Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1845)
- Date
- 1845-02-26
- Page
- Seite 66 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 66 - Abgesehen von der rastlosen Thätigkeit! nnd strengen Loyalität, mit welcher er die Schwierigkeiten seinerAufgäbe zu lösen beflissen ist: abgesehen von dem regen Eifer, den er sowohl allen äußern wie innern Gemeinde- Angelegenheiten spendet , der musterhaften Umsicht, vermöge welcher er sämmtlichen Statuten derselben eine würdige Form und eine zeitgemäßere Umgestaltung zu geben sich bestrebt, um auf solche Weise die wahrhaft frömmsten Zwecke zu fördern , so daß durch Erhebung des Ansehens unseres Kultus, ihm die Geneigtheit und Hochachtung der Landesbchvrden in besonderem Maße der Gnade zugewendet wird; ist dennoch Bildung der Jugend und Veredlung des Synagogcn-Ritus fcnv vorzügliches Allgenmerk nnd der vornehmsichste Wirkungskreis, in welchem er Energie und Seeteilkräfte zu entwickeln sucht. Und ullgeachtet der schon bedeutend in Anspruch genommenen Gemeindemittet, verdanken wir in dieser kurzen Zeit, seiner einflußreichen Verwendung und seinem weislichen Walten, nicht nur die Errichtung einer Gemcindeschule, sondern ein neu erbautes prachtvolles Schulgebäude steht zu seiner nähen Einweihung und zum rühmlichsten Andenken unseres sroinmen Volkslehrers für die spätesten Enkel gegründet da. Allein diese schöne Werke alle bilden noch nicht den einzigen Hauptpunkt, auf welchen er seine Geisteskräfte zu richten sucht, es silld vielmehr seine ertemporären lehrreichen Homilien insbesondere, durch welche er uns jedei: Sabbat und Festtag unausgesetzt die genußvoltsteil Stunden gewährt. Und wie er eillerseits durch Vorallgehen mit Thatsachen und edlen Beispielen, alle Herzen zur Nachahmung zu gewinnen weiß; wie er mit beispielloser Nachgiebigkeit und weiser Eillsicht alle Dissonanzen der Gemüther tu Einklang zu bringen und sie vermittelnd Ulld versöhnend in Frieden und C'illtracht zu vereinigen bemühet ist, so verfehlt er anderseits nicht, durch Kraft der BeredtsamkeiL auf alle Seiten zll Wirker:, welches auch nielnals ohne stille wohlthätigen Folgen ulerklich fühlbar zu nllacher: vorübergeher: kann. Wir können indeß vorliegerldeS Referat rlicht schließen ohne die Bemerkung damit zu verbinden, daß wir nicht über unö gewinnen können, so wenig es auch in unserer Absicht sei, den wissenschaftlichen Talenten Hirsch'S eine Huldigung hiermit zu bringen, dessen rhetorische Eigenschastell zu berühren, ulld ihnen nicht ein Wort der Anerkennung zu zollen. Denn wahrlich was Hirsch als Volksredner zu leisten vermag, ist selbst in der Jetztzeit, wo die Homiletik die ausgezeichnetsten Männer auszuweistll hat, eill Seltenes zu llennen. Je mehr wir daher Gelegenheit haben, seine tiefdurchdachten freien Vorträge zu vernehmen , desto bewährter fühlen wir den Ausspruch des Weisen der Urzeit: „die Duelle der Weisheit ist ein sprudelnder Duell". S. Hamburg, 7. Febr. (Zur Emaneipationöge schichte und Personalien.) Die Emaneipationsfrage scheült im Jahre 1845 in mehreren europäischen Ländern in den Kreis der Berathungen gesetzgebender Versammlungen gezogen werden zu sollen. — Mit welchem Erfolge, läßt sieh in manchen Fällen nicht mit Bestimmtheit Voraussagen, in .alldem nur zu deutlich voraussehen. — Zuerst erwähnen wir, daß der Lolldoner Ausschuß der britischen Israeliten sich an das ebeneröffnete Parlament mit einer Petition um bürgerliche Gleichstellung wenden wird, die wie es heißt, von dem Parlamentsgliede Ashurst bevorwortet werden wird. Die Augsb. Allg. Zeitullg, welche diesen Schritt beiläufig erwähnt, erzählt uns wieder einmal, daß in den ver-' einigten Kölligreichen nur 24,000 Juden leben mld sich darunter viele angesehene re. befinden. — Nach dem Journal des Debats soll auch tu der ebenzusammengetreteueu würternbergischen Kammer ein Antrag auf Wegfall der noch der vollen Emancipation entgegenstehenden Verordnungen gestellt werden! — Am eifrigsten zeigen sich die größeren Städte Preußens, zumal der Rheir:- provinz, in der Verfolgung des Zweckes, den Juderr ihr voreirthaltelles Recht erringen zu helfen. So haben sich die Bürger Kötn's, Düsscldorf's- Elberfetd's, Bonn's, Aachcn's und Cleve's all die rheinischen, die Bielefelder an die westfälischen Stände, die Stadtverordneten Königberg's an ben Ncagistrat daselbst und evenUinIiter an den ostpreußischen Landtag, Magistrat und Stadtverordnete Elbing'S an bcufclOcn und auch die städtischen Behörden BreSlau's (der Aachener Zeitung zufolge) an die Vertreter der Provinz Schlesier: mit der Bitte, die völlige Gleichstellung der Inder: von Neuem beim Könige zu beantragen, gewandt. Am kräftigsten hat sich die Kölner Petition ausgesprochen, indelll sie die Christel: als bisher bevorrechtet, llnd die Juden als eben dadurch in ihren Rechten willkürlich beeinträchtigt darstellt. — Auf die erwähnte Vorstellung der Königsberger Stadtverordneten soll der Magistrat tu der ursprünglichen Form nicht haben eingehen wollen; indeß hat dies nur die Folge gehabt, daß die ersteren ailch den Wunsch, gemischte Ehen erlaubt zu sehen, hillzugefügt haben. — In Berlin dagegen Haber: die Kommunalbehörden die Bevorwortung einer von den Juden an den brandenburgischen La::dtag einzureichenden Bittschrift abgelehnt, weil der Geger:stand den Kreis der Befnglüß von Provilwialständcn überschreite. —• In Hamburg endlich bestätigt sich die Verwerfung der betreffenden Senatsproposition durch die Oberalten nur zu sehr. — Mit der Emaneipationsfrage nun stehen zwei andere Fragen in Verbind:u:g, die ebenfalls in neuester Zeit vielfach zur Sprache gekommen sind: die über den Eid und die über das Verhältniß der Inden zu den Freimaurerlogen. Die erstere (über die Eidesformel) ist in Braunschweig zu voller Zufriedenheit der gesetzgebender: Gewalten und der Betheiligten gelöst; dagegen schwebt sie noch in Hannover, wo sie von den Ständen der Regierung zur