Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1845)
- Date
- 1845-02-05
- Page
- Seite 44 (sequence 7)
- Language
- German
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Gegenstand hoffentlich zur Besprechung auf den Provinziallandtag bringen werde. Der zweite Grund ist die niedrige und widrige Kulturstufe, auf welcher diese zu Gutsbesitzern verkörperten Geldsäcke stehen. .Es sind die widerlichsten^ Karrikaturen unter den Juden selbst, an welche der so schöne Aufschwung der Juden neuester Zeit, jene edle und von alten Freunden Deutschlands mit Freuden begrüßte Setbstemaneipation, kaum vorbeigestreift. Unter allen findet sich keiner, dessen Bildung und Lebensart über den Kreis eines Pack'juden hinausginge, und wollte Gott, er hätte wenigstens jene Biederkeit und Gutmüthigkeit, die den armen Inden Schlesiens anszeichnet. Noch habe ich keinen jüdischen Gutsbesitzer Schlesiens gesehen, der ordentlich lesen und schreiben kann, geschweige der für die edlen gesellschaftlichen Formen, für alle Bestrebungen der Zeit, für Kunst oder Wissenschaft, Sinn hat, der eine Liebe zu seinem Vaterlande, für seinen Heerd, ja nicht einmal zu seiner Religion und ihren Genossen. Darum haben wir die tiefste Abneigung gegen die jüdischen Gutsbesitzer, was Sie gewiß natürlich finden.werden, und ich gebe Ihnen die Versicherung, daß ich und viele Freunde der freien Entwickelung, das Wohl der Juden eben so wünschen, als wir diese Karrikaturen verachten. von O—f. Frankfurt a M., 20. Januar. Die süddeutschen Bücherhändler haben sich hier auf eine kurze Zeit versammelt und dann fort begeben, um den süddeutschen Bücherhandel, getrennt vom norddeutschen zu konsolidiren, die jüdischen Bücherhündler nehmen an diesen Bewegungen keinen Antheil, oder vielmehr richtiger, sie werden zur Betheiligung nicht zugelassen, weil man sie blos für Antiquare hält. Unsere christlichen Bücherhändler sind bei unserem Senate um Korporationsrechte eingekommen; die jüdischen Bücherhändler haben eine Petition eingereicht, die auf das Gegentheil hinausläuft, und man kann es ihnen nicht verargen, da sie wohl fühlen, daß nach einer Durchsetzung dieses Gesetzes der Gegensatz und die Feindschaft gegen sie sich noch mehr geltend machen würde. Der Senat hat noch vorläufig beanstandet, auf die Korporationsrechte emzugehen, man glaubt aber allgemein, daß es endlich doch geschehen werde, wenn die Bücherhändler ihre Petitionen gehörig motiviren werden, und dann mögen die jüdischen Bücherhändler zusehen,wie sie mit den Korporirten fertig werden. Es scheint in der That sehr gut, das mißliche Verhältnis der jüdischen Bücherhändler zu den christlichen naher zu beleuchten, nicht nur deshalb, weil dieses Thema schon zu oft der Gegenstand der bittersten Polemik war, sondern weil es ein bedauerlicher Moment mit in der großen Zeitfrage der Emancipation ist und man oft genug dieses Verhältnis als gegen die Emancipation heranbringen hört. Und gerade in einem den jüdischen Verhältnissen ausschließlich gewidmeten Blatte erscheint die Besprechung nothwendig, damit man uns nicht einer konfessionellen Parteilichkeit, eines unverzeihlichen Verdeckens der jüdischen Unarten in unserer Mitte beschuldige, welchen Vorwurf so manches jüdische Blatt ünbedachtsamer 'Weise sich wirklich aufgebürdet. —- Der jüdische Bücherhändler und Verleger, wenn er nicht zum gemeinen Krämer und Hausirer herabsinken, und mit den christlichen Bücherhändlern in gleicher Ehrenhaftigkeit da stehen will, kann einen doppelten Geschäftsweg einschlagen: entweder er bleibt in seinem konfessionellen Kreise stehen, da er sich der jüdischen Konfession nicht zu schämen hat, oder er tritt aus demselben hinaus und wird deutsch-national, wo das jüdische Element gar nicht mehr in Betracht kommt, und wo er für die Förderung deutsch-nationaler Literatur, für die Bildung und Erhebung des Vaterlandes und seiner Interessen seine kaufmännische Thätigkeit verwendet. In beiden Fällen stände ein jüdischer Verleger und Bücherhändler ehrenhaft und achtungswerth da, in beiden würde er die Achtung und Würdigung der christlichen Bücherhändler in vollem Maaße genießenz denn auch in der Verwendung seiner kaufmännischen Thätigkeit innerhalb des konfessionellen Kreises, in der Hinarbeitung auf sittliche Erhebung und Veredlung der Juden und des Judentums, Hilst er das deutsch-nationale Interesse, das Wohl unseres Vaterlandes fördern, da wir Israeliten in Deutschland einen Theit des deutschen Volkes ausmachen und unsere Reform- und EmancipaLionsfragen auch zu den wichtigen Fragen Deutschlands gehören, zu deren glücklicher Lösung, im Sinne des Fortschritts, Jeder von uns nach Kräften hinarbeitet. Die Einschlagung eines dritten Weges im Bücherhandel, überhaupt die Abweichung des jüdischen Bücherhändlers von dieser allem ehrenhaften Doppelbahn, führt zur Entwürdigung des Bücherhandels, zu seiner Entartung und lüderlichen Versumpfung, und verdient dann um so mehr die gerechteste Verabscheuung und Aechtung jedes wahrhaften Vaterlandsfreundes, als kein Handel und Geschäft durch Verkennung seiner edlen Zwecke und Tendenzen, durch Anbetung des höllischen Götzer des schmutzigen Eigennutzes, so allgemein verderblich wirke; kann, als der schlechte Bücherhandel und die durch ihn verar laßte wahrhaft schlechte Presse. Nun welche Bahn schlag.i die jüdischen Bücherhändler ein? Der Zutritt der Juden zur Bücherhandel ist bekanntlich kaum zwei Jahrzehnte alt. Kr Zudrang vieler jungen Leute zu den Studien nach dem Befreiungskriege einerseits, und die politische Hemmung doch Versagung von Stellungen im Staate andrerseits, fickten manche zum Bücherhandel, außerdem gesellten sich noch iazu Rouo's des Schulfaches, verunglückte Lehrer undNabbinejünger, und Alle gehörten ihrem äußern Wesen nach noch dtjenigen Periode, lächerlichen Angedenkens, an, die das naonaldeutsche Leben in der Fernhaltung jeder jüdischen Berhrung karrikirte. Daß nach solchen Voraussetzungen die joischen Bücherhändler nicht innerhalb des konfessionellen Krfts sich bewegten, daß sie einen wahren Horror und lächerlich Anti- . pathie gegen Alles, was Juden und Judenthum berührj hatten und noch haben, ist zwar komisch und lächerlich, aberöoch historisch erklärbar. Zu der Erhebung und Fortschretmg der Juden und des Judenthums seit zwanzig Jahren M seiner