Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1845)
- Date
- 1845-01-29
- Page
- Seite 35 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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35 sich meldete das Journal des Debats kürzlich mit der banalen Eingangsphrase: Ou ecril de Hambourg, daß Heine 1.500,000 Fr. für christliche, 755,000 Fr. für jüdische Anstalten, außerdem 452,000 Fr. für den jüdischen Gelverbverein Ln Hamburg, und der Herrmann- Heine'schen Stiftung einen Zuschuß von 755,000 Fr., Ln Summa 3,472,000 Fr. zu WohlthätigkeitSzwecken vermacht habe. Dieser Bericht ist nicht einmal als AdditionSexempel richtig zu nennen. Und doch soll Herr- Bloch in seinem Unrvers israel. diese Angaben gläubig nachgeschrieben haben, während das Journal des DebatS sie einige Tage später durch Mittheilung des Heineschen Testaments (in: Auszuge) wenigstens zum Theil rektifieirte. Ailch ohne diese Uebertreibungen wird man Heine's Testament ein großartiges, wahrhaft fürstliches zu nennen befugt still. Hoffentlich fügt sein Universalerbe noch den Schlußstein zu demselben durch Gründung einer den Ramm seines unvergeßlichen Vaters tragenden Stifung hinzu. Salomon Heille war im Jahre 1767 zu Hannover geboren, und hatte sich, außer den 10,000 Mark, die ihm seine verstorbene Frau Betty geb. Goldfchnlidt, mitgebracht, sein nachgelassenes Vermögen (wohl 15—20 Millionen Mark Banco) selbst erworben. — Während man in der vorher erwähnten abenteuerlichen Angabe des Journal des Debats eine lächerliche Täuschung scheu darf, muß man leider hinter dem, was dieselbe französische Zeitung über Dr. Gersorrs Lebensumstände mittheilte, eine boshafte, absichtliche von Hamburg selbst ausgegangene Mystifikation ahnen. Wüßten wir eine solche nur irgend mit dem vollkommen wahren Ausspruche des Hamb. Corrcsp., der Köln. Zeitung, Dr. Gerson habe keinen Feind gehabt, zu reimen! Aber an der ganzer: Erzählung, wie sie im Debats steht, ist kaum ein wahres Wort. Die Vornamen des Verstorbenen (er wird dort Jakob Meyer Gerson genannt), der Geburtsort desselben (Kopenhagen statt Hamburg), der Todestag (in der Woche vor dem 16. Decbr., statt des 3. December), die ganze Begrabnißeeremonie sammt allen Details derselben sind durchaus erlogen. Wir waren versucht, die ganze saubere Erfindung hier wörtlich abdrucken zu lassen, hätte nnS nicht das bittere Gefühl beschlichen, daß es einen Menschen geben könne, der von einem so herben Verluste Anlaß nimmt, seine boshafte Karrikatur-Ader bloszulegen. Wir haben uns also, statt das ganze Lügengewebe zu reproduciren, mit einer Andeutung begnügt, und wünschen, daß Inden, die einer süddeutschen oder französischen Zeitungsredaktion näher stehen, solche niederträchtige Umtriebe ein für allemal enthüllen mochten. — Die Bestimmung des Heineschen Testaments, daß 50OO M. B.zur Erbauung einer neuen Synagoge, wenn der definitive Beschluß binnen 5 Jahren zu Stande käme, ausgczahtt werden sollen, hat eine Aufforderung' in den wöchentl. gemeinn. Nachrichten vorn 15. Januar hervorgeruftn, doch ja bald Hand ans Werk zu legen *). Jndeß wäre ein baldiger Neubau nur zu wünschen, wenn die Ansficht vorhanden wäre, daß in dem neuen Prachtgebäude auch der Gottesdienst eine würdigere Form annähme. Schon vor einigen Jahren wurde dieses Bedürfniß zur Sprache gebracht; eine Anzahl fronnner, aber zugleich helldenkender Gemeindemitglieder interesstrte sich lebhaft für eine Reform; tubeffcn wurde damals die Sache, wie so vieles Andere, wozu Eifer und Energie erforderlich wäre, ad acta gelegt. So arbeiten dieUltra's, theils dem Tempel, theils der kleinen portugics. Gemeinde, theils endlich dem Jndifferentismus in die Hände. Das Sprüchwort: lbes 6xti'eiN68 86 loiiclient, bewährt sich auch, wenn es auf unsere religiösen Zustände angewandt wird. — Aus dem Nachlasse des H. Isaak Hartwig, genannt vor: Essen, floß kürzlich ein kleines Kapital dem jüdischen Miethvcreiu zu. — Zum Schlüsse noch einige literarische und statistische Notizen. Die mehrerwähnte Ree'sche Schrift hat tut Hamb. Correfp. vom 25. Deebr. und in den Hamb. lit. und krit. Bl. vont 18. Januar zwei treffliche Reeensionen, beide so viel uns bekannt, von Walkern jüdischen Aerzten herrührend, hervorgeruftn. — Dr. Kley's Predigtskizzen haben im Hamb. Corresp. vom 8. Januar die veediente Würdigung erfahren. Die Vorrede zur neuen Auflage seines Gesangbuches ist, wie wir uns selbst berichtigend, bemerken müssen, nicht gegen die Tempeldirektion, sondern gegen die Mitglieder der Redaktion des jetzt im Tempel gebräuchlichen Gesangbuches (daö, wie wir hören, ehestens neu aufgelegt werden soll) gerichtet. — Herr Moses Mend elson wird nun, wie wir hören, dm lange erwarteten dritten Theil seines Schufchan Eduth in einem Leipziger Verlage erscheinen lassen. — In den Hamb, wöchentl.' gemcinn. Nachrichten vom 1. Januar finden fich in einer statistischen Notiz über die Bewegung der Hamb. Bevolkermtg im Jahre 1814 folgernde Angaben: In der deutsch-israelitischen Gemeinde wurden proklamirt und kopulirt: 66 Paare von Herrn Bernays, 2 von Dr. Salomon, 3 von Dr. Frankfurter, 8 auswärtig; geboren 205 eheliche, 7 uneheliche Kinder, gestorben 216 Personen, in der portug. Gemeinde geboren 4 Kinder, gestorben 3 Personen. Unter den 216 Gebornen waren 115 Knaben und 101 Mädchen. — Im Berendsohn'- schen Verlage ist vor Kurzen: eine Abbildung vom Innern des Tempels, wie es sich am Abende des 5. September 1844 bei der Einweihnngsfeier producirte, erschienen. E. C. Karge, 17. Jan. (Nekrolog.) Der 7. December 1844 ist der Tag, der der Erde einen Mann *) In den Wöchentl. gemeinn. Nachrichten vom 17. Januar schlägt ein H. B. eine wöchentliche Schillingskollekre dafür vor» 5 *