Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 3 (15.1.1845)
- Date
- 1845-01-15
- Page
- Spalte 33-34 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897698-9897701--3865-3530966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Meraturbtalt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. •TV? 3» Leipzig, den 15. Januar 1845» Inhalt. Studien. Biographische Skizzen. 1. Simon der Gerechte. 2. Arttigonus. Von I. Sulzer, nebst einigen Bemerkungen von Dr. Jakob Goldenthal. — Literarische Analekten. Ueber die gemischten Ehen nach dem P. Sanhedrin. Von Dr. Ä. Heine mann. Erklärungen zu einigen von Letter is und Ink rnitgetheilten Gedichten. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Ueber Synagogen-Musik. Sulzer. Kohen. Goldberg. — Herzfeld. Jolowicz. Bürger. — Herz selb. — Kurze Notizen und Miscellen. — Literarische Ankündigungen. Biographische Skizzen der berühmten Verfasser der Sprüche in Pirke Abot, nach Juchasin. I. Simon dev Gevechte. Simon der Gerechte, Sohn Jaddrra's a), ein Hochpriester, lebte zur Zeit des zweiten Tempels, im 40. Jahre nach dessen a) Da sich diese unvollständigen Notizen als biographische Skizzen jener Männer ausgeben, die im jüdischen Alterthum die ersten sind, auf die man mit Gewißheit das Ausbilden der talmubisch-diskutirenden Tradition zurückführen muß, und dies auch von der Mischna wirklich geschieht, mithin solche Notizen nicht sowohl an sich, als auch hauptsächlich in Bezug auf die darin besprochenen Personen, die zugleich die wichtigsten und noch gänzlich bis jetzt unberücksichtigten, höchst ungenügend sind; so finden wir uns veranlaßt hier, wenn nicht ganz aus die Forschung einzugehen, da solches ein Buch für sich' füllen dürste, doch wenigstens Manches anzumerken, welches bei einer weitern Untersuchung nicht außer Acht zu lassen wäre. Vorerst bemerken wir, daß zu einer Biographie dieser Männer das von nnserm Verfasser gewählte Juchasin, bei aller übrigen unstreitigen Brauchbarkeit, doch allein unzureichend sei, und nicht blos müßte man die Originalquellen zu Hilfe nehmen, sondern auch, was eben so wichtig, die späteren Literatur- und Monographischen Werke. So stellt unser Verfasser gleich Anfangs als etwas Ausgemachtes hin: „Simon der Gerechte, Sohn Jaddua's"; von einem jetzigen Biographen ist das nicht genug, man macht an ihn mehre Ansprüche, er muß wenigstens auf die einschlagende Literatur verweisen, wenn er nicht selbst die Forschung kritisch vollziehen will, wie hier auf Abrabanel in seinem Buche „NachlatAbot", aus Philo und Josippon, vorzüglich aber auf Meor Enajim, Abschnitt 22 und 37 und auf Seder Ha-Dorot. In jenen Werken wird unser Simon von Verschiedenen mit verschiedenen Namen und Personen identisicirt, und nicht unmit- Erbauung b), und war ver Letzte der 120 von Esra eingesetzten großen Versammlung. Er wurde seines tugendhaften telbar als Sohn Jaddua's, vielmehr als dessen Enkel und Sohn Chanjo's, der von den Historiographen in die Mitte zwischen Beiden eingeschoben wird, angegeben, auch selbst von Juchasin; und stellt sich das Resultat heraus, daß dieser Punkt noch einer ernsten kritischen Untersuchung bedarf. d) Er bekleidete auch das Hochpriesteramt, nach Jeruschalwi Schekalim, Traktat Ioma und Menachot, 40 Jahre lang, und fünf Wunder sollen sich in Sachen des Tempels und im Tempel seinetwegen zugetragen haben. Er war es auch, nach der Tradition, der Alexander dem Großen, als er bei Jerusalem vorbeizog und das Volk in Angst und Schrecken gerieth, er möchte die Stadt sammt dem Tempel zerstören, in der vollständigen prächtigen, aus acht Kleidungsstücken bestehenden Hochpriestertracht in Begleitung der Aeltesten Jerusalems entgegenging und durch sein angenehmes, ehrfurchteinslößendes Wesen ihm hohe Achtung abnöthigte, so daß Alexander aus dem Wagen stieg und sich vor ihm niederbeugte. Als ihn seine umgebenden Großen über ein solches Benehmen zur Rede stellten, entschuldigte er sich damit, daß ihm das Gesicht des Simon schon seit längerer Zeit jedesmal bei einer zu besiegenden Schlacht erscheine, und ihm auch vergangene Nacht erschienen sei. Darauf bat ihn der Hochpriescer Simon, die Stadt Jerusalem nicht zu zerstören und mit dem Volk Jehuda einen Friedensbund zu stiften, das er ihm auch bewilligte; verlangte jedoch , als er in Begleitung des Hochpriesters und der Aeltesten von Jehuda Jesusalem und den Tempel besuchte, daß man seine in Gold gearbeitete Statue im Tempel ausstellen sollte. Der Hochpriester Simon erklärte ihm, es sei dem mosaischen Gesetze zufolge verboten, Bilder aller Art im Heiligthum aufzustellen, dafür wolle er aber zwei andere wichtige Sachen einführen, wodurch das Andenken an seinen Besuch für immer erhalten bleibe: daß erstens alle in diesem Jahre geboren werdenden Priestersöhne den Namen Alexander führen werden, und daß man zweitens von nun an die Jahreszahl nach seiner Negierung rechne, welche man auch die Zeitrechnung der Kontraktes) genannt hat. Siehe 3