Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 3 (15.1.1845)
- Date
- 1845-01-15
- Page
- Spalte 39-40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897698-9897701--3868-3530969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
39 Kritiken. Kurze Anzeigen. 4« besorgt und redigirt von Maier Kohen, Lehrer und . Vorbeter zu München. Erste Lieferung, enthaltend in 27 Nummern die Gesänge, Recitationen und Responsorien für den Sabbat. München, 1840. (in Notenformat.) Ioh. Palm'sche Buchhandlung. (Vorläufige Anzeige.) Ueber Entstehung dieses großen Tonwerkes in der Synagogenmusik giebt ein Vorbericht des Konnte zu diesem Hefte Aufschluß und ich halte es nicht für überflüssig, den Inhalb desselben herzusetzen: „Das hiesige (Münchner) Chor- Institut der Israeliten wurde zu Ostern 1832 ins Leben gerufen. Die Aufgabe desselben ist eine doppelte: erstens durch erhebenden Chorgesang zur Verherrlichung des Gotteshauses beizutragen, und zweitens in den der Gemeinde zustehenden Responsorien dieselbe zu vertreten, oder vielmehr ihr zum Anhaltspunkte zu dienen, indem diese Responsorien vom Chor in Ton und Zeit gehörig angestimmt werden, welcher Intonation die Gemeinde sich anschließt. Offenbar trägt letzteres viel zur Ordnung und zum kirchlichen Anstand bei, indem hierdurch dem sonst bei diesen Responsorien statt findenden vergreisenden und wirren Durcheinanderschreien vorgebeugt wird. Stets hielten wir den Grundsatz fest, die Elemente des bisherigen Sy nag ogalgesang es im Recitativ des Vorsängers sowohl, als in den Responsorien, und wo es mit der Würde desselben im Einklänge steht, auch in den Gesangstücken , in ihrer Eigenthümlichkeit beizubehalten; nur vereinfachend und veredelnd legten wir Hand an dieselben , um sie in dieser Form angehenden Vorbetern als Leitfaden vorzulegen. Mir ebensoviel Gefälligkeit als tiefer Sachkenntniß leistete uns in der Vereinigung eines richtigen harmonischen Satzes mit dem Idiom unserer alten Melodicen der als Kirchenkompositeur berühmte Herr Inspektor und Organist Ett die dankenswerthesten Dienste. Ferner haben wir zu bemerken, daß in der hiesigen (Münchner) Synagoge der Vorsänger seine Gesangstücke mit zwei Begleitern im Terzett singt und der Chor, getrennt von diesem, auf einer Emportribüne sich befindet. In Synagogen, wo sich der Chor in der Nähe des Vorsängers befindet, können zur Vereinfachung die hier für das Vorsänger-Terzett gegebenen Piecen ohne Schwierigkeit auch von dem Vorsänger allein vorgetragen werden. , Die Recitativ - Stetten betreffend, wurde von öfter vorkommenden Weisen nur ein Muster gegeben, wie z. B. im Abendgebet nur dp TOyEl u. s w. — Die gegebenen Kompositionen wurden alle besonders für die hiesige Synagoge gefertigt. Wir haben die würdevollsten, angenehmsten und zur Ausführung geeignetsten mit Sorgfalt ausgewählt. Alles, was der Vorsänger im sabbatlichen Gottesdienste allein oder im Terzett zu singen hat, alle Gesänge und Respnsorien des Chors, sowie sie mit dem Recitativ des Vorsängers (k'MN) in Verbindung stehen, sind nun in dieser ersten Lieferung, und zwar wie sie im Gottesdienste auf einander folgen, enthalten." Es ist wohl kaum nöthig zu erinnern, daß die Synagogen-Musik dem Münchner Komite zu höchstem Danke verpflichtet ist; es ist das größte synagogale Tonwerk, das bis jetzt in Deutschland erschienen, denn das Wiener selbst ist weniger umfangreich und es wäre sehr zu wünschen, daß die zahlreichen jüdischen Komponisten, ich erwähne nur Meyerbeer, Ernst, Halevy, Berlin (in Amsterdam), Sulzer, Freudenthal u. a. m., die sich ihrer Glaubensgenoffen und der Religion noch nicht schämen, sich dieser Gattung der Tonkunst annähmen, und wenn auch nicht durch große Schöpfungen, doch wenigstens durch gute Kritiken der vorhandenen Leistungen diesen neuen Schmuck der Synagoge popularisirten. Daß manche Komponisten mit Enthusiasmus diese neuen Strebungen aufnehmen, mögen hier folgende Worte des Hrn. I. Freudenthal über vorliegendes Werk hinlänglich beweisen. Sie lauten: „Ein reges Streben nach vorwärts, hat sich in allen Zweigen des Wissens schon längst in Israel kund gegeben, und wahrlich nicht ohne Erfolg; das bestätigen selbst unsre ärgsten Widersacher, die Ueberlegenheit, die Israel bei fernerm Fortschreiten auf dieser Bahn erreichen konnte, hat ihnen sogar bei manchen Gelegenheiten Aeußerungen der Besorgniß entlockt. Auch in der Musik, dieser göttlichen Kunst, haben Juden sich zu Koryphäen heraufgeschwungen. Wenn nun in so manchen geistigen Feldern unsre Mitbrüder als emsige Bebauer sich hervorthaten, so konnte es den echten Israeliten nur betrüben, daß ein Feld so lange brach lag, ich meine die Veredlung des Kultus, der doch wahrlich ihrer längst bedurfte. Heil denn unserer Generation, der es Vorbehalten blieb, auch hierin zu wirken; der Widerstand, der noch hier und da austaucht gegen die notwendigen Besserungen, wird bald überall schwinden und die Namen derer, die sie einführten, jetzt noch mit Abscheu von den Zeloten genannt, werden von künftigen Generationen gesegnet. Mit der Wiederaufnahme des längst aus unfern Tempeln verbanytm harmonischen Gesanges ist unserem Kultus die schönste'Zierde wiedergegeben. Wohl keine Sprache ist fähig wie die Musik, die heiligsten Gefühle zu erwecken, sie erschüttert und erhebt, sie stimmt den, welcher das Heiligthum mit profanen Gedanken betrat, zur Andacht, und demnach muß sie dem Vorurtheile in noch so vielen Gemeinden weichen. Mit wahrer Freude begrüße ich die ersten Erscheinungen, die Kunde gaben, daß im Süden und Norden Deutschlands Männer des Fortschritts wirken, die sich hoch verdient machen um die Veredlung des Gottesdienstes. Die 3 nun vorhandenen musikalischen Ausgaben der Gesänge, von dem Herrn Sulzer in Wien, von Herrn Mai er Ko hn in München und Goldberg in Braunschweig, helfen einem längst gefühlten Bedürfniß ab. Die beiden erstgenannten Werke enthalten die Gesänge für alle Sonn- und Festtage in reichster Auswahl, wir finden Musikstücke darunter, welche höchst werthvoll sind, und ist es ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß Männer wie Lackner, Sturz und Ett es nicht verschmähten, Erzeugnisse ihrer Mähe dem jüdischen Kultus in München zu widmen. Die Sulzer'sche Ausgabe enthält außer der Bearbeitung alter bekannter Weisen nur eigene Kompositionen, die den resp.