Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1845)
- Date
- 1845-01-22
- Page
- Seite 29 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 29 - hieroglyphischen Inschriften und Abbildungen eines Pharao. Die Inschriften sind noch nicht entziffert. P a ri s. Hr. S. Munk hat auf der k. Bibliothek in Paris ein arabisches Werk über Indien entdeckt, das über Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Sitten der Hindus Auskunft giebt. Es ist aus dem 11. Jahrhundert und verfaßt von dem Astronomen Abul Rasar el Birani. Möge Hr. M. seine Entdeckungen, auf die jüdische Literatur ausdehnen; namentlich wäre zu wünschen, daß er für die jüdisch-arabische Literatur (vielleicht den arabischen Kommentar zum Sefer Jezira von Saadja) die zahlreichen Veröffentlichungswege in Deutschland benutzen möchte. Berlin. Dr. S. Stern hier hat Vorlesungen über die Ausgabe des Iudenthums und der Juden in unserer Zeit angekündigt. Wir wünschen ihm recht große Theilnahme von Seiten der Berliner, da in der Regel die Berliner Juden schon Krämpfe bekommen, wenn sie das Wort Judenthum hören. Königsberg. Der//Rheinische Beobachter," ein servil-pietistisch-konservatives Blatt, kann es nicht begreifen, wie man ohne Indignation an Ehen zwischen Christen und Juden denken könne. Diese gemischten Ehen würden das religiöse und Familienleben untergraben. — Gebührt nun den Juden der Vorwurf, daß sie sich von ihrer Umgebung absperren? Mähren. Das sogenannte Fleischkreuzer, welches die Juden besonders entrichten müssen, ist proteusartig. Ein Jude, der in einem christlichen Gasthofe speist, muß, weil das Fleisch unverzollt ist, eine Geldstrafe erlegen. Wir rathen unfern deutschen Amtsbrüdern, bei den resp. Negierungen um die Nachahmung dieser wirksamen Maaßregel zu petitioniren. Ein mährischer Rabbiner. Leipzig. Ein junger Mann, der vor einigen Monaten m Paris war, theilte mir, bei seiner Durchreise durch Leipzig, die interessante Nachricht mit, daß der Grand-rabbin Hr. M a r ch a n d ihm gesagt habe, Postell' s lateinische Uebersetzung [beö „Sohar" auf der königlichen Bibliothek selbst gesehen zu haben. Um die Bestätigung dieser Nachricht von Paris aus bittet Ink. Das mm TempelgefangHuch Und Herr De» G. Kley. Audiatur et altera pars. Es hat dem Herrn Dr. Kley gefallen, in der Vorrede der eben erschienenen vierten Auflage seines nunmehr besonders für den Schulgebrauch bestimmten Gesangbuches, das Tempelgesangbuch vom I. 1833, oder vielmehr die Redaktion desselben, mit wenig verhehlter Bitterkeit vor dem Publikum mehrfacher Vergehen anzuklagen. Wenn man die Klagen in der Mitte des eigenen Weihrauchqualms zu formuliren versucht, so hat die Redaktion, die „das neue Gesangbuch des neuen .Tempels" zu vertreten hat, sich Unredlichkeit und literarische Freibeuterei zu Schulden kommen lassen, wogegen „das (Tempel-) Institut weniger gegen den Herausgeber, mehr gegen sich selbst und die Gemeinde unrecht gethan, nicht den größten Theil oder die ganze Sammlung, wie es dem Sachverhältnisse angemessener gewesen wäre, dem neuen Gesangbuch einzuverleiben". Specisicirt betrifft die Klage: 1. Die Verschweigung der Quelle des Entlehnten. „Selbst das neue Gesangbuch des neuen Tempels würde vielleicht ohne mein ausdrückliches Verlangen ein gleiches Ignoriren beobachtet haben". 2. Die Verschweigung der dritten Auflage des Gesangbuches von 1828. 3. Die Verwechslung mehrerer Nummern in der nähern Angabe der Quellen. 4. „Werden in der Vorrede zu dem neuen Gesangbuche die Melodien meiner Sammlung nicht blos verschwiegen, sondern wahrhaft geächtet". Ehe wir uns in weitere Erörterungen einlassen, müssen wir — und gewiß wird es mit uns jeder Unbefangene — unsere Indignation zu erkennen geben, daß Herr Dr. Kl. die Vorrede eines Schulbuches gewählt hat, um eine bekannte Redaktion, ein vielgebrauchtes Gebetbuch und ein religiöses Institut herabzusetzen. Dieses erbauliche Verfahren ä la Debonale befindet sich cm der Spitze einer Schrift „zur Erweckung der Religiosität, wie zur Befestigung des Religionsunterrichts", und die liebe Jugend hat täglich vor und nach ihrem zweimaligen Gebet aus diesem Buche hinlängliche Gelegenheit, sich auch die Vorrede einzuprägen. Nur eine nicht gewöhnliche Verblendung konnte diesen Misgriff übersehen lassen. Es hat dem Vorredner in dm letzten 11 Jahren wohl nicht an Gelegenheit gefehlt, seine Klagen vor das größere Publikum zu bringen; jede Zeitschrift wäre dazu passend gewesen, und gewiß geeigneter als ein Erbauungsbuch für die Jugend. — Seite VI. fragt Herr Dr. Kl. bei Gelegenheit der Rüge eines Druckfehlers und der Reklamation eines kleinen übersetzten Gebetstückes: „Wie sollten wir uns absichtlich, oder aus Fahrlässigkeit, gegen Mit- und Nachwelt so versündigen, die neuesten Quellen nicht kennen zu wollen, Namen und Fakta in Dunkel zu hüllen, und Specialita'ten zu verschweigen, die später nothwendig Lücken und ungehoffte Schwierigkeiten schaffen müssen? Schreibt man überhaupt so Geschichte des Tages, wie sie hier und da zu lesen ist, auch unter uns? (Man sehe