Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 8 (19.12.1845)
- Date
- 1845-12-19
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. jüdische Geschichte und Literatur. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich Man abonnirt bei allen das Literaturblatt mitlöbl. Postämtern und Herausgegeben gerechnet, zwei Bogen, allen solid. Buchhand¬ und zwar an jedem lungen auf ein Jahr. von Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. 1845. Inhalt. Deutschland. Hohenems. Ueber Synagogal - Reform. Synagogengesang. Hamburg. Ein Hamburger TrödelblaLL. Vermischte Nachrichten. Rand egg. Rabbiner Schott über die Rabbinerversammlung. — Schweiz. Ein Beitrag aus der Schweiz zur neuern Geschichte des JudenLhums. — Das Gesetz über die Eide der Juden im Herzogthum Braunschweig. Von Dr. Pl). E h renb er g. (Fortsetzung.) — Personalchronik und Miscellen. Oberdorf. Statistisches. Marienwerder. Leipzig. Vom Rhein. Böhmen. — LB. d. Or. M 8. Leipzig, den 19. Februar Deutschland. Hohenems, 31. Jan. Wir haben mit Freude ans dem Aufsätze in Ar. 2 dieses Blattes über die Synagogal-Reformen zu Frankfurt a. M. entnommen, daß Herr Rabbiner Stein sein thätiges Wirken im Rabbinate mit dem Nöthigsten begonnen und eine Reform des Synagogen-Ritus eingefnhrt habe. Wahrlich es war an der Zeit, wenn Frauksurt, diese Almamater (dn nicht länger hinter ihren Töchtern Zurückbleiben wollte. Arlch unsere Synagoge richtete sich ehemals, wie viele andere, nach deren Ritus (JUDE)); allein seit mehreren Jahren schon besitzen wir, Dank sei es den Anordnungen des umsichtigen Rabbiners Hm. Ko hu, eine geregelte Synagogal-Versassnng, welche der ehemaligen Mutter zum Vormuster hätte dienen können. Wenn wir auch mit de)« Verfasser jenes Aufsatzes in den meisten geäußerten Allsichten ubereinstinunen, Eonncu wir dennoch nicht umhin, unsre abweichende Meinung über manchen, wichtigen Punkt offen darzulegen. Sehr richtig ist der (auch durch das Veto der Rabbiner - Versammlung zu Braunschweig sanktionirte) Ansspruch, „daß die hebräische Sprache, die der Synagoge bleiben müsse, und nur mit ernstem Willen unsrer Religionslehrer ihre frühere Allgemeillheit also wieder erlangen könnte, daß Keiner mehr klage, er müsse in einer unverständlichen Sprache beten" *). i) Was diesen Punkt betrifft, liefert die hiesige hebräi- / Wenn aber Referent behauptet, „deutsche Lieder imb Arien unterhalten, aber erbauen unb erheben nicht, man lausche auf die Töne aber nicht auf die. Worte", fo kömren wir diesem Urtheile nur bedingt beistimmen, nämlich tu Bezug auf profane Melodien und theatralische Gesänge; keineswegs aber in Beziehung auf Kompositionen von Kirchenliedern, und dies besonders vor und nach der Predigt, wo sie von ausnehmender Wirkung stlld * 2). Welcher Mann von Gefühl zöge nicht das beliebte Lied Stein'S: „O Tag des Herrn" in ergreifender Sangsche Schule unter der Führung des Lehrers Sulzer den glänzenden Beweis, was Fleiß und gute Methode zu leisten vermögen. Denn nicht nur daß Knaben, die häufig im 12. Jahre die Schule verlassen, die Grammatik verstehen und hebräische Aufsätze verfertigen, den Pentateuch, die Psalmen und die Sprüche Salomo's inne haben, übersetzen Mädchen dieses Alters das hebr. Gebetbuch, und diese todte Sprache hört unter solch' zweckmäßiger Behandlung auf, eine solche zu sein. — 2) Hierbei sind zu empfehlen: die in hiesiger Synagoge gebrauchten Predigtlieder (aus der Prager Partitur „der Herr ist Gott und keiner mehr"; ein zweites, aus dem Würtemberger Gesangbuche „In stiller Andacht"; beide in G Dur), welche von dem hiesigen trefflich eingeübten Chore unter der Leitung des talentvollen Kantors Hr. Reichenbach nichts zu wünschen übrig lassen. Besonders lobenswert!) ist der Fleiß dieses jungen Mannes, der mit Mühe und Ausdauer einen Sängerverein von Erwachsenen zur Verherrlichung des Gottesdienstes (nebst dem Zwecke des Frohsinns) bildete und mit großer Geschicklichkeit dirigirt. — 8