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Der Orient · 1845-01-15 · 3 (15.1.1845) · p. Spalte 41-42

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
3 (15.1.1845)
Date
1845-01-15
Page
Spalte 41-42 (sequence 5)
Language
German
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41 Kritiken. Kurze Anzeigen. 42 Solennitäten stets angepaßt ftiVb. Die Melodien sind gut erfunden und die harmonische Behandlung zeigt von tüchtiger Praxis. Daß auch in dem Münchner Kultus neben den neugeschaffenen Gesängen viele der alten Weisen vorgetragen werden, ist nur zu toben, denn es giebt unter ihnen so schöne feierliche Melodien, daß sie kaum durch andere Kompositionen zu ersetzen wären, und man würde sie auch, als alte Traditionen fast Jedermann bekannt, nur ungern vermissen. Eine große Verbreitung beider Werke mochten wir indeß bezweifeln, da die Ausführung der in ihnen enthaltenen Kompositionen einen nicht musikalischen Kantor nebst tüchtigen Begleitern sowie einen fleißig geübten Chor erfordern, denn nicht selten sind die Kompositionen kontrapunktisch gearbeitet. Requisiten wie die eben genannten finden sich nur selten vereint, manche große Gemeinde besitzt sie nicht einmal. Die kleine Ausgabe von Goldberg macht bescheidenere Ansprüche. Sie enthält eine Sammlung der leicht faßlichsten Melodien aus Sulzer, aus den in Seesen üblichen Gesängen und einige von Goldberg verfaßte Compositionm; diese sind meist für zweistimmig bearbeitet oder bewegen sich im Unisono, wenn der Chor eintritt. Das Werkchen hat seinen praktischen Werth in hiesiger Gemeinde geltend gemachtdenn schon binnen 6 Wochen war sie im Stande die meisten Gesänge recht gut vorzutragen. Wir können also den Gemeinden, welche nicht viele Hilfsmittel besitzen, und dennoch ihren Cuttus durch Gesang heben wollen, diese Sammlung empfehlen., Der Parteilichkeit für das hiesige Produkt wird man mich nicht zeihen, da über den Kunstwerth der beiden andren Werke ich mich oben ausgesprochen, mit welchen das letztgenannte nicht konkuriren kann, da es nur Auszüge enthält. Den Cantoren in allen Gemeinden aber zum Studium empfehle ich die Sulzer'sche.oder Münchner Ausgabe auf das Gelegenste. Schließlich wünsche ich, daß die israelitischen Komponisten, deren Zahl wahrlich nicht klein ist, den Herren anderer Konfessionen nicht inachzustehen ihre Mitbrüder durch Compositionen erhebender Gesänge noch mehr aufzumuntern und auf der begonnenen Bahn rüstig fortzuschreiten." Z) Zwei Predigten über die Lehre vom Messias, gehalten den ersten Tag Sukkos (Sukkot) und Simchas- (Simchat-) Tora d. I. von dem Landrabbiner Dr. Herzfeld und von Freunden dem Druck übergeben. Braunschweig, 1844. gr. 8. Friedrich Vieweg und Sohn. (S. 29.) Die jüdische Kanzel macht Fortschritte. Das sterile Feld der Phraseologie verlaffend, fangen unsere Redner an, das Gebiet der Dogmatik zu betreten. Dies ist auch erfreulich. Die Zeit der Schönrednerei, des Klangs und Sangs ist vorüber, und der Inhalt, der Kern, das Mark in der Rede wird beachtet. Als die Juden vor einigen Decennien ansingen, das vaterländische Wort in ihre Gebethäuser einzuführen, trat das Extrem der barocken Derascha ein. Die Ueberfülle in der Derascha rief eine Leere in der Predigt hervor. Die Letztere begnügte sich mit schönen Fetzen, und „urunque coliatis membris“ wurde ein schön colorirtes Gemälde, ohne einer Idee zum Ausdrucke zn dienen, hingestellt. Der Verf. der zwei angezeigten Predigten hat sich nun in der „Messiaslehre" einen der wichtigsten Glaubenssätze der jüdischen Religion zur Behandlung ausgewählt. Sehen wir zu, iwas aus der. Lehre vom Messias unter seinen Händen geworden. In der ersten Predigt spricht der Vers, davon, „daß das Messiasreich bestehen werde in der über den ganzen Erdboden verbreiteten Anerkennung des alleinigen Gottes, verbunden mit größerer Frömmigkeit und Sittlichkeit, und mit der Herrschaft des Friedens und der Liebe unter den Menschen." Dieser Messiasglauben ist jedoch nicht blos den Juden eigenthümlich, sondern er gehört allen Menschen an, indem er in jedem Edlen seinen Bekenner findet. Das Messiasreich wird nicht durch einen Menschen, sondern durch die Lehren des Judenthums, d. h. durch die allgemeine Annahme derselben, herbeigeführt werden. Die Verbreitung der Lehren des Judenthums ist theils durch die jüd. Religion unmittelbar, theils durch die beiden Töchterreligionen bewirkt werden. In der zweiten Predigt wird auseinandergesetzt, daß das Messiasreich allmälig in die Erscheinung trete, und daß das Judenthum viele Ceremonialgesetze werde aufgeben muffen, wenn die andern Völker gleich uns werden „Teilhaber des Mefsiasreiches geworden sein." Diese Auffassung des Mefsiasreiches ist nicht neu, doch tritt sie uns in diesem Schriftchen in abgerundeter Form entgegen. Sie ist die Konsequenz eines Nationalismus, der die Auflösung und den Untergang des Jndenthums mit einer Klausel predigt. Das Judenthum trete nämlich aus dem engen Kreise der Judenheit heraus, und werde Gemeingut der Menschheit. In welche Widersprüche die Verfechter dieser Ansicht sich verwickeln, mögen folgende Bemerkungen darthun. Die Offenbarung wird nach diesen zu einer Anticipation der Vernunftentwiä'elung, d. h. der Träger der Offenbarung hat die Schlußentwickelung der Menschheit früher vurchgemacht. Die Ceremonien, die bei einer unvollkommenen Menschentwickelung nöthig waren, hören auf, sobald der Mensch den 'Prozeß der Offenbarung durchlebt hat. Das Messiasreich ist nun der Schlußpunkt in dem langgedehnten Periodenbau der Menschheit. Das Messiasreich geht also mit der Entwickelung der Menschheit aus sich heraus Hand in Hand. Ja, jeder" Edle/ der die spätern Jahrhunderte überflügelt, bekenne das Messiasreich. Das Letztere ist allerdings richtig, nur von einem andern Gesichtspunkte aus. Man müßte an einer Entfaltung des Menschen verzweifeln, wenn man nicht einst dem Frieden und der Liebe den Herrscherthron unter den Menschen anwiese. Aber dazu bedarf es keines Dogma; der Mensch, richtig erfaßt, ist der sicherste.Bürge. Daß dies Lehrsatz der jüdischen Religion sei, kann hier nicht geltend gemacht werden, indem sie selbst, nach Entfernung des Gesetzes, .als eine anticipirte Menschentwickelung sich darstellen soll. Die Abschaffung selbst mosaischer Gebote, die der Verf. einräumt, spricht am deutlichsten, daß diese ursprünglich eine Stufe der menschlichen Selbsterkenntniß einnehmen; denn sonst könnte nicht der Mensch diese Stufe überwinden und sie als den Moment

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