Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 3 (15.1.1845)
- Date
- 1845-01-15
- Page
- Spalte 43-44 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Kritiken. Kurze Anzeigen 44 einer zurückgelegten Entwickelung anfthen. — Wie dem auch sei, verdient der Vers, unfern Dank, daß er ein so wichtiges Thema behandelt und wir wünschen, daß unsere Prediger Hrn. Dr. Herzfeld in der Wahl ähnlicher dogmatischer Themen nachahmen mögen. Nur wünschen wir, daß sie den Talmud nicht in Bausch und Bogen citiren, sondern auf die Individualiät eines angeführten Autors, auf die Zeit und Umgebung, in denen er gelebt, Rücksicht nehmen mögen. Die Anführung des „Talmud" ist eben so komisch, als wenn Jemand einen philosophischen Lehrsatz unbestimmt aus einer „Geschichte der Philosophie" citiren möchte 4) Confirmanden-Büchlein für Israeliten beiderlei Geschlechts. Eine Mitgabe föt’s Leben, von Dr. H. Iolowicz, isr. Prediger in Marienwerder. Hamb. 1844.^8. B. S. Berendsohn. (S. 16.) Der Verf. dieser Konsirmandenschrift steht auf gleichem Standpunkte mit Hrn. Dr. Herzfeld, und wir -haben daher mehr über die methodische Einrichtung dieses Schriftchens zu referiren. Diese ist oft unklar. So liegt zwischen dem § 4 und den vorhergehenden §§ eine solche Kluft, daß das Wörtchen „somit" sie noch keineswegs ausfüllt. Ebenso ist es eine Tautologie, daß Gott ein „Geist" und „unkörperlich" ist (S. 5). Ferner finden wir die Darstellung der Pharisäer (S. 11) ungerecht. Das mündliche Gesetz war Volksleben und die nor m aU Fortbildung des Mosaismus. Die Abhängigkeit mosaischer Ceremonien (S. 12) von Zeit und Umständen ist eine verschollene Idee des vorigen Jahrhunderts, und wird dieses Symbolisirungsprincip weiter ausgedehnt, so sind Mazzot, Sukkot und Fasten für uns überflüssig. Wenn manche Wortführer im Iudenthum durch dieses Priricip die meisten Ceremonien und Satzungen dem Alterthum überweisen, so sind diese Herren in ihrer Oberflächlichkeit so befangen, das^ Geständnis zurückzuhalten, daß sie am Ende das machen, was sie Religion und Iudenthum nennen, daß sie in ihrer SelbstentwickLung bis zum Punkte des oberflächlichsten Rationalismus angelangt sind, wo ein leerer Deismus das Endresultat bildet. — Uebrigens verdient die Frelmüthigkeit des Hrn Dr. Iolowicz Anerkennung, da die Heuchelei auf den Wogen des Lebens uns bloß hin und her schaukelt. Sollte Hr. I. eine zweite Auflage dieses Konfirwandenbüchleins veranstalten, so wird er wohl selbst viele Umänderungen für nörhig finden. 5) Der Talmud und die Perfectibilität des Mosaismus vom Standpunkte der Reform beleuchtet von Theodor Bürger. Pesth, 1845. gr. 8. Kilian et Comp. (S. 27.) Viele unserer modernen Schriftsteller bewähren sich als Schleppträgec des Fortschrittes. Sie fassen das vorige Jahrhundert am Zipfel und wissen nicht, daß wir fast ein halbes- Jahrhundert und mit ihm eine ganz andere Entwicklung hinter uns haben. Dies tritt am grellsten hervor, wenn von Talmud und Reform die Rede ist. Der Talmud wird in's Lächerliche gezogen, als Urbild der Reform steht der „reim Mosaismus" da. Was ist aber das „Jam Ha-Talmud"? Hat man die Mündung dieses Meeres nachgewiesen? Ist der Grund desselben sondirt, das Wasser chemisch zersetzt? lieber diese Fragen, die unsere Zeit aufwirft, das tiefste Stillschweigen. Schimpfen und Spotten führen uns vom Ziele ab. Der Talmud will begriffen/ erklärt werden. Solange man aber die Verfasser desselben bald für Dummköpft, bald für Betrüger ansieht, wird das Wesen des Talmuds, dessen historische Bedeutung nie in ein helles Licht gesetzt. Fragt doch einmal die Herren Ritter, welche gegen den Talmud die Lanze führen, nach der Entflehungsweise desselben, nach den Charakteren der Verfasser, nach der Zeit und den Ideen, die auf dieselben eingewirkt, nach der Idee, welche die Talmudisten leitete — und sie werden mit schönen Phrasen eines oberflächlichen Voltairianismus euch aufwarten. Das dogmatische Joch, welches sie im Talmud sehen , drückt ihren Geist darnieder. Man darf nicht moderne Reflexionen heranbringen, um dem Talmud seine Stellung in der'Entwickelung des Judenthums anzuweisen. Er ist nichts Anderes als die konsequente, auf derselben Linie stehende Fortbildung des Mosaismus. Versetzen wir uns ganz auf den Standpunkt des Mosaismus, so werden uns z. B. die rabbinischen Vorschriften über den Sabbat als die nothwendige Ausbildung des mosaischen Sabbatgebotes erscheinen. Man räsonnirt aber von vornherein das ganze mosaische Gesetz durch ein Symbolisirungsprincip weg, und will dann die talmudische Fortbildung begreifen! Mit dem „reinen Mosaismus" ist es nicht besser. Die Schranke ihrer eigenen Entwickelung als Menschen, nennen die Reformatoren „reinen Mosaismus". Das Iudenthum der Herren Geiger, Holdheim, Heß rc. ist das innerste Wesen, die geistige Entwickelung dieser Herren: ist Geiger, Holdheim, Heß, u. s. w., aber kein Iudenthum in geradliniger Entwickelung. Herr Bürger hat in seiner Bekämpfung des Talmuds und Verteidigung des Reformvereins nichts besser bewiesen, als wie weit seine Entwickelung gediehen. Daß der Resormverein, nach Hrn B., einigen Millionen Israeliten ein religiöses Bewußtsein wiedergegeben (S. 26), kann der nur behaupten, der die eigne Entwickelungsstufe der unklaren Stifter des R.-Vereins für Religion hält. Der R.-V. ist die verkörperte Idee der Stifter desselben. 6) Zwei Predigten über die Lehre vom Messias u. s. w. von Dr. Herzfeld. Braunschw. 1844. 8. Zweiter Artikel. Diese Predigten haben, wie der Verf. selbst sagt, nur einen dogmatischen, keinen homiletischen Charakter, und Hr. H.- kann es nicht befremdlich finden, wenn nur diese Seite darin betrachtet wird. Der': Unterzeichnete erlaubt sich daher, Hrn H. in Bezug uuf seine neue Messiaslehre folgende Punkte oder Anfragen zur Rechtfertigung vorzulegen. 1. Sagt er (Seite 25): „Die hätten den Sabbat und alle Festtage so gut wie umgeschaffen,^ Womit beweiset er dies? Ich behaupte das Gegenteil; es findet sich