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Der Orient · 1845-02-05 · Heft 6 (5.2.1845) · p. Seite 46

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 6 (5.2.1845)
Date
1845-02-05
Page
Seite 46 (sequence 11)
Language
German
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46 daß gerade der jüdische Bücherhandler sich dazu aus dem widerlichsten Eigennutze hergiebt. Es ist doppelt schmachvoll, da geradeste, ohne ihr kaufmännisches Interesse wie die Lausend anderen Bücherhändler zu beeinträchtigen, als Muster der Betheiligung an Deutschlands Entwickelung dastehen sollten. O e st e r r e i ch. Von der böhmischen Grenze, 22. Januar. Die wenigen israelitischen Volks- und Schulbücher, welche Oesterreich im Ganzen Liefert, selbst wenn man die von den Hauptpressen nachgedruckten veralteten Schulbücher mitrechnet, veranlaßt mich, hier über ein etwas bedeutsameres Erbauungsbuch einen kurzen Bericht abzustatten. Den 20. Juni v. I. veröffentlichte der etbogner und saazer Kreisrabbiuer S alom o n Sa ch s in Lichtenstadt einen . Prospektus und Einladung zur Subskription auf eine Volksbibel als Erbannngs- und Belehrungsbuch für Israeliten, worin ,,1. die möglichst wortgetreue und allgemein verständliche, deutsche Uebersetzung deö Urte.rtes , und eine in den besten Kommentarim begründete Erklärung, aller dunkeln, schwierigen und auffallenden Stellen. 2. Erbauliche und belehrende Betrachtungen, die nach jeden: Abschnitte folgen, und auf die in demselben enthaltenen Gegenstände sich beziehen, mit nützlichen Allwendungen auf die Verhältnisse des menschlichen Lebens. 3. Die kurze Geschichte der Entwickelung eines jeden noch heute gebräuchlichen Gebotes (an der Stelle, wo es vorkommt, in der Anmerkung) wie cs zu dem Umfange gekommen, unter dein wir es jetzt beobachten. Endlich 4. mehre moralische Lehrsätze uub Erzählungen aus den beiden Talmuden und den Midraschim, die in der Anmerkung, jeder passenden Stelle der Schrift beigefügt werde::. Um aber sowohl mir die Arbeit, als der unbemittelte:: Klasse die Anschaffung dieses Werkes möglichst zu erleichtern, sott es in monatlichen Lieferungen von je 2-—3 Bogen erscheinen, was zugleich den Vortheil gewährt, daß dasselbe 1. durch die, während der Herausgabe eingeholten Urtheile sachverständiger Männer, nach den wohlmeinendsten und wohlbegründetesten Vorschlägen verbessert; 2. von den verehrten Abnehmern von Monat zu Monat um so gewisser und mit mehr Aufmerksamkeit wird durchgelesen und durchdacht werden können. Der Preis einer jeden Lieferung ist auf 6 kr. E. M. festgesetzt, und die Subskription verpflichtet zur Abnahme auf ein ganzes Jahr." — Nun ist der erste Band in Prag bei M. I. Landau bereits erschienen und hat einen so bedeutenden Anklang in: Böhmenlande gefunden, daß die erste Auflage fast ganz vergriffen ist. Für das Ausland aber möge noch folgende Bemerkung nöthig sein. Diese Volksbibel, etwa in der Weise der Dinterscheu Schullehrer- Bibel bearbeitet, nur dieser bedeutend nachstehend, hat für anßerösterreichische Gemeinden kein Interesse, da sie treffliche Bibelübersetzungen und zahlreiche gute Erbannngsbücher haben. A::ch ist der Prager Druck wie überhaupt die Ausstattung gar nicht empfehlend und die reißende Abnahme ist nur daraus zu erklären, daß in Oesterreich das Einfuhren fternder hebräischer Bücher streng verboten ist. Ich will aber damit keineswegs sagen, daß die Arbeit des Hrn. S. ohne Werth sei, daß er nicht zuweilen trefflich übersetzt, was von einem gründlichen exegetischen Studium zeigt, sondern der wissenschaftliche Standpunkt außerhalb Oesterreich ist weiter. Mährische Grenze, im Januar. Einige vakant gewordene-Rabbinate eröffnen uns die Aussicht auf eine bessere Gestaltung des mährischen RabbinenthumS. Zwar müssen wir es an unfern Rabbiuer: rühmen, daß sie über alle Rabbiner Deutschlands auf talmudischcm Felde den Sieg davon tragen, wie überhaupt eine tüchtige talruudische Bildung eine gewöhnliche Erscheinung unter uns ist und wir über die deutschen Stiergefechte nur lächeln müssen; so ist es doch nicht zu läugneu, daß wir tüchtig philosophisch gebildeter Männer an der Spitze unserer Gemeinden bedürfen. Die eigentliche Philosophie ist zwar erilirt aus -unfern Staaten und begnügt sich bei uns, den Bettelnden einige trockene Brosamen mit abgewandtem Gesichte hinznwersen, doch ist selbst die Staatsphilosophie für uns vorläufig hinreichend. L o m n i tz und A u s se e (durch der: Tod des Rabbiners Pollak) sind vakant und sotten mit gebildctcu Rabbium besetzt werden. Lornnitz soll bereits Hrn. J o s e f W e i ß e, einen vortheithaft bekannten Gelehrten, gewählt haben, und in Anffee schwankt man. zwischen. Hrn. L. Singer, einem an der Prager Universität gebildeten Rabbiuatskandidater:, der zugleich gediegene Talmudkenntnisse besitzt, und einer:: Gelehrter: des atteinseligmachcnden Talmuds. Den: Parteigeiste wird hier eine neue Arena geöffnet werden; Jntriguer: und Kabbelten, die Trabanten der Finsterniß, werden ihr Schlangengift ausstreuen; doch die Anforderungen der Zeit sind 'felsenfest und ruan muß ihnen nachgeben. Mögen die neuen Rabbiner, wer sie auch immer sein mögen, nicht in die Fußtapseu des jüdisch-deutschen Psaffcnthums treten und nicht daS Käppchen für eine Krone und die Kutte für einen Purpurmantel ansthen. Der Rabbiner soll belehren, nicht aber herrschen; er sott seine Ansichten vertheidigen, sic aber nicht ansdringeu. Es giebt k ein P f a s s c n t h u in i::: I u dent h u m! M o r i tz. Proßnitz, Januar. (E r k (ä r u u g d e s H e r r n R a b b i u er F a ss e l *). -— — In einer Zuschrift vom 26. Oktbr. 1844 hat mein lvürdigcr A:::tsbr::dn Herr Dr. Frankel, nur das Blatt Itr. 50 des „Jsr.. des 19. Jahrhunderts^ zngeschickt, und hinweisend ans die ') Aus einem Privatschreiben. Red.

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