Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 3 (15.1.1845)
- Date
- 1845-01-15
- Page
- Spalte 35-36 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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35 36 Studien. Biographische Skizzen rc. Antigonus. Wandels wegen der Gerechte genannte). Zu seiner Zeit war das Volk in zwei Religions-Parteien getheilt. Ein Lheil gehorchte Simon dem Gerechten und befolgte die Lehre der Tradition, die er lehrte und fortpflanzte, der andere aber hielt es mit Sanballat dem Samaritaner 6)-Statthalter, oder vielmehr seinem Eidam Menaffe, Sohn Iosua *), einem ehrgeizigen abtrünnigen Priester, allein Simon's Partei gewann die Oberhand. — Man rühmt auch von ihm nicht wenig seine Uneigennü'tzigkeir; denn er nahm selten Opsergaben für seine Person an, und stand im Rufe großer Heiligkeit. Wenn er am Versöhnungstage ins Heiligthum trat und wiederkehrte, so erglänzte sein Antlitz, wie das eines Engels o"). übrigens den babulonischen und jerusalemischen Talmud a. a. O. und auch den Midrasch, wie Abrabanel und Seder ha- Doror. e) Siehe Jost'ppon 12, 2. , d) Dieser folgte dem Alexander, als er Jerusalem verließ, außer der Stadt und bat ihn um Erlaubnis;, einen besondern Tempel auf dein Berge Gerisim bauen zu dürfen, und es auch erwirkte. Der Tempel stand zwei Jahrhunderte ungefähr, in welchem sein Eidam Menaffe zum Hochpriester angestellt wurde, und den später Iochanan der Makkabäer zerstörte. S. Sed. ha-Oo. t) Dieses war der Ursprung der Samaritaner-Sekte, welche das mündliche Gesetz verwarf, sonst aber auch Götzendienst in ihren Kultus mischte. In der Polyglotte befindet sich ihr Pentateuch und die Paraphrase desselben in eigenthümlicher Sprache und Schrift. 2) Nach dem Talm. in Joma. - 6) Was das Erglänzen des Gesichtes betrifft, so nützt hier'diese moderne Verklärung und seichte Verwischung aller dem Alterthum, angemessenen. Sagen nicht, die wie barocke Pyramiden uns an eine ferne Zeit erinnern, wo der Mensch zwar noch kindisch, aber kräftig in seiner Unschuld war. Im Babli, Jeruschalmi und Midrasch wird hier erzählt, Simon behauptete, jedesmal am Versöhnungstage begleite ihn ein Greis in das Allerheiligste hinein und wieder hinaus, in seinem letzten Lebensjahre aber begleitete er ihn nicht wieder hinaus, woraus Simon über sich selbst den Schluß zog, er würde im selbigen Jahre sterben, welches auch wirklich nach einem Kranksein von sieben Tagen geschah. — Bevor wir aber Simon selber verlassen, und zu seinen Söhnen übergehen, ist nothwendig auf seinen Wahlspruch aufmerksam zu machen, der gleich in der zweiten Mischna Abot bei der Erwähnung Simon's uns mitgetheilc wird. Gehört schon überhaupt das geistige Leben eines Menschen zum wichtigsten Theile desselben, und die Begriffsweise, Urtheile und Behauptungen, die sein eigenstes Wesen ausmachen in seiner Biographie durchaus nicht fehlen dürsten, wenn nicht etwa so eine Lebensbeschreibung noch weniger als unvollständig und noch geringer als schlecht zu nennen wäre; um so mehr ist dieses der Fall bei Persönlichkeiten des hohen Alterthums, deren kräftige und kernige Sprüche ihre ganze Philosophie, ihre ganze Lebens- und Weltanschauung, ihr ganzes.Thun und Handeln, ihre Neigungen und Wünsche, ihr gesummtes seliges und geistiges Leben widerspiegeln und veranschaulichen. Noch viel wichtiger und von größtem Interesse ist besonders der Spruch Simon's: „Auf dreien Dingen steht die Welt, auf Lehre, Gottesdienst und Wohlthätigkeit", da er einerseits der einzige von ihm uns erhaltene ist, andrerseits aber in der Simon der Gerechte hatte zwei Söhne, Namens Simei und CH onaw f) oder Onias, Letzterer gerieth in Zwist mit seinem Bruder wegen der Nachfolge in der Hohenpriesterwürde, mußte nach Egypten fliehen, wo er zu Ammon'), Heliopolis rc. einen prächtigen Tempel erbaute, und darin Priesterstelle versaht). Dieser Tempel, in welchem sich sieben große goldene Leuchter nebst einem goldenen Altäre befanden, hatte großen Zuspruch von egyptischen Glaubensgenossen und stand über 240 Jahre. Es ward darin in griechischer Sprache gebetet und das Gesetz in dieser Sprache vorgelesen * * 3 4), II. Antigonus. Antigonus aus Sochog), ein Zeitgenosse und Schüler des Obigen lebte im I. d. W. 3460. Zu seiner Zeit baute erwähnter Sanballat, das Haupt der samaritanischen Sekte, einen Tempel auf dem Berge Gerisim zu Samaria, woselbst sein Eidam Menasse, Sohn Iusua Oberpriester war. — Ueberhaupt vermehrte sich das Sektenwesen zur selben Zeit/). Zwei Schüler des Antigon, Aadok und Boetos lehrten, daß keine Auferstehung sei, indem sie den Ausspruch ihres weisen Lehrers: Man müsse die Tugend um ihrer selbst willen üben, nicht aber um jenseitigen Lahn dafür zu empfangen, — misdeutetm . . . Von daher kamen die Sadducä'er (Zadukäer), welche die Tradition verachteten, das geschriebene Wort Gottes allein anerkannten, und von den Pharisäern (Peruschim-Ausleger h), von deren (Zeremonien sie sogar beim Tem- That das ganze geistige Gebäude des Iudenthmns, in seine Bestandcheite zerlegt enthält. Es wirft auf die Glaubensrichtung Simon's und auf seine reine Anschauung des Zweckes des Judenthums, wie auf seine Zeit das erhellendste Licht. Wir haben in einer öffentlichen Rede, die wir einst am Sabbat Bereschir hielten, diesen Spruch zu unserm Hauptthema gemacht und dasMöthige erläutert, sowie auch den scheinbaren Widerspruch mit dem des R. Simon ben Gamaliel im zweiten Abschnitt: „Auf dreien Dingen steht 'die Welt, auf Wahrheit, Recht und Frieden" zu lösen gesucht. Wir hoffen, den.Inhalt bei passender Gelegenheit zu veröffentlichen. I) Von diesem Chonaw wird noch erzählt, daß er, als er zur Zeit Ptolemäus des dritten Priester war, aus Geiz den jährlichen Tribut dem Ptolemäus nicht entrichten wollte. Den übrigen Verlauf dieses Ereignisses s. Sed, Ha-Do. *) Nach Iuchasin zu Alexandrien. 3) Siehe Talm. Menachot und Maimun. Erläuterung der Mischna zu Ende Menachot. 4) Auch sie nahmen das mündliche Gesetz nicht an. Siehe Geschichte der religiösen Sekten der Juden von Peter Beer. g) Eine Stadt im Gebiete Iehuda. Aus einer Stelle in Temura 12!) ist ersichtlich, daß er auch.in Babylon war. 1) Es gab deren vornehmlich 4. 1) Pharisäer (d^HD) 2) Samaritaner, 3) Zadducäer, 4) Effäer oder Essenoi, Enthaltsame. Alle aber mit Ausnahme der erstern verwarfen die Tradition. Nach Josef entstand die letztere Sekte viel spä'ttr. h) Pcruschim hießen nicht Ausleger,. welches wider allen