Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-01-29 · Heft 5 (29.1.1845) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 5 (29.1.1845)
Date
1845-01-29
Page
Seite 40 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360370--4822-3531005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 jüdische Volkswitz hat noch Anekdoten aus der Periode der naiven Unwissenheit aufbewahrt. Erst in der Neuzeit ist das Bedürsniß nach Volks- und Jugendschriften rege geworden. Dieses Bedürfnis hat auch zu vielen mehr oder minder glücklichen Versuchen den Anstoß gegeben und neue Kräfte unter den Juden geweckt. Allerdings ist dieser Zweig der jüdischen Literatur bis jetzt mehr verkannt, als erkannt worden. Denn während reichbegabte christliche Gelehrte die Fülle ihrer geistigen Fähigkeiten dem Volke und besonders der Jugend widmen, herrscht unter den jüdischen Gelehrten einerseits eine übel angebrachte Schamhaftigkeit und andrerseits ein schädlicher Egoismus. Gerade tüchtige und bewährte Männer müssen das Volk belehren z je gereister der Geist, je reicher das Material angehäuft, desto wirksamer die Belehrung, desto mannigfaltiger die Mittheilung. Wir wollen die Schwierigkeiten , die ein Volksschriftsteller zu überwinden hat, nicht übersehen. Eine fließende, ungekünstelte Darstellung, ein Eindringen und Sichversenken in das Leben und Weben des Volkes, eine sichtende, auf endlicher Forschung beruhende Sonderung des Materials, sind Eigenschaften, die man oft großen Gelehrten absprechen muß. Um desto erfreulicher ist es, daß Hr. M. Me ndelso n in Hamburg, wie wir-hören, ernstlich daran denkt, feine Schrift: „Schuschan Eduth" bald erscheinen zu lassen. * Prag. Ein Beweis, daß manche österreichische Gelehrte, welche sonst doppelte Zöpfe tragen, von den socialen Bewegungen ergriffen werden, ist der Umstand, daß mehre jüdische namhafte Gelehrte an Schmidl's (nicht „Schmidt's", wie die D. A. Z. schreibt) „Blätter für Literatur und Künste Mitarbeiten. — Die schönwissenschaftliche Literatur in Oesterreich hat ihre besten Stützen an jüdischen Belletristen. Leipzig. Geiger's „Lehrbuch zur Mischna" wird bereits gedruckt. — Wir wollen hoffen, der Verfasser werde hier Manches nachtragen und verbessern, was die Kritik an dem „Lehrbuches getadelt. — Berlin. Ein wichtiges Wort hat Hr. Dr. Stern in seinem ersten Vortrage über die Aufgabe des Judenthums ausgesprochen! Die Juden müssen an der Geschichte Mitarbeiten. Die Redakteurs der Kabinetsordres, Hofdekrete rc. streben allerdings noch, jüdische Mitarbeiter fern zu halten. Auch die Universitären stellen den Juden eine andere Aufgabe Doch wir wollen Mitarbeiten an der Geschichte, wenn wir auch nicht honorirt werden. Z w e u d e u t i g e Abbreviatur. Ein sonderbarer Zufall drückt eine Wahlverwandtschaft zwischen dem Reform- Verein und der Rabbiner - Versammln n g in der Abbreviatur „R.-D." aus! Eine kleine Strafe dafür, daß die -Versammlung aus Rabbinen, und nicht aus jüdischen Gelehrten zusammengesetzt sein will. I. » * * B e rlin. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat sich Mühe gegeben, die Stadtverordneten zu veranlassen, daß sie für den nächsten Provinziatlandtag eine Petition für die völlige Emancipation der preußischen Israeliten vorbereiten mögen. Die Stadtverordneten haben es ausgeschlagen, angeblich weil eine solche bedeutsame Zeitfrage betreffende Petition die städtischen Befugnisse überschreite. Möge der Verstand durch diese Zurückweisung sich nicht abhalten lassen, als Religionsgenossenschaft es unmittelbar zu versuchen, was nach den Landtagsgesetzen nicht verhindert werden kann.— * Köln. In unserer Gegend der Nockverehrung, wo der Bischof Arnoldi durch großartige Fackelzüge gefeiert wird, scheint die Judenemanzipation ganz in den höhern Ständen durchgedrungen zu sein. Unter den vier Hauptpetitionen, welche auf den zunächst zusammentretenden Provinciallandtag besprochen werden sollen, ist eine über eine völlige Gleichstellung der Israeliten. Posen. Für unseren Provinciallandtag, wo das polnische Element, wie man sagt, noch schroffer hervortreten wird, soll sich ein Geist gegen die Judenemancipation geltend machen wollen, wie es zum Theil schon auf dem vorigen Landtag geschehen. Der Zugführer der polnischen Elements ein gewisser Mauritius, hat in der Thcit sich bereits als Judenfresser gezeigt. Halle. Der den Lesern dieses Blattes bekannte Herr Le brecht aus Berlin hat in unserer Lit.-Zeitung die Konjektur aufgestellt, daß der Name des bekannten Archigrammatikers, gewöhnlich Chajug" genannt, vielleicht nur eine Korruption aus Jachja, wie er in der That auch geheißen, sei. Es wäre wünschenswerth, wenn einige mit der Sache näher bekannte über diese Konjektur einige nähere Mittheilungen gäben. Berlin. Die „Vo sfische Ze itu n g" hat in ihrem Programme zum neuen Jahre 1845 auch der Juden gedacht. Hingegen schüttelt Hr. Tholuk in seinem „Anzeiger" bedächtig das Haupt-, ob man denn die Juden, welche nicht in Christo selig werden wollen, emancipiren solle! Die Herren Theologen, die mit einem Fuße rückwärts schreien, können sich des Zopfes nicht entledigen. Verlag von C. L. Fritz s che. Druck von I. H. Nagel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.