Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1845)
- Date
- 1845-02-05
- Page
- Seite 45 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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45 neuentstandenen homiletischen, pädagogischen und Reformliteratur, zu der jüdischen Journalistik und zur Entstehung einer Kritik und' einer Wissenschaft des Judenthums haben keine Judenbücherhändler auch nur im Entferntesten beigetragen, und man war schon überglücklich und zufrieden, wenn sie nicht gerade entgegen wirkten. Kein Juden-Bücherhändler nahm die „Sulamir" und „Jedidja", keiner. Rießers „Juden," Philippson's „Allgemeine Zeitung des Judenthums," Heß's „Israeliten des neunzehnten Jahrhunderts," Geiger's „wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie," keiner die Schriften Salomon's, Herxheimers, Kley's, Jost's;, Zunz's, Frankens und Anderer im Verlag, und wenn sie auch nicht gerade diesem jüdischen Schrifthume der neuesten Zeit, dessen die Israeliten wahrlich sich nicht zu schämen haben, direkt entgegen wirkten, so haben sie doch nur zu oft als Sortimenthändler eine Abneigung dagegen gezeigt, die längst eine öffentliche Rüge verdient hätte. Es wäre aber höchst ungerecht, wenn man diesen faktischen Widerwillen der jüdischen Bücherhändler gegen Erzeugnisse der Juden und des Judenthums blos dem Wuchergeiste und dem Eigennütze zuschreiben wollte. Wohl mag mancher jüdische Bücherhändler vom Verlage dieses oder jenes jüdischen Werkes aus dem Grunde abgestanden haben, weil er nicht genug dabei gewinnen, sein Geld nicht dabei zehnfach zu vergrößern glaubte, wohl mag mancher zu dummköpfig und sinnesbeschränkt sein, um zu wissen, daß solche Erzeugnisse der Juden und des Judentums, wie etwa die oben genannten, so ihr großes Publikum haben, daß viele derselben mehrere Auflagen erleben; im Ganzen jedoch läßt sich von einem jüdischen berechnenden Kaufmann eine solche Beschränkheit gegen sein Interesse nicht denken, und diese tragikomische Erscheinung könnte wohl eher der aufgeklärt sein sollenden Judenantipathie zugeschrieben werden. Die jüdischen Schriftsteller können übrigens den jüdischen Bücherdändlern diese ihre Lächerlichkeit verzeihen, da sie um Verleger bei ihren christlichen Mitbrüdern nicht in Verlegenheit sind. Haben sie christliche Verleger gefunden zu einer Zeit, wo ihre Erzeugnisse in Form und wissenschaftlicher Durchbildung noch höchst mangelhaft waren, wo erst ein jüdisches Publikum zum Lesen solcher Schriften erzogen werden mußte, so werden sie gewiß solche mach zwei Jahrzehnden wohl finden, wo bereits die Leselust auch beim jüdischen Publikum erwacht ist und die jüdischen Schriftsteller in Form und Inhalt den christlichen dreist sich zur Seite stellen können. Aber sie dürfen das Treiben und Verfahren der jüdischen Bücherhändler nicht ungerügt lassen, wo dieses unser Streben nach Emancipation, nach einem Aufgehen in dem deutschen' Leben, befleckt und schändet, wo dieses einen gerechten Widerwillen Hervorrust, und den gebildeten Vaterlandsgenoffen den Glauben aufzwingt, daß der schmutzigste Eigennutz, der widerlichste Schachergeist und der Mangel an Ehrenhaftigkeit die jüdischen Bücherhändler beseelt. Wir Schriftsteller haben um so mehr zu einer solchen Rüge das vollkommene Recht, als wir seit einem Vierteljahrhundert muthig und unverdrossen um die Emancipation ringen und kämpfen, als wir es sind, die seit 25 Jahren die Kammern des konstitutionellen Deutschlands mit Petitionen bestürmen, um die Ketten der jüdischen Deutschen zu zertrümern, als wir es sind, die durch die Macht der Rede und die Gewa.lt des gedruckten Wortes, durch Association zur innern Emancipation, durch Ackerbau- und Handwekervereine, durch Umgestaltung der Synagoge und der Schule, durch Reform des Ceremoniells und durch Heraufbeschwörung einer jüdischen Literaturkenntniß die neueste Zeit gestalteten, wozu die jüdischen Bücherhändler nicht das Geringste, das Entfernteste beigetragen. Die jüdischen Bücherhändler wollen vom Judenthume und Juden nichts wissen, wollen blos deutsche Bücherhändler sein, gut, man möge es ihnen hingehen lassen; aber dann sollen sie es sein mit jenem Gefühle für Ehrenhaftigkeit, mit jenem höheren Sinn für deutsche Gesittung und Bildung, für deutsche Wissenschaft und nationale Institutionen, wie die tausend christlichen Bücherhändler Deutschlands es sind. Wie die Juden den Bücherhandel bis jetzt betreiben, so ist er, wenn man einige sehr ehrenwerthe Handlungen, wie M. Beit und Comp, in Berlin und mehrere Andere, ausnimmt, eine Schmach für unsere Glaubensgenossen und ein gerechtes Aergerniß den Christen, sie sind nichts als Hausirer und wuchernde Krämer, die am liebsten in widerlicher Insolenz wie die Trödler nach Laune den Preis fixeren. Ihr kennt sie sehen, wie sie herumgatternd und spionirend herumreisen, in Berlin, Leipzig, Breslau, Frankfurt u. s. w., um verlegene Verlagsartikel, wie um abgelegte Kleidungsstücke, in Masse aufzukaufen, den Mist aus allen Winkeln Deutschlands zusammenzusuchen, und hausirend und trödelnd, in eigener Person und durch Reisende, dann nach hundertfachem Gewinne verwerthen. Mistausführer, Hausirer und Trödler sind freilich brauchbare Mitglieder der Gesellschaft, aber zudem ehren-, vollen Berufe eines Bücherhändlers gehören sie nicht. Ihr kennt sie sehen, wie sie gleich den Raben von dem Lerchengeruch angezogen, auf abgestorbene und verunglückte Verlagsspekulation lauern, um die Tobten dann nochmals unter die Lebenden zu bringen, wobei es ihnen freilich nie um die Tobten, sondern um die Lebenden, die ihren Seckel füllen sollen, zu thun ist. Ihr kennt sie sehen, wie sie, nie eine Verlagsunternehmung wagend, nie ein gutes Werk fördernd, nie an Wissenschaft oder Kunst, an Bestrebungen der Gegenwart sich betheiligend, nie einen Schriftsteller ermunternd, nie weder den Fortschritt noch den Rückschritt unterstützend, so ganz von dem niedrigsten. Schachergeiste beseelt sind, daß es dem christlichen Bücherhändler nicht zu verargen ist, wenn er sich mit Ekel und Widerwillen von diesen unwürdigen Genossen wegwendet, und nur dann sie der Anrede und des Zuspruchs würdigt, wenn er sein Lager von dem Schmutze reinigen will. Die großen Verlagshandlungen brauchen freilich von Zeit zu Zeit solcher Aufräumer, wie man etwa von Zeit zu Zeit abgelegte Wäsche u. dgl. gern weggeschafft wissen will; wohl hört man da sagen: der Frankfurter Jude wird kommen und lchon auftäumen, aber es ist schmachvoll und entwürdigend,