Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-01-22 · Heft 4 (22.1.1845) · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 4 (22.1.1845)
Date
1845-01-22
Page
Seite 28 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360369--4805-3530979
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 Helm IIL hat jeden Israeliten, -der seine Pathenschaft ansuchte, zehn Dukaten bestimmt; manche Proselyten haben das Christenthum um die 10 Dukaten geprellt, manche sind von ihren Geistlichen darum geprellt worden, angeblich als Abzug für den Unterricht. Hier giebt es Geistliche, denen das Taufen ein Gewerbe ist, wofür hier unter den Inden der Ausdruck „Fwbleicher^ gäng und gäbe ist. Persmralchronik und Miseellen. Rom. Angeregt durch die Judenmissionen des Protestantismus, namentlich durch die Begründung des Bisthums in Jerusalem, welches ausschließliche der Judenbekehrung gewidmet ist, sucht nun auch die katholische Propaganda zu Rom ihrerseits der Judenbekehrung größern Fleiß und mehrere Geldopfer zu schenken. Es sind bedeutende Kapitalien zur Verzinsung angelegt worden, daß jeder Neubekehrte 100 Scudi oder 150 Lhaler erhalten kann. Der blinde Eifer der schottischen und englischen Mission, Seelen dem Judenthume abzukaufen, die jesuitischen Machinationen des Katholicismus durch mittelalterlichen Druck und Intoleranz viele Abschwörungen vom Judenthum zu erzwingen, machen es dem Judenthume um so norhwendiger durch innere Einigkeit, äußeren Feinden gegenüber, zu erstarken und nicht durch dogmatische Differenzen seine Kräfte zu schwächen. * * * Petersburg. Auch hier hat sich eine Propaganda zur Bekehrung der Juden, oder vielmehr zur Gewinnung derselben für die griechische Kirche, vrgam'sirt. Ein getaufter Jude Namens L ö w e n st e i n, der früher Schächter in Weimar war, steht als Professor der griechisch-katholischen Theologie an der Spitze dieser Propaganda und er verfährt in diesem seinem Berufe mit einem Fanatismus, wie kaum je ein geborner Russe sein könnte. Er ist auch Mitglied des verrufenen Convertiten-Komite's, von welchem bekanntlich alle Beschränkungen der Juden vorgeschlagen werden., Posen. Gegen die Rabbiner-Versammlung in Braunschweig und deren Nachfolger ist etwas Großes im Werke. Ich meine nicht das lächerliche, erbärmliche und nichtswürdige hebräische Rundschreiben des heiligen Tyrannen zu Jerusalem, des Hrn. Lehren, sondern die Coalition vieler orthodoxen Rabbinen, welchem sich ein polnisches Heer anschließt, die etwas Imposantes gegen die modernen Rabbinen loslassen wollen. Unser Rabbiner war nicht der Anregende, sondern der Teilnehmende, und wie ich erfahren, haben sich sogar junge Rabbiner dieser heiligen Alliance angeschloffen, um dadurch als orthodox zu erscheinen. Man klagt in Deutschland, daß kein ordentliches Lustspiel zu Stande kommt, nun die deutschen Luden werden, bald eins haben. * *. Warschau. Der brave und angesehene Kaufmann, der das Unglück hatte wegen des 7. Bandes des Kerem Chemed in mitternächtlicher Stunde aus seinem Bette in die schauerliche Citadelle gebracht-zu werden, wo er drei Wochen lang schmachtete, heißt Hr. Sotenberg, und der Censor, welcher über den betreffenden Kerem Chemed einen Bericht erstattet hatte, worin er wörtlich sagte, daß darin die Revolution gepredigt— wird — es soll etwas vom Jobel-Jahr darin stehen, was auf die erste französische Revolution gedeutet wurde —, heißt Cerski. Hr. Tugendhold hat sich nicht getraut, seinem Kollegen entgegenzutreten. Bayonne, December. Nach dem ,,L’Uiiivers Isräe- Ute“ ist die Errichtung eines Konsistoriums hier, unter den Israeliten der Pyrenäen, aus vielen Gründen unumgänglich. „An dem Eingänge Spaniens, des Landes, das trotz vielen Revolutionen den Haß gegen den Protestantismus und das Judenthum nicht ganz aufgegeben, gelegen, muß unser Departement das Gepräge aller liberalen Einrichtungen des französischen Vaterlandes haben und alle Zeichen von unserer religiösen Toleranz und unserer Gleichstellung aller Kulte ge-, ben. . . Der Italiener findet ein Konsistorium in Marse ille; der Preuße in Metz; der Oesterreicher in Straßbur g; auch der Spanier muß eins in Bayonne finden". Braun schweig. Von der höchsten Wichtigkeit ist das von der Ständeversammlung angenommeneGesetz über den Judeneid, das beste in ganz Deutschland. Es fehlt nur noch die Bestätigung der Regierung, an der nicht zu zweifeln ist. Daß bei der Berathung in der St.-V. selbst sich nicht eine gehässige Stimme gegen den Entwurf und das zum Grunde gelegte Princip der Gleichstellung mit den Christen erhoben würde, ist gewiß erfreulich. * * * Algier. In der Fremdenlegion dienen noch immer viele Juden aus Deutschland, die sich durch französische Versprechungen leichtsinnig verlocken lassen. Nach einem Berichte eines ehemaligen Mitgliedes der Fremdenlegion ist deren Behandlung schrecklich und grausam, wie sie kaum in Rußland sich finden. Ihr größtes Glück ist noch in der Schlacht zu sterben: in den Hospitälern sind ihre Leiden durch die Beamten so gräßlich, daß man es kaum begreift. So wird von den Leiden eines Wiesbadner Juden erzählt, dessen Verwandte in Wiesbaden vielleicht kaum glauben werden. Fajum (in Egypten). In diesem Geburtsstädtchen des berühmten Religionsphilosophen Saadja ben Josef Fejumi (geb. 892), des Verfassers des Emunat we deot, hat der preußische Gelehrte Lepsius einen Obelisken entdeckt, mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.