Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1845)
- Date
- 1845-02-26
- Page
- Seite 68 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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68 solch' schöne Institute nicht so schnell erkalten, wie wir leider so oft es erfahren müssen. Herr Leopold Dukes in Tübingen, mit dem Sie ja in lebhaftem wissenschaftlichem Verkehr stehen, wird Ihnen wohl treuen Aufschluß, über den in Rede stehenden Tübinger-Verein geben können. Ich zähle diese Institute nach der Dauer ihres Bestehens auf und beginne darum mit dem Heilbronner j üd. L e se v e r e i ru Derselbe wurde im Jahre 1837 durch Herrn Dezirksr abbin er Selig mann Grünwald *) in Lehrensteinsfeld provocirt. Die Lehrer und Vorsänger des Bezirks schlossen sich ihm an und nur noch einige jüdische Kaufleute in Sintheim und Heilbronn konnten dafür gewonnen werden. Die Tendenz des Vereins ist statutengemäß Anschaffung von Schriften, welche die Emancipationsangelegenheit oder das Schulen und Kirchenweseu der Inden besprechen. Jährlich müssen zwei Generalversammlungen gehalten werden, in denen das Geschäftliche des Vereins erledigt wird. Gegenwärtig gelesene periodische Blätter sind: Orient, Judenzeitung, Sabbath-Blatt, Freund's Monatsschrift, Weils konstitutionelle Jahrbücher re.,und was sonst in diese Branche einschlägt. Es muß diesem Vereine, und besonders seinem Stifter, die Ehre bleiben, daß er^ —- meines Wissens — der erste in Würtemberg war und hat er auch unter den isr. Lehrern der dortigen Gegend Interesse für die zur Tendenz gestellte Idee geweckt und erhalten, und dennoch hat das Institut seine Mission nicht erfüllt, weil es nicht volksthümlich geworden. Mag allerdings der Grund in Lokalhindernifsen eineStheitS gelegen sein, so trug doch auch anderntheits die unpünktliche Handhabung der Statuten einen Theil der Schuld. So war auch neben Riesser's, Salvador's, und Anderer gefeierten jüdischenLcseschristeu, das Leben Jesu von David Strauß ein Lesebuch der Gesellschaft! Es ist dies wieder ein Beleg dafür, daß das jüd. Lesepublikum an Allotria zu viel Gefallen hat und darum die rein jüdische Literatur unbenutzt und brach liegen bleibt. Aus der geringeren Theitnahme ging auch das Gebrechen hervor, daß die gelesenen Schriften wieder verkauft werden mußten, um die pekuniären Mittel zur Anschaffung der neuen wieder aufzubringen; da es doch besonders im Zwecke eines solchen Instituts liegen muß, eine Bibliothek zu sammeln, daß auch später bei- Iretende Mitglieder daraus Nutzen ziehen können. Auffallend ist es, daß der Stifter und Vorsteher des Vereins, Hr. Rabb. Grünwald, bei den Generalzusammenkünften nie wissenschaftliche Themata besprach, noch die Mitglieder dazu veranlaßt, da doch dem gelehrten Herrn Rabbiner das Geschick dazu nicht fehlt. Das *) Herr Grünwald seit anderthalb Jahren Rabbiner in Freudenthal hat auch dort einen Leseverein gegründet, auf den wir später zurückkommen werden. lebendige Wort sollte besonders bei solchen Vereinen in sein Recht eingesetzt werden und nur dadurch würde die jüd. Lireratur wieder zu ihren alten Ehren gelangen, wenn die Masse wieder Lust und Liebe zu ihr bekommt und ihre Schönheiten auch, dem Laien vorgeführt würden. Auch der jetzige Vorsteher, RechtskonsulentM.Kollma n n in Heilbronn, der mit gediegener wissenschaftlicher Bildung Kenntnis) der jüd. Literatur vereint und beredt genug wäre, dein Laien Interesse für öffentliche wissenschaftliche Vorträge einzuftößcn, bleibt hierin muffig: dagegen muß ihm das Verdienst zuerkannt werden, daß durch seinen Einfluß der 'Verein auf 24 Mitglieder angewachsen ist, worunter besonders mich Leute vom Lande sind, die endlich doch einen kleinen Ersatz für ihre verlorene jüd. Hausliteratur finden. (F. f.) Frankfurt a. M., 8. Febr. In Hrn. E. C.'s. „Rückblicken" auf den Monat December (Art. Hamburg) findet sich die eine Rüge erheischende Phrase : In Jerusalem währe der ärgerliche „Streit zwischen Pinsker und Turqueman" noch immer fort. Man muß gestehen, daß eine ganz eigenthümliche Auffassungsweise dazu gehört, um das Verhältnis) zwischen Wolf und Lamm, zwischen dem unmenschlichen Blutsauger und seinem leidenden Opfer als einen S tr eit zwischen zwei Parteien zu bezeichnen, woran weiter nichts ärgerlich sei als eben das Unfriedliche, Ruhestörende. Wir hätten dem geehrten Herrn C. mehr Rechtsgefühl zugetraut mld gewünscht. — Nicht minder unvorsichtig war es von Seiten des nämlichen Hrn. E. C., daß er in seinen „Rückblicken" auf den Januar so ohne alles Bedenken die Worte drucken ließ (Orient Nr. 7) r „Die Stimmenzahl für Rabb. S. R. Hirsch irr Emden soll beträchtlicher gewesen sein, als sie in der für Hrn. Dr. Adler sehr parteiischen Frankfurter Oberpostamtszeitung angegeben werden." Wir fragen Hrn. C. auf sein Gewissen, ob es nicht, sehr gelinde ausgedrückt, viel zu weit gegangen heißt, wenn man seiner Sache nicht gewisser ist als er es war, eine ähnliche Verdächtigung mit keinem bessern Empfehlungsschreiben als mit einem zweideutigen „soll" so in die Welt hineinzuschicken, eine Verdächtigung, welche doch nichts anders heißen so ll, als: die Oberpostamtszeitung hat in unverzeihlicher Parteinahme für den (der Redaktion wie dem Unterzeichneten übrigens persönlich völlig unbekannten) Rabb. Adler das Ergebnis) des Wahlskritiniums fa lsch ang e g eb en. Denn das ist der einzige Sinn, der jenen Worten vernünftigerweise bcigelegt werden kann. Daß aber die Redaktion der O.-P.- A.-Z. ebensowenig eine „parteiische" Angabe ausgenommen hat, als Hr. E. C. gehörig unterrichtet war, rnöge einfach aus folgendem Auszug aus dem officiellen Wahlprotokoll hervorgehen: „-Bei der sodann am Abend abermals abgehaltenen Versammlung, wurde diese durch den Prä-