Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 6 (5.2.1845)
- Date
- 1845-02-05
- Page
- Spalte 89-90 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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90 89 Studien. Hebräisch-französ. Volkslied, von A. Ink. Form, den wir den relativen Genetiv nennen wollen, sondern gerade der konstruktive. So hat, um nur eine Übersicht zu gewähren, der Abschnitt Abot, den Genetiv auf etwa 16mal, ebenso vielmal nur Chulin, während der Konstruktivus unzähtigemal in dem weitesten Gebrauch vorkommt. Wollte man tiefer eingehen, so würden sich ganz konstante Regeln ergeben, wonach die eine oder die andere Genitivform gebraucht wird, was hier natürlich zu weit führen würde. §. 23 ist den Partikeln gewidmet und dieser ist gerade am dürftigsten ausgegangem Wir erfahren nur etwas über die drei Partikeln *■), I und man sollte daraus also schließen, daß in allem Uebrigen keine Differenzen zwischen dem Mischnäischen und Biblischen existiren. Dem ist aber nicht so, denn gerade in diesem Punkt differirt die Mschnasprache am weitesten vom Wibelstyl und gerade durch die verschiedene Formation der Partikeln erhält sie ein ganz eigenes Kolorit. Wir wollen hier einige frappante Beispiele anführen. — 1) Die meisten Konjunktionspartikeln haben das schmiegsame w nach sich, ungefähr wie der Aramäismus sein % und nicht nur diejenigen, welche im biblischen nach sich haben. Z. B. WHW IN, b'OttO, damit, - - tfif nachdem, - 0 pn als, wenn; ebenso wird das relativ gebrauchte ^mit^ konstruirt, welches in der Bibel nur interrogativ zu finden ist, •fVD (vergleiche hierzu Kohelet, 9, 4).— 2) Bildungen neuer Partikeln. mit bildet eine sehr bequeme Präposition, si n e, ohne, ohne Erlaubniß, miED ohne Gefälligkeit, psra oder pir6 t&W ohne Einstimmung, ohne sein Wissen. — mit wo die negative Bedeutung des ttO — lx> durchschimmert, damit nicht. — Präpositionen aus di# und DU2/ — „pertitulum, sub titulo, wegen, im Betreff". Die Bedeutung des d hat der Verfasser nicht tief genug erfaßt, es hat nämlich in der Mischna eine dämpfende mitigirende Bedeutung erhalten gleich quasi: 'foto ist ganz das quasi, rp, ^{sTD, so quasi possibile, wenn von anscheinend anthropomorphistischen Handlungen in Bezug auf Gott gesprochen wird. Zu pfcp — artig, gehört pp, pJD wie die Farbe — farbig, auch pyo. Ebenso unvollständig und dürftig ist der §♦ 24 und letzte, über die Syntax gerathen, wiewohl hier ebenfalls die Divergenz vom Nachbiblischen zum Biblischen stark hervortritt, so ist doch kaum das Allernächste und Augenfällige berührt worden. So z. B. über die Temporalsätze, mit denen aber das konditionale Moment verwebt ist, welche durch Verbindung des fügsamen t# mit den Formalkonsonannten D oder d und b gebildet werden, a) mit tfDptwb piNttO (CPtth V.), wenn ich dahin gelangen werde, so *“|VP wenn er ihr den Scheidebrief giebt, dann — — b) mit q. njin» pDDill hndid hzpn ppdn, der Dolch wird verunremigungsfähig, sobald — c) mit D und 'bHN NUfitSO1?, wenn du zu mir kommen wirst-. Dann die eigentümlich und divergent ausgebildeten kopulativen Satzverbindungen r a) durch tin-ii-in nmn nnNi srn-nnN, sowohl der Mann als die Frau, b) durch ]»Y";n. -)DN ]D "Iw |n, sowohl fehlend als überschüßig. c) durch p-pD. Endlich die Komparativsätze *p-DBO so wie — so auch, oder rjy-riD so wie — eben so. — So könnten viele Momente gehäuft werden, wenn es nicht die Grenzen einer Recension überschritte. Die nachgewiesenen Jrrthümer und Lückenhaftigkeit dieser Arbeit genügen jedoch das Resultat festzustellen, daß von Wissenschaftlichkeit und Beherrschung des Stoffes auch keine Spur zu finden ist. Der gedoppelte Zweck, den der Vers, im Vorworte ausspricht, nämlich den praktischen für die angehenden Theologen, und den theoretischen für Förderung der Sprachwissenschaft, wird wohl als mislungen betrachtet werden müssen. Es müßte schon sehr schlimm mit der jüdischen Theologie stehen, wenn ihre Jünger sich das Verständniß des talmudischen Literaturcyklus aus dieser Arbeit holen sollten. Indessen kann die Flüchtigkeit dieses Lehrbuches in dem Umstande eine Entschuldigung finden, daß der Verfasser, wie im Vorworte angegeben ist, sich beeilt hat, dasselbe zu vollenden, um es der ersten Versammlung deutscher und ausländischer Orientalisten in Dresden vorzulegen. Schließlich muß es noch ausgesprochen werden, daß jedenfalls der Versuch, das Interesse für die verwaiste, und bei einer gewissen Partei in Miskredit gerathene talmudische Literatur anzuregen, die vollste Anerkennung verdient. Die äußere Ausstattung, Papier, Typen und Korrektur lassen nichts zu wünschen übrig, was bei orientalischen Lettern sehr hoch anzuschlagen ist. Gr ätz. Literarische Analekte«. Aebersetzrmg und Umschreibung des von Herrn Asher mitgetheilten (Or. 1844, 733) hebrärfch-franzöfis schon Volksliedes. Von A, Ink. Ich habe absichtlich nicht „proven^alisch" gesetzt, weil Wörter wie pp#yv), (ciascun, man, sor cliacun, Main, soir) und Formen wie nQNttf (dina, sapa dine5 soupe) einen romanisirenden patois verrathen. Zugleich bemerke ich, daß die richtige Anordnung des Liedes die folgendex) und daß der Verfasser desselben, dem Akrostich zufolge, vdT)D ist. Masbia le-col chai: Tant que avien licor gai Naschira; Ciascun son nom bandira 1) Diese-Anordnung, welche die Form des Gedichtes herstellt, diente mir auch als Kriterium für die richtige Umschreibung.