Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 7 (12.2.1845)
- Date
- 1845-02-12
- Page
- Spalte 103-104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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103 Studien. Spinoza und Mainuni über Autorität und Erklärung der Bibel. 104 heit des Menschen-Geschlechts von der P ersönlichkei L eines Individuums bedingt fd. — (Fortsetzung folgt.) Heber Autorität und Erklärung der Bibel. Eine vielleicht zeitgemäße Erörterung, mit Rücksichtauf Spinoza und Maimonides. (Fortsetzung.) Aber abgesehen von allein diesem, sagt Maimonides ganz ausdrücklich, daß er im Stande sei, die Bibel zu erklären, wenn er auch für die Sache keinen Beweis hat, und daß als-, dann der buchstäbliche Sinn für den einzig wahren gelten muß. Denn eben in diesem Abschnitt heißt es: ybtf HOH p niDDD “iNarv ibw ON'VIVM D'oiron pi bN , bo nj> b djdn m Ninn njnn n^i rbi toj njnn nr n1?. „So lange wir weder für noch gegen eine Sache einen evidenten Beweis haben, kehren wir uns an keine Ansicht, sondern bleiben beim buchstäblichen Sinn", nicht aber, wie unser Verfasser meint, daß man alsdann nicht wisse, ob der buchstäbliche Sinn der wahre oder der falsche sei, gerade das Gegentheil, alsdann sind wir vollkommen vom buchstäblichen Sinn der Bibel überzeugt, und es kann Niemanden in der Welt einsallen wollen, dem buchstäblichen Sinn eine, andere Wendung zu geben. Was nun vollends Offenbarung und Wunder betrifft,, welche den größten Theil der Schrift ausmachen, so haben wir schon gezeigt, daß Maimonides den wahren Sinn'der Schrift wohl wußte, wenn er, auch die Wahrheit der Sache aus der Vernunft nicht herzuteiten im Stande war, nicht aber, wie unser Verfaffer meint, daß er zur Erklärung dieser Stellen ein übernatürliches Licht bedurfte, weil er die Wahrheit der Sachen aus dem natürlichen Lichte der Vernunft nichts tzerleiten konnte. Uebrigens steht diese Behauptung von einem übernatürlichen Lichte zur Erklärung der Schrift gerade im direkten Widerspruch mit der von unserem Verfaffer dem Maimonides zu Grunde gelegten Ansicht. Denn wenn man zur Erklärung der heiligen Schrift eines übernatürlichen Lichtes bedürft, so läßt sich um so weniger begreifen, daß man sogleich nach anerkannter Wahrheit der Sache aus dem natürlichen-Lichte der.Vernunft den wahren Sinn der Schrift herauszusinden wissen sollte, da man doch hierzu eines übernatürlichen Lichtes bedarf. Oder kennt etwa unser Verfaffer den innern Zusammenhang des natürlichen und übernatürlichen Lichtes so genau, daß er weiß, daß das Resultat des übernatürlichen Lichtes in Bezug auf die Schrift immer übereinstimmen muß mit dem des natürlichen in Bezug auf die Sache? Nun so mochte man wohl auch von demjenigen. der die Eigenschaften des übernatürlichen Lichtes und den Zusammenhang desselben mit dem natürlichen so genau zu kennen vorgiebt, dasselbe behaupten, was unser Verfaffer überhaupt von demjenigen urtheilt, welcher ein übernatürliches Licht zur Erklärung der Bibel bedarf. ,,Q,ni lumen supernaturale quaerunt, ad mentem Prophetarum et Apostoloruni intelligendaiu, ii sane lumine naturali in (tigere videntur“. Ferner steht diese Behauptung von einem übernatürlichen Achte zur Erklärung der-Schrift geradezu mit der folgenden im Widerspruch, daß das Volk nur die Schrift auf Autorität der Philosophen würde annehmen müssen; denn wie soll der Philosoph, der Alles nach dem natürlichen Lichte der Vernunft untersucht und entschieden wissen will, und nicht im Geringsten nach der Kenntniß eines andern übernatürlichen Lichtes strebt, ohne Weiteres zur Kennlniß desselben gelangen? Noch viel weniger läßt sich aus dem Grunde begreifen, daß der Philosoph unfehlbar in der Auslegung der Bibel wäre. Gesetzt aber auch, man bedürft keines übernatürlichen Lichtes zur Erklärung der Bibel, so läßt sich denn doch nicht begreifen, wie man dem Philosophen Unfehlbarkeit in der Auslegung der heiligen Schrift Zutrauen soll? Meint etwa unser Verfasser, da, nachher von ihm dem Maimonides zu Grunde gelegten Ansicht, der wahre Sinn der Schrift erst nur dann zu ermitteln sei, wenn man mit der Sache völlig im Reinen ist, den Philosophen, die doch wohl in Bezug auf die Sache unfehlbar wären, nothwendig auch die Unfehlbarkeit in der Erklärung der heiligen Schrift einzuräumen ist, da dieselbe aus der Unfehlbarkeit in Btzug auf die Sache nothwendig folgt? Aber dazu braucht man eben kein Philosoph zu sein, um sich von der Fehlbarkeit der Philosophen in Bezug auf die Sache zu überzeugen. Ja läge dieselbe uns nicht offenbar so mannigfach vor Augen, so ließe sie sich aus eben dieser Stelle unseres Verfassers erweisen, da ec selbst, auch ein Philosoph, hier offenbar geirrt habe. Wenn aber unser Verfaffer meint, man darf in der Bibel auf keine Weise vom buchstäblichen Sinn abweichen, so sehr die Vernunft gegen die Sache protestirt, so kann ich mich nicht genug wundern (abgesehen davon, daß er selbst klctus, fides, bei Paulus in cognitio und bei Iacobus und Johannes in observatio verwandeln will), daß er mit dem Maimonides gerade nach entgegengesetzten Grundsätzen verfährt, und wiewohl dieser offenbar sich ganz der Vernunft gemäß auespricht, er dennoch demselben ungeräumte und einander widersprechende Ansichten zum Grunde legt. Will er vielleicht die Meinung ungenannter Autoren bekämpfen, so sehe ich nicht ein, warum gerade Maiwonides hier. zur Zielscheibe gewählt und als Repräsentant der widersprechendsten Meinungen dargestellt werden soll, die derselbe offenbar in allen seinen Werken, als auch in eben der angeführten Stelle bestreitet. Doch genug hiervon. Wir gehen nun zum zweiten, Theil unserer Abhandlung über, nämlich zur Darstellung und Begründung der Meinung des Maimonides. Die Meinung des Maimonides, so wie derselbe sie allent-