwecke der Versammlung interiffiren (letztere auf einem brieflichen Antrag von. Leopold Stern in Frankfurt a. M.). Aus Veranlassung dieses letzteren , besonders auch wegen Vergütung der Reisekosten an einzelne oder alle Mitglieder, kommt die Rede auf den Druck der Pro tokollle, aus deren Ertrag vielleicht dieser Zweck realisirt werden könne. Bei dieser Gelegenheit ergiebt sich, daß letztere schon, mit Bewilligung des Präses, in Philippson's Zeitung des Judenthums erscheinen, was Geiger zu der Bemerkung veranlaßt, daß dabei nicht eine Zeitung vor der andern bevorzugt werden möchte. Der Präses erwiedert: Gewiß nicht, die Statuten sprechen von Organen d e s I ud enthum s. Wir erwähnen dieses, uw zu. bemerken, daß der Präses hier im Jrrthum ist. Die Statuten sprechen bei diesem Punkt gar nicht von Organen, sondern es heißt §♦ 10 k: „Die Protokolle werden veröffentlicht", und jener Ausdruck findet sich an einer ganz anderen Stelle §. 9, wo der Ausschuß verpflichtet wird, die an ihn gelangenden Anträge ln den öffentlichen Organen des Judenthums zu veröffentlichen (sio). Quandoque bonus dorniitat Homems, heißt es hier: der sonst so geübte Präses hat sich hier offenbar einen Fehler zu Schulden kommen lassen, ohne den die sehr peinlichen Erörterungen zwischen Geiger, Heß und Ph ilippson erspart worden wären. Erfreulicher ist die Mittheilung Philippson's, daß Herr Rothfels in Kassel ihm hundert Lhaler für die Zwecke, der Versammlung eingehändigt habe. Somit hätten wir die erste Rabbinerversammlung durch ihre ganze Lhätigkeit begleitet, und wir wollen denn zum Schluß suchen, die Erfolge derselben ganz kurz zu rekapituliren. ersten Rabbmerversammlmg. 136 Die Versammlung hat in ihrem achttägigen Zusammensein folgendes absolvirt: t. Entwertung und Berathung der Statuten. , 2. Bestätigung der Aussprüche des Pariser Sanhedrin. 3. Approbation der Meklenburgischen Synagogen-Ordnung. 4. Erklärung, daß der Eid eines Israeliten bei Anrufung des göttlichen Namens völlig bindende Kraft habe, und Verpflichtung^ schon jetzt dahin zu wirken, daß das Kol- Nidre Gebet abgeschafft werde. 5. Beschluß über Einführung von Beschneidungslisten und Führung derselben durch die Rabbinen. Kommissionen zur Berichterstattung an die nächste Versammlung werden gewählt: 1. Zur Revision der Ehegesetze. 2» Zur Prüfung der sechs liturgischen Fragen des K.R. Maier.. 3. Zur Ausgleichung der Kluft zwischen Lehre und Leben durch Aufhebung oder Milderung mehrerer Sabbat- und Speisegesetze. A b g e l e h n t oder von den Urhebern zurückgenommen wurden die Anträge: 1. Zur Bestätigung der Aussprüche des W e st p h ä ( ischen Konsistoriums, betreffend den Genuß der Hülsen fruchte am Pesach, und der K.Würte mb er gischen rsraelitischen Oberki rch enbehLrd e über die Autorität des Talmuds hinsichtlich des Dogmas und der Moral. 2. Betreffend die Bestrebungen zur Emancipation der jüdischen Kirche. - - 3. Es möge die Rabbiner-Versammlung erklären, daß sie es zwar auf das SchmerzLichste beklage, wenn einige Glaubensbrüder ein so. wichtiges und allgemein heilig gehaltenes Gebot wiedas der Beschneidung nicht mehr beobachten, daß sie aber gegen jeden äußeren Zwang und das Ausschließungssystem, wie es von mehreren Rabbinen gefordert worden, sich erkläre und dahin aussprechen müsse, daß diejenigen, welche das Beschneidungsgebot nicht beobachten, dennoch als zum israelitischen Glaubensverbande gehörig betrachtet und zum Erde und zum Zeugniß und zur Schließung einer Ehe mit einer Jüdin zugelaffen werden können. 4. Nur mit deutscher Übersetzung versehene Gebetbücher beim Gottesdienste zuzulassen. 5. Beleuchtung des Styls im herkömmlichen Chaliza- Briefe. 6. Abschaffung der Meziza. (Die Anträge 4 und 5 sind in umfassenderen Anträgen bereits enthalten.) Auf die innere Verfassung der Versammlung beziehen sich folgende Beschlüsse: 1. Oeffentlichkeit der Verhandlungen. 2. Veröffentlichung der Protokolle in selbstständigen Heften. 3. Bildung einer Registratur, vorläufig der Verwahrung des ersten Präses anvertraut.