Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-02-26 · Heft 9 (26.2.1845) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 9 (26.2.1845)
Date
1845-02-26
Page
Seite 67 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360374--4853-3531072
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

67 Entscheidung überlassen wurde und jetzt beut Staatsrathe vorliegt, in dem sich viele Stimmen in einem den Juden ungünstigen Sinne ausgesprochen haben sollen. Die Freimaurcrangetegenheit rückt ebenfalls wenig von der Stelle. In Frankfurt a. M. scheint der (besonders durch eine Schrift des Pastors Friedrich neugeweckte) '.Streit bereits in den Zustand des Erkaltcns übergcgangen zu sein. Anders in Preußen, wo zwar kürzlich die Majorität im Begriffe gewesen sein sott, uachzugeben, indeß wiederum, durch den eine Zeitlang zu Koncessionen geneigten Prinzen von Preußen in dem hartnäckigen Widerstande gegen dieselben bestärkt worden zu sein scheint. Ob die Sinnesänderung mit dem kürzlich in Berlin angelangten kräftiget: Drohschreiben der Neu-Uorker großen .Loge an die Loge zu den 3 Gtoben im Osten Berlins znsammenhängt, wissen wir nicht. — UnS nunmehr zu den Personalien wendend, bemerken wir, daß Dr. S. Stern in Berlin, nachdem er am 29. Januar seine dritte Vorlesung (,,die Elemente des Judenthums tu der Gegenwart") gehalten, die erste neuerdings noch einmal wiederholt hat, daß ferner die Aeltesten und Vorsteher der Berliner Jndenschast in der Beilage zur Spcnerfchen Zeitung vom 1. Februar anzeigen, Herr Rabbinatsassessor Dr. Michael Sachs habe vom 16. Februar ab für die reifere jüdische Jugend 4 wöchentliche Stunden (Mittwochs von 2—4, Sonntags von 9—11 Uhr) zum Religionsunterrichte festgesetzt, daß endlich der Lehrer an der vereinigten Artillerie- und Ingenieur-Schule, Hauptmann Burg in Berlin, durch eine Kabinetsordre vom 23. Januar für die Ueberreichung der zweiten Auflage des ersten Theits seiner geometrischen Zeichnenkunst die goldene Medaille für Wissenschaft erhalten hat. — Phobus Lev in aus Berlin, Schüler des Professors Wach, hat ein Reisestipendium (500 Thlr. auf ein Jahr) zu einer Studienreise nach Rom als Preis der Malerei für 1844 von: akademischen Senat aus der Michael Beer'schcu Stiftung erhalten, zu welcher nunmehr eine neue Konkurrenz (für 1845) eröffnet ist. — Der bekannte Novellist und VolkSfchriststelter Berthold Auerbach ist zum korrespoudirenden Mitgliede der Gesellschaft zur Beförderung nützlicher Künste in Berlin ernannt worden. — Einem Artikel der A. A. Z. aus Paris über den Verein deutscher Aerzte daselbst zufolge hat Dr. Pappen he im die Absicht, in diesem Vereine physiologische Vorträge zu halten. Irren wir nicht, so ist dies derselbe ausgezeichnete Physiologe auS Breslau, dem man das Honorar für die Jnspektvrgehilfenstctte am physiologischen Institute dcS Professors Purkinje verweigerte, weil er als Jude keine öffentliche Stelle (?) im Staate bekleiden könne. Dr. Pappenheim wäre demnach das zw eite Opfer des Widerrufs des Edikts von 1812 unter den Physiologen oder richtiger der zweite rühmlich bekannte Physiolog (Valentin mußte eine Professur in Bern annehmen, wenn er nicht in Preußen als Gehilfe bei einer Universitätsbibliothek verkiünmern wollte), dessen sich Preußen muthwittig beraubt hat, ohne daß es durch Schaden klüger und — gerechter gemacht Word er: wäre. — In Dresden starb den 30. Januar der Banguier Michael K a ö k e l, 68 Jahre alt; in Berlin Hr. Samuel Friedeberg; in Wronke im Pofenfchen der 116 jährige A. Kaufmann (16. December); in Stockholm der Bankier B e u e d i ck s. — , E. Aus Würtemberg, Jan. (Die Lcsevereine für Israeliten in Würtemberg, ein Beitrag zur jüdischen Kultur-Geschichte der jetzigen Zeit.) Wie nützlich ist der kleinste Kreis, Wenn man ihn wohl zu pflegen weiß. Göthe. Sie haben geehrte st er Herr mich aufgefordert, einen Bericht über die jüdischen Lesevereine in Würtemberg zu erstatten. Ich thue es, nicht in der Absicht, um mit unfern Zuständen prangen; denn wer mit den jüdisch-wnrtembergischen Verhältnissen vertraut ist, leimt auch wohl die dunkeln Flecke, die wir auch nicht zu verdecken suchen. Besonders aber bestimmt mich ein Korrespondent aus Würtemberg in der Z. d. I., der den würtemberg. Volköschriften-Verein als Ideal hinstettt, von ähnlichem Beginnen abzumahnen, wenn die Tendenz in solch pietistische ausartete, wie jener sich eine gestellt. Spukt auch da§ Gespenst des christlichen Staates nicht bei uns und stehen heilige Röcke nicht zu befürchten, so kann der Pietr'SmuS unter feinen langen Nockfchößen anweg den Judenhaß nicht verbergen und aus purerLiebe zu uns — wegen unsrer Vetterschast mit dem Heiland — wollen sie Israel nicht emaneipirt wissen. Es soll nn§ die Rolle des Ahasverns anfertegt bleiben, bis der Gekreuzigte wieder ersteht und unser Kreuz uns abnimmt. „Ihr meint es löblich, doch ihr habt Für unser Volk kein Herz!" Bei dieser Gelegenheit muß ich auch, um nicht misverstanden zu werden, mein Korrespondenten-Glaubensbekenntnisi abtegen. Ich stelle mich nicht unter die Kategorie der Berichterstatter, denen Hr. Ink schon mit der Apotheose gedroht hat, u. dennoch wurde mir von Freunden schon der Vorwurf, daß ich minder Wichtiges, sogar Unerhebliches Ihnen mitgetheitt. So wurde mir vor mehreren Jahren, von einem ehrenwerthen jüdischen Studirenden in Tübingen, eine Zurechtweisung in diesen Spalten, weil ich das Bestehen des jüd. Lesevereins dort veröffentlichl. Jetzt aber wird mir mein damaliger Mentor zugcftehcn, daß durch diese Vereine sich viel Gutes bezwecken läßt .und/ darum dürfen wir auch nicht so jüngferlich züchtig uns verstecken. Eben jener Tübinger Verein hat schon mehrere auf dem Lande hervorgerufen, und würden die Mitglieder desselben ihre Wirksamkeit auch nach außen, erstrecken, wie wir gehofft, und die Früchte ihrer Bemühungen und ihres edlen Strebens uns kosten lassen, so würde das lebhafte Interesse für 6 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.