Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 8 (19.12.1845)
- Date
- 1845-12-19
- Page
- Seite 59 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Im Jahre 1844 hieß es dort: die Juden sind Tagediebe, Mussiggänger, sie treiben nichts als Schacher; man halte sie also zur Erlernung von Handwerken an. Man sollte nun glauben, jetzt würde geschlossen werden : man nehme also die Juden in die Zünfte auf oder man proklamire völlige Gewerbefreiheit. Ja xrosU die Mahlzeit. Dasselbe Blatt meint vielmehr im Januar 1845 : zu den Handwerken könne man die Juden nicht zulasten, denn der Broderwerb für die arbeitenden Klassen sei in Harnburg ohnehin sehr dürftig (?), folglich wäre es ungerecht , denselben noch durch die Juden schmälern zu lassen. Ebendaselbst wurde 1843 und 1844 gegen Rath¬ und Bürgerschaft losgezogen, weil, sie durch den Rath¬ und Bürgerbeschluß von: 1. Deebr. 1842 den Juden die Erlaubniß gegeben hatten, sich an jeder beliebigen Stelle in: Stadt- und Landgebiet niederzulassen und Grundstücke unter eigenem Namen zu erwerben. Hamburg müsse dabei zu Grunde gehen; der ganze christliche Mittelstand, der altreichsstädtische Hamburger Bürger werde ruinirt werden; jeder Jude werde Hausbesitzer werden; es sei dem Senat nur um einen -finanziellen Coup zu thun gewesen, darum habe er alte Rücksicht auf das Recht (?) der Bürgerschaft aus den Augen gesetzt. Aber hat man denn schon ganz vergessen, daß es damals für die Behörde auch eine Roth und eine Nothwendigkeit gab, von der Pflicht der Gerechtigkeit gegen Alle gar nicht zu reden? Was wäre aus Hamburg ohne Heine geworden? — Jndeß die Juden haben, behauptet dasselbe Blatt im Januar 1845, sich beim Kaufe der veräußerlichen Grundstücke und Erben lässig gezeigt; sie ziehen es vor, die fertigen Gebäude den in Schulden geratenen christlichen Eigenthümern um einen Spottpreis abzujagen. Was hätten nun aber die Juden eigentlich thun sollen? Hätten sie den vierten Theil der Stadt erworben, so wäre es um die Bürgerschaft geschehen gewiesen; nun kaufen sie nicht eifrig genug, folglich versündigen sie sich abermals an Hamburg. Es ist die alte Sentenz: ,,Thut nichts, der Jude wird verbrannt", welches hier so sinnreich auf das abgebrannte und theilweise durch die Energie seiner jüdischen Einwohner wieder aufgcbaute Hamburg angewandt wird. — Es ist gut, eine solche Logik, wie man sie nur noch beim Angriffe auf Juden ungestraft und des Beifalls der Galleric gewiß zum Besten geben kann, offen darzulegen. Aber rnan geht oft noch weiter. Die Juden vermeiden es ängstlich, sich wiederum öffentlich über ihre gerechten Forderungen auszusprechen: sie schweigen mit deutscher Geduld und jüdisch-zäher Langmuth; sie nehmen sich nur die Freiheit, den schwachen Hoffnungsfunken, der von Preußen und anderwärts her auf ihre Sache und in ihre Nacht fällt, zu hüten; sehet da, heißt es bald darauf in einem Wochenblatte, die Inden fangen ihre Polemik gegen die Christen wieder an. Nennt man das nicht im gemeinen Leben reizen, aufhetzen, verleumde n, Jemanden Dinge i n di e S ch u h e sch i eben, an die er nicht gedacht, den Angegriffenen vor der Welt als Angreifer denunciren? Und will das'Alles nicht helfen, so ruft man die orthodoxen Juden herbei und stellt sie als Gegner der Emancipation dar. Run weiß freilich Jeder, daß, wenn das Ziel der politischen Freiheit ins Auge gefaßt wird, die kirchliche Scheidewand zwischen Altgläubigen 'und Rationalisten unter/ den Juden verschwindet; aber gesetzt auch, alle Orthodoxen wären dem Stillstände, alle Reformer den: Fortschritte im bürgerlichen, socialen und politischen Leben zugethan, was wäre damit gegen das Streben nach'Emancipation bewiesen? Nichts , durchaus nichts. Gesetzt, einige Freunde der Preßfreiheit, eines eben, so werthvollen und ebenso beharrlich verweigerten Gutes wie die Emancipation es nur irgend sein kann ■— beide sind in der deutschen Bundesakte gleich entschieden versprochen — sammelten bei den Hamburger Bürgern Unterschriften zu einer Petition an den Senat, in welcher dieser um Aufhebung der Censur angegangen werden soll. Würden nicht Viele ihre Unterschrift ihcilS ans Princip, theils aus Rücksicht auf ihre Vorgesetzten oder auS andern Gründen verweigern? Wie mm, wenn Jemand folgerte, weil unter 1000 Hamb. Bürgern nur 800 die Preßfreiheit wollen, dürfe man sie Alten vorenthalten nmd fei sie überhaupt etwas Unvernünftiges? — Sehet in Euren Spiegel, ihr lieben Leute, und wenn Ihr keine lange Nase sehet, so schafft Euch einen neuen Spiegel an, sintemal itnb alldiemäl Euer alter dann nothwendig blind sein muß. — Unsere Leser mögen es der verkehrten Welt und dem Fasching zu gut halten, wenn wir diesmal den Kommentar dem Texte vorausgehen liessen. Wir wollen nun mit einander den Text lesen, obwohl sich wenig Erbauliches erwarten läßt.—Die Oberalten sollen die Proposition des Senats für Erweiterung der Rechtsverhältnisse der Juden kürzlich verworfen haben. Die Oberalten zeigten sich hierin (die Stader-Zoll-Angelegenheit zeigte sie als Verbündete des Senats gegen das wohlverstandene Interesse der Bürgerschaft) als würdige Vertreter der Erbgesessenen, als lrilmnl pleliiZ. —- Die dritte Auflage der Mendelsfohn'schen Broschüre über Salomo:: Heine ist nun erschienen. Im Nach trage wird noch besonders auf die Unterstützung hingewiesen, welche der Verstorbene mittelbar der Knust und der Wissenschaft durch seine Freigebigkeit gegen die Jünger derselben leistete. — Auf den kurzen Oppenheim'schen Nekrolog des Dr. Gerfon (ein besonderer Abdruck ist unter den: Titel: „Erinnerung an Dr. Georg Hartog Gerson" bei Perthes-Besser und Mauke für 4 Sch. — 3 Ngr. zu haben) ist eine ausführliche Charakteristik des menschenfreundlichen, biedern und hochsinnigen Arztes erschienen. Ein jüngerer Kollege des Verstorbener:, Herr Dr. Unna, hat nämlich einen durch 5 Nummern des Hamb. Kor- resp. (27—31. Januar) laufenden Artikel unter der 8 *