Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 8 (19.12.1845)
- Date
- 1845-12-19
- Page
- Seite 58 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 58 — weise vorgetrager:, beut frühem antiqüirten Kol Nidre vor? — Neferertt mochte ferner, das Kaddisch-Gebet trauernder Sohne für das Andenken ihrer Eltern, kabbalistischen Ursprungs, ebenso eine Seelenfeier gänzlich abgeschafft. Wir können ihm nicht beistimmen; cs. liegt ja erstem: die weise tiefgedachte Idee zu Grunde, an eine sichtbare Verbilldnng des Jenseits mit dem Diesseits zu erinnern; den Kindern das Andenken ihrer Eltern heilig zu machen, nicht selten auch diese untereinander ,, wenn das Band der Geschwisterliebe locker zu werden droht, in der gemeinsame Gedächtnißfeier zu versöhnen. Ueberdies wie mancher kalter Indifferentest, der daS ganze Jahr hindurch sich weder nur Synagoge noch Gottesdienst kümmert, ward schon beirr: Kaddischsager: für geliebte Eltern von unaussprechlicher Wehrnuth imb Rührung bewegt und der kalte Marmor wieder vor: religiöser Wärme belebt. "— Ebenso wenig finden wir die Seelenfeier entbehrlich.; Die Haupttendenz derselben zielt auf die öffentliche Erwähnung und dankbare Anerkennung irgend eines Stifters oder Gründers einer von.Vielen genossenen Wohlthat, eines Beförderers des gemeinen Besten. Und sollten nur wohl daS Andenken desjenigen, durch dessen Edelherzigkeit Arme Feuerung, Obdach, Heilung des Körpers und Bildung des Geistes empfangen, nicht Hochhalten und öffentlich segnen! nrrpb piä -DT* — Was könnte mehr zur Nachahmung entflammen, als in feierlicher Versammlung den Manen solcher großmüthiger Spender den Lohn der Seligkeit zu erstehen! —- Man vergebe dem Laien diese Aeußerung seiner subjektiven Meinung, gegenüber dem Laien; die dogmatische Begründung *) solcher Ritual-Sacher: stehen dem Forum des Rabbinats zu. Sehr verwundert waren wir über die unrichtige Behauptung des Berichterstatters, daß ,,der Sängcrchor den Vorbeter, aber nicht die Gemeinde vertreten müsse". Der Chorgesang ward im Ge gentheil von den eiu- *) Die Scheidungslinie, welche dieR.-V. zwischen Rabbinen und Laien aufzuführen versuchte, hat den Einsender obigen Aufsatzes schon veranlaßt, daß er dem Laien das Recht der dogmatischen Begründun g oder Bekämpfung der unerheblichsten Ritussache abspricht und solches nur für das geistliche Forum in Anspruch nimmt. Die Presse darf fürwahr keine Gelegenheit vorübergehen lassen, umhegen diese Hierarchischen Bestrebungen, die immer mehr Wurzel zu fassen scheinen, zu protestiren, wie es bereits Frankel in seiner Zeitschrift, in gründlicher wissenschaftlicher Erörterung gethan hat. Nicht die dogmatische Begründung , rufen wir daher dem Einsender zn, sondern höchstens die Ausführung und Anordnung gehört vor das Forum des Rabbinats, wenn solches im Bereiche seines Berufs liegt, d. h. wenn es von der Gemeinde hierzu berufen ist; die Theorie jedoch ist Keines ausschließliches Eigenthum. Ein großer Theil unserer anerkannten Autoritäten, wie z. B. Maimom'des, Nachmanides rr. m. A., waren keine „Männer im Amte" und verdankten nur ihrem Wissen das Ansehen, das sie bis zur Braunschweiger R.-V. erhielten. K—m. sichtsvollen Reformatoren des Wierrer-Knltus namentlich darum eingesührt," um theils die Gemeinde zn ersetzen, theits um Ordrlung und Harrnonie in ihre. Responsen zu bringen, aber auch um das nnzeitige Jntonircn und llnordnnngen aller Art zu verhüten. Schreiber dieses, und so viele Andere, die einige Zeit in Wien waren, müssen versichern, daß die Gemeinde daselbst, durch den Choralgesang so geregelt wurde und das und die tut Unisono so begeistert vorträgt, daß dadurch ein unbeschreiblicher Eindruck auf alle Artwesenden hervorgebracht wird. — Wenn Res. die Kompositionen eines. Sulzer in Wien ausgezeichnet schön nennt, und ihm die Melodie deutschep Cantater: misfällt, warum wird dessen Schir Zion hierin nicht zu Rathe gezogen; und geht dieses Jgnoriren so weit, daß der rir hw NDlv sogar vom Rabbiner reeitirt werden rnrrß! Welche Versündigrrng gegen dieser: herrlichen Gesang und der: Geist der Frömmigkeit, der ihn umweht. Eine rav rtap ohne diesen gleicht einer Speist ohne Würze3). Das Nerrinond-Verkii!rden nach Snlzefs Weise ist eine Perle mehr im Schrrmcke des SynagogeugesangeS; und Mustkkenner wollen wir nur auf die Nummern 2—4. 8. 11. 17. 33. 36—38. 51—53. 55—bl. 61—63. 65. 71. 73. 77. 89—91. 99. 107. 109. 120. 127. 128. 149-163. 155. 156. 158 aufmerksam machen, die nicht nur der künstlerischer: Tousetzung ■ als auch ihres urrerrrreßlichen Effektes wegen auf den Zuhörer, der: sie zrrr Artdacht und Gottergebenheit stimmen, als vorzüglich zu empfehlen sind. — Wir können zum Schtrrffe den Wunsch nicht unterdrücken, daß doch rrrarrche Rabbiner und Vorbeter mirrder egoistisch oder eigensinnig sein urögen, urrd den wahrhaft göttlichen Gesängen des Schir Zion rnit andern nicht vertauschen möchten; dann würdet: solche allgemeine Volksmelodim rverdcr:. Jakob M e n d e ls o h r:. Hcrmburg, 3. Febr. Zuerst ein Pröbchen von der Logik und Konsequenz eines hiesigen judenstindlichen, dabei gewaltig demokratisch dickthuender: Wochenblatts. 3) Bei dieser Veranlassung ist es nicht uninteressant, diese Piece etwas näher zu beschreiben. Die Einleitung geschieht durch ein Recitativ des Kantors in einfacher Weise, worauf der Chor unisono einfällt. Die Melodie ist erhebend, im Satze gut gehalten und schließt bei den Worten p“lNv üariirt in l und G Dur. — Das Recit. beginnt wieder, wird von dem Chore mit ein paar Takten unterbrochen und schließt mit Einfallen des Quartets, welches sich canoartig endigt. Dieses Recit., ganz im Kirchenstyle gehalten, ist ebenso schön in seiner Deklamation als sinnreich den Worten angemessen, und hat, gehörig vorgetragen, noch nie seine Wirkung auf das Gemüth verfehlt. Das Schlußchor mit Solo F dur in schönen Ue bergan gen von Duiin Moü. und zurück, endigt in G dur, wahrscheinlich mit Absicht um in die folgenden Noten, welche ebenfalls in derselben Tonart geschrieben, leichter einfallen zu können. —