Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-01-22 · 4 (22.1.1845) · p. Spalte 51-52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
4 (22.1.1845)
Date
1845-01-22
Page
Spalte 51-52 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8555529-9897698-9897703--3875-3530989
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

51 Kritiken. Die Protokolle der eigenen Worte zu beglaubigen hat. Wie! wM es dem Pro- - tokollisten gefallen hätte , ihn zu tadeln? — Wir haben dieselbe Bemerkung p. 10 zu wiederholen, wo für die Ansicht, daß über Anträge durch eine Kommission an die Versammlung berichtet werde, „mit trisLigen Gründen" aus verschiedenen Motiven sich erklären Dr. Salo mo n, Dr. Hokdheim u. A. — Es ist denkbar, daß ein anderer Protokollführer dieselben Gründe nicht triftig, sondern „ungenügend" gefunden hatte: beide Urtheile gehören nicht in ein Protokoll, sondern die Gründe selbst sollen reserirt werden, sofern ihre Mittheilung von Wichtigkeit ist, oder übergangen, sobald die Kenntnißnahme von Seiten des Publikums unerheblich scheint» Bei der Berathung über die Statuten wird uns das Urtheil ersch wert dadurch / daß nich t immer an gegeben ist, worüber beratheu wurde, wie der Entwurf gelautet, sondern nur in welcher Fassung der Entwurf angenommen worden. So z. B. § 4 (p. 7) § 7 (p. 8> An mehreren Stellen haben wir uns über Undeutlichkeit zu beklagen. Pag. 9 wird das Votum Herzseld's über die Bestimmung von Kommissionen so reftrirt: „Wenn die Hexsammlung immer nur in plo;no entscheiden soll, so könnte gerade dadurch ein Antrag per majora gemacht werden,^ eine Angabe, aus der die wirkliche Meinung des Votanten unmöglich zu erkennen wäre, wenn sie nicht durch die bald nachher gegebene Erklärung des. Dr. Hirsch au^s Luxemburg einigermaßen verdeutlicht würde; es scheint uns nämlich, als habe Dr. Herz feld sagen wollen: gerade, eine größere Versammlung gebe weniger Gewähr für ruhige und klare Erwägung; die unreifen Elemente, die sich immer riothweydig in einer solchen sind.en könnten, viel leichter sich durch ihre Ueberzaht geltend machen, ohne daß die richtige, aber tiefer gehende Ansicht zu Gehör und Geltung gelangen könne. Die Unv 0l lst ändig keit des Protokolls zeigt sich darin, daß in der Diskussion auf Dinge Bezug genommen wird, die am ihrem Orte gar nicht erwähnt worden sind. So p. 14 bemerkt G oldm ann, wie es scheint, nicht ohne Bitterkeit: „Dr. Holdheim hat den Vorschlag zu machen beliebt, daß jeder Einzelne die Beschlüsse der Versammlung als maaßgebend für seine amtlichen Handlungen ansehe i" Von einem solchen Vorschlag lesen wir in den gedruckten Protokollen gar Nichts.— Ebenso werden bei verschiedenen Gelegenheiten Anträge erwähnt, über deren Inhalt wir gar nicht oder nicht genügend belehrt worden. Wir rechnen dahin das Schreiben des Nahbin ers Horwitz in Tuchel, zuerst erwähnt als eingegangen p..13, eine Kommission wird, darüber ernannt p. 19, eine Bein chtersta ttu n g er folgt nicht. — Eben so wenig Auskunft erh alten wir über ein Schreiben des. Dr. H e r z b e r g in Oldendorf (Stadtoldendorf?), das p.13 erwähnt wird. Bei zwei andern Anträgen wird Bezug genommen auf die „Allgemeine Zeitung desIudenthums", in welcher sie besprochen seien; es sind dies das im Namen des Rabbiner Dr. Mayer zu H e - chi n g en gestellte, über die Bestrebungen, zur, Einnncipation ersten Rabbmerversammlimg. 52 ^er jüdischen Kirche- (p. 26) und des Dr. Berg so n betreffend Einführung von Beschneidungslisten und Führung derselben durch die Rabbinen'(p. 43). Wenn gleichwohl anzunehmen ist, daß die meisten Leser dieser Protokolle — wenigstens die jüdischen — auch die A. Z. v« I. kennen, so ist doch dabei übersehen, daß die wenigsten im Besitz derselben bleiben, da sie meist in Lesecirkeln von Einem zum Andern geht, und einige Wochen nach der Cirkulation in vielen Orten nicht ein einziges Exemplar einer früheren Nummer aufzutreiben sein wird. Wer nun alfo zur Zeit die betreffenden Aufsätze mit geringerer Aufmerksamkeit gelesen, weil die darin berührten Gegenstände ihm nicht gerade nahe gelegen, der ist nun jetzt bei Lesung dieser Protokolle völlig rathlos, indem er den Gegenstand dev Debatten nicht versteht. Referent bekennt, in diesem Falle zu sein und mit ihm gewiß noch viele andere Leser. Wir könnten noch viele andere Fälle namhaft machen, in denen die Protokoll-Führung uns mangelhaft scheint: vornehmlich leiden die der ersten Sitzungen daran, was schon aus dem äußeren Umfang hervorgeht; es nimmt das der ersten Versammlung dey Raum ein p. 1 —6; der zweiten p. 6—8; der dritten p. 8—13; der vierten p. 13—19; der fünften p. 19—25; der sechsten p. 25—33; der siebenten p. 33—43; der achten p. 43—63; der neunten p. 63—74; der zehnten p. 74—81; der eilften p. 81—93, so daß das.kürzeste zwei, das längste zwanzig Seiten füllt. Es scheint also, daß dem Herrn Sekretair im Laufe der Sitzungen selbst das Bedürfnis; größerer Ausführlichkeit erst klar geworden. Es möge daher an diesen Bemerkungen genügen , auf daß wir für die künftigen Jahre eine bestimmtere Ausführung gewärtigen mögen. Zu wünschen wäre, daß die, ganze Last und Verantwortlichkeit künftig nicht einem Einzigen aufgebürdet, sondern daß wenigstens zwei Protokolle geführt würden, aus deren Vergleichung die authentische Redaktion hervorginge. Wir mußten uns zuerst über die F o r m des vorliegenden Werkes auslassen, weil durch sie wesentlich die Auffassung des Inhalts bedingt ist. Wir werden uns bei Besprechung der einzelnen Materien zu oft auf die Lückenhaftigkeit der Berichterstattung zurückgeführt sehen, als daß wir es hätten unberücksichtigt lassen können. Was nun die Verhandlungen selbst betrifft, so haben wir in ihnen Resultate zu scheiden von Besprechungen und. Vorbereitungen zu künftiger Erörterung» Unterdenbereits vorliegenden R e su l tate n haben wir die Statuten,als das wichtigste hervorzuheben: denn aus ihnen geht am deutlichsten die Ansicht hervor, welche die Versammlung über ihre eigene Aufgabe gehabt, die Richtung,die sie selbst vorgezeichnet, sowohl für diese erste als die folgenden Zusammenkünfte. Betrachten wir also diese erste Leistung mit dem Auge der Kritik, um ctwanige Mängel und Irrthümer für eine erneute Berathung, die im nächstenIahre vorgenommen.werden soll, zu bezeichnen. Dr. Philippson aus Magdeburg Hatte einen Entwurf mitgebracht., Mit 13 gegen 6 Stimmen beschließt die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.