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Der Orient · 1845-01-22 · Heft 4 (22.1.1845) · p. Seite 27

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 4 (22.1.1845)
Date
1845-01-22
Page
Seite 27 (sequence 5)
Language
German
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27 nud wenn sie denselben verläßt, eine jährliche Rente . . . Crt. Bk. 800 Der Familie insgesammt . Bco.Mk. 1,110,800 Außerdem den Kindern der drei verstorbenen Tochter des Erblassers . - . - 2,700,000 Universalerbe ist der einzig lebende Sohn, Herr Carl Heine. Königsberg, 6. Jan. (D.A.Z.) Wir freuen uns, von einen: Gnadenakte unseres gerechten und menschenfreundlichen Königs, den Aufenthalt der ausländischen Juden in: diesseitigen Departement behufs Erlernung eines bürgerlichen Gewerbes betreffend, berichten zu können. Bisher war es bekanntlich jenen Fremdlingen, die besonders ans der: benachbarten Staaten des russischen- Reichs zu uns kommen, nur gestattet, zur Erlernung einer Kunst oder Wissenschaft längere Zeit hier oder in der Provinz zu verbleiben; ein Handwerk oder die Handlung bei uns gründlich zu erlernen war ihnen nur mittels der Taufe, erlaubt. Wir hatten daher nicht selten die traurige Erscheinung, unreife, zum Theil rohe Individuen zur Universität sich herandrängen zu sehen, die unter dem Vorwände des Studirens hier die Zeit vergeudeten, während sie,, irgendwo in die Lehre gegeben, zu tüchtigen Geschäftsmännern oder ordentliche:: Meistern hätten herangebildet werden können. Daß Viele, die ernstlich ein Gewerbe erlernen wollten, zur christlichen Religion übertraten, versteht sich unter den bewandten Umständen leicht von selbst." Unter der Menge der hier Jahr aus Jahr ein ankommender: freu:den Juden befand sich auch ein russischer Knabe, der nach Absolvirimg einer hiesigen Bürgerschule in eine angesehene Handlung trat, um seine theoretische Kenntniß praktisch in Anwendung zu bringen und sich einst znm nützlichen Mitgliedc der bürgerlichen Gesellschaft heranzubitden. Kaum hatte die Polizei hiervon Kenntniß genommen, als der Knabe die Weisung erhielt, sofort die Stadt zu verlassen und nach seiner Heimath zurückzukehren , und sein Prinzipal überdies mit einer bedeutenden Geldstrafe bedroht pward. Vergebens wendete sich Dr. Freystadt, der den strebsamen jungen Leuten öfters seine Theilnahme widmete, zu Gunsten des israelitischen Fremdlings an die königl. Negierung und später an daö Ministeriun: selbst; vergebens schilderte er die traurige Lage dcS Knaben, der ohne gehörige Berufsthätigkeit hilflos ins Leben hinausgestoßen wurde, vergebens berief er sich sogar auf ein ausdrückliches Ministerialreskript an die königl. Regierung zu Erfurt von: 8. April 1842, wonach ausländisches::, jüdischen Lehrburschen ein teinporärer Aufenthalt von mehren Jahren in: dortigen Departement bewilligt wurde. Er ward beide Male abschlägig beschieden, mit dem Bemerken, daß von dein Edikt deS 11. März 1812 nicht abgewicheu werden dürfe und daß jenes Reskript von 1842 für diese Provinz nicht manßgebcnd sein könne. Da wendete sich Dr. Freystadt vertrauensvoll mit einer Immediateingabe vom 9. Oktbr. 1844 an den. König selbst, welcher nun mittels allerhöchster Kabinetsordre vom 2?. Novbr. 1844 dem heimathlosen Knaben den Aufenthalt in Königsberg behufs Erlernung eines bürgerlichen Gewerbes noch auf drei Jahre gestattet hat. Sollte dieser speeielle Falt, .wie wir wohl hoffen dürfen, allgemeine Anwendung finden, so wäre hiernach ein merkwürdiger Wendepunkt in der Entwickelung des preußischen Judcnwesens unmittelbar durch deS. Königs Gnade selbst herbeigeführt, und bildete dieses Hu ld schreiben ein würdiges Seitenstück zu der vor Ku.rzem publieirten königlichen Kabinetsordre, welche die Civilversorguug eines jüdischen UnteroffieierS zu ^Münster ausspricht. So wird der Toleranz gegen die Juden in unfern: preußischen Vaterlande von oben herab immer in ehr Vorschub geleistet, und die allgemeine Menschenliebe gewinnt größere Kreise und wärmere Herzen. Auch die Stadt Elbing hat davon kürzlich einen schönen Beweis geliefert, indem der dortige Magistrat den Antrag stellte, den israelitischen Retigiorrstehrer gleich den christlichen Geistlichen vor: den Kommunallasten zu befreien. Das. Schreiben des Ministers Eichhorn an die jüdische Gemeinde zu BreSlau berechtigt uns ebenfalls zu der Erwartung der erfreulichsten Resultate in Betreff der noch nicht gleichgestellten Minorität preußischer Staatsbürger. Wo das Volk so allgemein knltivirt und der König so gnädig ist, da blühen auch für der: unterdrücktesten Unterthan die schönsten Hoffnungen ans. , Januar. Auch wir fühlen die Allgewalt der Jesuiten; auch auf uns hat ihr schleichendes Gift gewirkt.^ Ein junger Israelit besuchte das Schullehrerserninnr, entfernte sich aus demselben und schrieb an einen Seminaristen, daß er, auf Veranlassung eines protestantischen (!) Geistlichen, — in den Jesuitenorden eingetreter: sei. Er preist seinem frühen: Kollegen die schweizer'schc Luft und die Jesuiten an, und räth ihm, das Schntlehreramt mit dev jesuitischen Herrschaft zu vertauschen. — Nun zweifle man noch an jesuitischer: Urntrieben in Deutschland; nur: vertheidige man noch diesen frommen Orden, der Eltern Kinder durch Verlockungen errtreißt und Trostlosigkeit in den Schooß friedlicher Familien ausstreut. Herr Prof Leo, der nerrefte Schutzpatron des räukevollen und unhcilstiftenden Ordens, rrrrd die evarrgelische Kirchenzeitung werden eben dieses Faktur:: als Beweis für die echt christlicher: Gesinnungen der Jünger Loyolas anführen. — Ja, wir Deutsche rrrüssen erst den Dolch irr: Leibe haben, urr: vor: Mordanschlägen überzeugt zu fein. Berlin, Jan. Hier ist der Sitz des preußischen Misflonowesens, wo auch das Zerrbild cirres Judcngot- LeSdiensteS von Misstonärer: besteht. Die fechszig Geistlicher: der Residenz reicher: zur Bekehrung der berliner Inder: nicht aus, daß John Bult noch seine Sendtinge herschrcken muß. Der hochselige Körrig Friedrich Wil- 4 *

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