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Der Orient · 1845-02-12 · 7 (12.2.1845) · p. Spalte 107-108

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
7 (12.2.1845)
Date
1845-02-12
Page
Spalte 107-108 (sequence 6)
Language
German
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108 Kritiken. Die Protokolle der ersten Rabömerversammlung 107 im Stande sind, geschweige denn, da^ wir daraus den Schluß ziehen könnten/ die Bibel Lehre objektive Wahrheit. (Beschluß folgt.)!* Kritische Anmerkungen zu den Protokollen der ersten Ikabbmervcrfammlnng. (Fortsetzung.) Im letzten Paragraph wird'über die Gültigkeit dieser Statuten geredet, und'hinzugefugt: „Jedoch können von der zweiten für die folgenden (Versammlungen) Veränderungen beantragt und beschlossen werden". Daß dieses Recht nur der' zweiten Versammlung eingeräumt werden soll, erscheint vollkommen unbegreiflich, um so mehr, da es keiner folgenden Versammlung einfallen wird, sich durch'die formellen Beschlüsse einer früheren gebunden zu hatten. Die Verwahrung der HH. DD. Heß und Hold he im gegen diesen Passus ist ganz begründet, und zeigt, wenn auch sonst diese Protokolle davon Zeugniß ablegten, von dem gesunden praktischen Sinne beider Herren. Wir haben somit die Statuten der ersten Rabbinerversammlung Satz für Satz begleitet, und glauben, ihre Mangelhaftigkeit und Unhaltbarkeit nachgewiesen zu haben. Es zeigt sich deutlich, daß solche Arbeiten, bei denen die größte Genauigkeit im Detail erforderlichist, nicht die Aufgabe einer größeren Versammlung sind, man geht dabei nur auf den Gedanken ein, und nicht auf die Darstellung. Jeder macht sich nur für seinen Vorschlag, für sein Amendement verantwortlich, und gewiß hat Mancher sein Votum nur salva redactione abgegeben. Nothwendig also ist ein Gemisch, eine ungeordnete Masse daraus hervorgegangen, die zu.verarbeiten gewesen wäre, es hätte nach der Berathung der. gegebene Stoff an eine Redaktionskommission überwiesen werden,, und von dieser in eine einheitliche Form gebracht werden müssen. So wie sie vorliegen, scheinen uns die Statuten gänzlich unbrauchbar und bedürfen einer radikalen Umarbeitung von Seiten einer neuen Versammlung. Nach diesen vorbereitenden und einleitenden Verhandlungen ging die Versammlung zur Anhörung und Berathung von Anträgen über, von denen einige sogleich erledigt, andere an Kommissionen zur Berichterstattung im folgenden Jahre überwiesen worden sind. Wir werden auch diese' mit unseren Bemerkungen begleiten, jedoch erklären wir zum Voraus, daß wir auf den theologischen Inhalt uns nicht einlaffen, sonderst nur die logische Konsequenz und die äußere Zweckmäßigkeit ins Auge fassen. Der erste Antrag, der gleich in dieser Versammlung seine Erledigung fand, war der des Dr. Phulippson, betreffend die von Seiten der Versammlung zu ertheilende Bestätigung der Antworten, welche von dem Pariser Sanhedrin im Jahre 1807 auf die von Napoleon demselben vorgelegLen Fragen gegeben wurden. — Der Gegenstand ist von hohem, allgemeinem Interesse, und die Versammlung ernennt eine Kommission, deren Bericht bereits in der neunten Sitzung abgestattet. wird fp. 63 ff.). Diese Kommission begnügt sich nicht mit einer einfachen Bestätigung der Antworten, sondern beantragt noch Zusätze und Einschaltungen, die von selbstständiger Durchdenkung und Durcharbeitung des Stoffes zeugen. Wir wollen im Detail darüber berichten. Die Protokolle, oder vielmehr der Vortrag des Herrn Dr. Philippson, der in der Anlage in extenso mitgetheilt wird, geben die Antworten des Sanhedrin nur ganz im Allgemeinen, wodurch für diejenigen Leser, welche die Aktenstücke (Hamburg 1806. ".) nicht zur Hand haben, mitunter einige Undeutlichkeit entsteht. Bei der ersten Frage: D ürfen die Juden mehrere Frauen Heirathen? war die ursprüngliche Antwort: (Aktenst. p. 149. Es ist ihnen nicht erlaubt — p. 150 Gültigkeit verschafft.) Die Kommission fügt hinzu: „Sie ist im Wesen mit der verneinenden Antwort einverstanden. Nur bemerkt sie hierbei: Jener Synodalbeschluß (auf welchen die Sanhedrin sich berufen), würde für die Gesammtheit keine Verpflichtung haben gewinnen können-, wenn die eurepäischen Sitten, an welche dem Judenthum gemäß seine Bekenner sich gerne anschließen, nicht bereits die Polygamie als etwas dem Leben civitisirter Völker Entgegenstehendes und darum als unstatthaft erkannt hätten.' Wir halten diesen Zusatz nicht für glücklich. Erleidet an Unklarheit, und wir würden ihn ohne die erläuternden Worte Holdheim's kaum verstanden haben. Die Grundsätze aber, die H. dabei ausspricht, sind so weit umfassend, daß sie einer ausführlicheren Darlegung wohl bedurft hätten. Hold heim sagt nämlich: >,Das, was nach unbefangener, besonnener Kritik dem heutigen religiösen Bewußtsein widerspricht, har keine -Autorität. „Wir haben nur zu prüfen, ob jene Aussprüche im rabbinischen Judenthum begründet sind, denn wir dürfen nur da über den Talmud hinausgehen, wo das Bewußtsein der Zeit schon über ihn hinausgegangen ist." So klar der erste Satz ist, so wenig deutlich ist uns der zweite. Bei einem Mann wie HoLdheim, der sich nicht scheut, einen Gedanken bis ans Ende auszudenken und demnächst auch auszusprechen, dürfen mir keine Unklarheit voraussetzen, es ist also wohl hier eine Mangelhaftigkeit der Auffassung im Protokoll anzunehmen, die bei Debatten dieser Art nur durch Stenographen vermieden werden könnte. Wir wollen daher den zweiten Theil dieser Erklärung auf sich beruhen lassen, und zweifeln nicht, daß der rüstige Kämpfer auf dem Schlachtfelde der Zeit schon eine Gelegenheit.finden

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