Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 4 (22.1.1845)
- Date
- 1845-01-22
- Page
- Spalte 49-50 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897698-9897703--3874-3530988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Meratur. ‘JW 4® Leipzig, den 22. Januar 184!>. In h alt. Kritiken. Kritische Anmerkungen zu 'den Protokollen der ersten Rabblnerversammlung. — Ge i g er's Lehrbuch zur Sprache der Mischna. Angezeigt von Gr a tz. Zweiter Artikel. (Fortsetzung.) — Studien. Literarische Analekten. Beitrage zu Furft's Concordanz, von I. Hamburg und Dr. Herr he im er. -- Kurze Notizen und Miscellen. Das Wort Ta fr§. Aus einem Privatschreiben von Steinschneider. — Kurze Anzeigen. Rabbiner H. gegen Ghillany. I. Tugendhold.— Literar. Ankündigungen. Kritische A«werkungen zu den ProLokollen der. ersten Rabbinerversammlung. Vorwort des Einsenders. Die nachfolgenden „kritischen Anmerkungen" sind kurz nach dem Erscheinen der Protokolle niedergeschrieben worden; manche der in späterer Zeit vor das Publikum gebrachten Reklamationen und unerquicklichen Persönlichkeiten konnten daher nicht , berücksichtigt werden. Dagegen prägt sich in dieser Kritik eines geachteten Gelehrten der von keiner Parteirücksicht befangene Eindruck aus, den die Protokolle auf solche Personen machen mußten, welche nicht b ei der Ra bbin erv ersammlün g zugegen gewesen sind.. Diese ruhige, klare Prüfung erschien dem Einsender so richtig und fruchtbringend, daß er den Verfasser veranlagte, sie durch den. Druck allgemeiner bekannt zu machen, und nur wenige als fremdes Eigenthüm kenntlich gemachte Anmerkungen hinzuzufügen für passend hielt. ' * *; * Die Protokolle der ersten Rabbiner-Versammlung (abgehaltm zu Braunschweig vom 12. bis zum 19. Suni 1844) sind endlich erschienen , und Jeder, der die Versammlung selbst als ein wichtiges und folgenreiches Ereigniß angesehen, wird auch die gedruckten ofsiciellen Berichte über dieselben freudig willkommen heißen. So voreilig aber hin und wieder Einige vor der Publikation dieses Büchleins sich öffentlich über die Versammlung haben vernehmen lassen, so gerechtfertigt sind jetzt Bemerkungen über den Inhalt und die Form desselben im Interesse der Sache selbst. Das Vorwort stellt bei der Veröffentlichung die Forderung der Wahrheit voran, und erklärt die Herausgabe durch die Nothwendigkeit, daß die gesprochenen Worte nicht entstellt und verdächtigt werden, wie es hie und da in öffentlichen Blättern schon geschehen sei. So rechtfertige denn das Interesse der Wahrheit die nachfolgenden Worte: daß sie, wie die Vorredner es verlangen, ohne Leidenschaft niedergeschrieben sind, mögen sie selbst beurkunden. Betrachten, wir zuerst die Form dieser Protokolle. Wir machen an ein gutes Protokoll die Forderung, daß es einrn klaren, wahrhaften Bericht gebe über Alles, was in einer Versammlung geredet wird, daß es vollständig sei, und nichts hineintrage von der Persönlichkeit des Schreibenden. Gegen beide Forderungen wird hier häufig gefehlt. In der ersten Versammlung betritt der gewählte Präsisident, Kirchenrath Dr. Mai er aus Stuttgart, die Rednerbühne, und „macht auf die Wichtigkeit der Aufgabe, die er in wenigen Worten, aber scharf bezeichnend andeutet, aufmerksam" (p. 2). Wir vermissen hier mit großem Bedauern die Anführung dieser wenigen Worte, denn es dürste für jeden Leser, der wie Ref. der Versammlung nicht beigewohnt, vom höchsten Interesse sein, zu erfahren, welche Ansichten die einzelnen Mitglieder, und zumal der Mann, den die Versammlung sogleich mit dem höchsten Vertrauen beehrt, bereits mitbrachren in die Sitzung, ob sie dem Gewordenen entsprachen oder ob und in wie fern sie davon abwichen. Daß sie „scharf bezeichnend" waren, kann uns nicht entschädigen, vielmehr wird unser Wunsch, sie zu vernehmen, dadurch noch gesteigert. Wir können ferner die Ausstellung nicht unterdrücken, daß diese Kritik des Protokollisten hier durchaus nicht an ihrem Orte ist, daß es in diesem^besondern Falle (bei aller Achtung vor seinem Urtheile) nicht darauf ankommt, wie ihm die Rede erschienen, sondern was sie enthalten. Der Präses, der dies Protokoll zu unterschreiben hat, wird dadurch in nicht geringe Verlegenheit gesetzt, da er das Urtheil über seine 4