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Der Orient · 1845-01-29 · Heft 5 (29.1.1845) · p. Seite 39

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 5 (29.1.1845)
Date
1845-01-29
Page
Seite 39 (sequence 13)
Language
German
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39 welches ja durch das (Talmud-) Studium schon zur Gewohnheit und selbst zur frommen Sitte geworden war und beim Beten noch eher als solche erscheinen mochte, weil das Gebet als Stellvertretung der Opfer galt — “iJUD n&DO Üpn nümpn — bei den Opfern aber das Hin- und Herwenden, die riD^ri/ sogar Vorschrift gewesen. Und konnte man namentlich beim Gebete das Schaukeln nicht auch als eine Manifestation der Andacht betrachten! Weilen nCGSO tt'Ä PUD wollte man vielleicht umgekehrt durch die Bewegung des Körpers gewissermaßen die Andächtigkeit bethätigen. Nach dieser unserer Betrachtung wäre das Schaukeln beim Studium die Mutter, das Schaukeln beim Beten die Tochter; das.Verhältniß mag indessen auch das umgekehrte sein, und das Schaukeln beim Beten, überhaupt heim Gottesdienste, schon im heiligen Tempel beim Opferdienste, wo das Volk den ganz müßigen Zuschauer machte, und wobei es zu Verbeugungen ohnehin Anlaß genug gab, seinen Anfang genommen haben. Die abweichenden Variationen des Schaukelns, daß nämlich die asiatischen und afrikanischen Juden von der Linken zur rechten Seite, die polnischen von vorn nach hinten und vice versa sich bewegen, mögen in ihrer abweichenden Ansicht von der speciellen Bedeutung der Sitte ihren Grund haben, hergenommen etwa von der scheinbaren Bewegung der Sonne, die den Bewohnern jener heißen, dem Aequator naher oder auch jenseits gelegenen Gegenden eine mehr südliche Richtung, von der Linken zur Rechten zu haben schien, während den mehr nördlichen Bewohnern, die ostwestliche Richtung die augenfälligere war. In dieser Beziehung kam Beiden für jene ihre gemeinschaftliche und abweichende Gewohnheit auch das inED ny!mW miDD 'n Dttf wohl zu Statten. Diese unsere Ansicht von der Entstehung des Schaukelns der Juden beim Beten und beim Studium des Talmuds läßt sich wohl über dieselbe Sitte auch bei andern asiatischen und afrikanischen Völkern, selbst bei europäischen, wie bei den heutigen Griechen *), durchführen. *) Als Zuschauer bei einem in der griechischen Kirche zu München abgehaltenen Gottesdienste, welchem die von der griechischen Nationalversammlung des Jahres 1833 (oder 1834)? an den damaligen Prinzen Otto von Bayern zur Ueberreichung der Krone von Griechenland abgesandten Abgeordneten beiwohnten, machte ich die Beobachtung, wie diese Herrn während des ganzen Gottesdienstes eine solche Bewegung des Körpers machten, und zwar, wie bei den polnischen Juden, in der Richtung zwischen Osten und Westen; wobei sie zugleich, bei jeder einzelnen Bewegung, die rechte Hand zur Brust und von da vorwärts führten, als wollten sie dadurch andeuten, wie sie ihr Herz der Gottheit weihen. Auch waren sie bedeckten Hauptes. Doch benahmen sie sich, — sie waren ihrer drei, aus verschiedenen Provinzen oder Stämmen, — wenn ich mich recht erinnere, nicht auf ganz gleiche Weise; wie sie sich denn auch in ihrem Kostüm unterschieden. Die Religions-Streitigkeiten der neuesten Zeit. Und man streitet und kämpfet mit Worten, Es zkeh'n her die papiernen Kohorten, Sie rütteln an des Vaters göttlichen Thron, Als wollten sie in Trümmer ihn schlagen, Und seinen Geist und seinen göttlichen Sohn, Den wollen sie zum ersten verjagen. Sie schreien wie die hungrigen Raben: Nur einen Herrscher wollen wir haben! Nur einer gut siir unsre Vernünftelei! Nur einen kann und soll's fortan geben! Und mag auch brummen, schreien die Klerisei Daß sie doch ohne Christus nicht kann leben. Doch auch nicht dieser will gut mehr scheinen: Er könnt' dem Juden-Gott leicht sich einen. Drum muß er aus dem großen Himmel — auch sein, Sich in der Menschen Herzen bequemen. Und denken nicht, daß der Menschen Herz zu klein Den großen Gott darin aufzunehmen. Drob wird der Juden Gott auch gerüttelt Und selbst der Jude am Bart geschüttelt. Und sehet — er thut euch in Sermonen dar, * Daß er doch lange — keinen mehr hätte. Und lästert ihn — euch zum Gefallen gar, Und kämpft und schreibt mit euch um die Wette. Damit man möcht' ihn emaneipiren; D'rum muß er auch den Bart gut rasiren; Und er kratzet die Haut selbst vom Kinnenbein, Daß keine Spur vom I u d e n v o r h a n d e n Und — aus dem Juden wird bald ein Heidelein, Denn er zerreißt — ja der Glauben Banden. Max. Anstriaeus. Perfonalchronik und Miseellen. . Leipzig. Die jüdische Literatur der Vergangenheit kennt keine Jugendschriften. Natürlich. Unwissenheit und Gelehrsamkeit waren ehemals die beiden Pole der Judenheit. Ein Kind studirte den Talmud, den Gipfel der damaligen Wissenschaft, oder ging im materiellen Leben unter. Einen tiers etat gab es nich t im Reiche damaligen Wissens. Der Indessen mochte bei derselben die Bewegung des Körpers mehr die Begleitung der Bewegung der Hand sein, nicht umgekehrt.

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