Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 2 (8.1.1845)
- Date
- 1845-01-08
- Page
- Spalte 29-30 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Kritiken. Kurze Anzeigen 30 solche Annahme für nicht vereinbar mit „dem Aaren und schlichten Bibelsinne", den ja auch Holdheim so hoch hält (Lorw. zu den Dort. S. VIU); er kann es uns also gewiß nicht verargen, wenn „wir Gott mehr glauben als den Menschen" (das.), wenn wir also der glaubensvollen Ueberzeugung leben, daß der Ewige sein Volk nicht verstoßen, sein Erbe nicht verlassenwer de (Ps. 94,14); denn siehe, der Hüter Israels schlummert nicht und schläft nicht (Ps. 121, 4). Hr. Holdheim kann es uns mithin auch nicht verargen, wenn wir, auf biblisch-festem Grund und Boden stehend, in der hagadischen Aeußerung der Alten c&iyb jnty td“i , "ira't6 “nssn nta mehr erblicken, als eine sinnige Symbolisirung, wenn wir vielmehr trostreiche Wahrheit darin finden, und daher an den Auf- und Untergang der Juden und des Iudenthuws, trotz aller Versicherung unseres Verfassers, nimmermehr glauben. So wenig wir nun mit dem einverstanden sind, was Hr. Dr. Holdheim über die künftige Existenz der Juden und des Iudenthums sagt, eben so wenig vermögen wir das zu billigen, was er über die künftige Weltreligion vortra'gt. Die Erwartung, daß einst alle Völker der Erde sich zu Einer Religion bekennen, und also die Verschiedenheiten des Glaubensbekenntnisses aufhören werden, diese Erwartung ist keine israeliLisch-prophetische, denn die Stelle Zach. 14, 9 sagt in ihrem Zusammenhänge, aus dem allein „der klare und schlichte Bibelsinn" zu ermitteln ist, nicht das, was man sie gewöhnlich sagen laßt. Jene Erwartung ist vielmehr dem Christenthume eigenthümlich, und gründet sich vorzüglich auf den Ausspruch: Und ich habe noch andere Schaafe; die sin d nicht aus diesem Stalle. Dieselbigen muß i ch h erfuhr en, und sie werden meine Stimme hören, und es wird Eine Heerde und Ein Hirte werden (Joh. 10, 16). Im vollkommenen Gegensätze zu der „Einer Heerde und dem Einen Hirten" sagt der israelitische Prophet Micha in seiner Schilderung der messianischen Zeit: Alle Völker mögen wandeln ein jegliches im Namen seines Gottes; wir aber wollen wandeln i m N a m e u des Ewigen unseres Gottes (Micha 4, 5). Damit und dadurch ist aber keineswegs ausgesprochen, daß keine Aussicht vorhanden sei, daß der „Monoth eLsm us i n se i n er a l l g e m e L nsten Au ffa ssun g" im Laufe der Zeiten seine wohlthätige Einwirkung auf das Leben und die Gesittung aller Bewohner des Erdbodens ausdehnen werde, wie er dies bis jetzt in Beziehung auf einen Lheil desselben bereits gethan hat. Denn mit dem Einflüsse des „Monotheismus in seiner allgemeinen Auffassung" verträgt es sich ja, wie die Erfahrung lehrt, recht gut, daß jede Glaubensgemeinschaft ihre ihr eigenthümliche Auffassungsweise übersinnlicher Dinge bewahre, und die hieraus hervorgehenden Bestimmungen für den Kultus und die Askese nach ihrer väterlichen Ueberlieferung beobachte. Es würde die Grenzen dieser Bemerkungen überschreiten, wenn wir hier die Verkündigung von dem Wandeln eines jeglichen Volkes im Namen 'seines Gottes, und die von dem Einen Hirten und der Einen Heerde einer weitläufigen Erörterung unterwerfen wollten. So viel sei uns nur zu bemerken gestattet, 1) daß uns eine durchgängige und vollkommene vebereinstimrnung der Gedanken, Vorstellungen, Ansichten und Urtheile in Sachen der Religion, wie dies von Missionären und Nichtmissionären im Sinne der Einen Heerde und des Einen Hirten so oft geltend gemacht wird, — mit der Natur des Menschen nicht recht vereinbar scheint; 2) daß die Erfahrung aller uns bekannten Zeiten auf die unwiderleglichste Weise bezeugt, wie wenig es möglich ist, in -Dingen des Glaubens die Zustimmung aller Menschen zu erhalten. Die Geschichte der christlichen Kirche beweist es ins Besondere, wie selbst zwischen Denen, die gemeinschaftlich den Christennamen tragen, noch keine Einigung zu Stande gebracht werden konnte, und wie wechselseitige Verketzerungen, selbst in unseren Lagen, nicht eben zu den Seltenheiten gehören; und daß endlich 3) die Erwartung der Einen Heerde und des Einen Hirten zu allen Zeiten Maaßregeln hervorgerufen, die mit der allgemeinen Menschenachtung und Menschenliebe kaum in Einklang zu bringen sein dürften. Wir Juden haben es oft genug theuer bezahlen müssen, weil wir so „verstockt" waren, „die Heerde im Stalle"' nicht vergrößern zu wollen. Jene rücksichtslose Gleichmacherei hat uns ihre Härte zu allen Zeiten fühlen lassen. Lorquemada und Bruno Bauer verdammen uns gleicher Maßen: Jener weil wir nicht Katholiken, dieser weil wir nicht Pantheisten werden wollen. Da aber Alles, was Gott, der treue und wahrhaftige verheißt, in Erfüllung gehen muß; so erwarten wir auch mit Zuversicht die Zeit, wo ein jedes Volk im Namen seines Gottes wandeln wird, und auch wir ungestört wandeln werden im Namen unseres Gottes. Kurze Anzeigen. 71) Lehrbuch zur Sprache der Mischna, von Dr. Abraham Geiger, Rabbiner zu Breslau. Erste Abtheilung. Lehrbuch. Breslau bei Leuckart, 1845. 8. VIII. 54. (Zweiter Artikel.) (Fortsetzung.) Alles dieses weil ein faules Princip den Spracherscheinungen zu Grunde gelegt wird, welches dann sofort zur Koneession hingedrängt werden muß. Hier sollen nun noch einige schlagende augenfällige Argumente für die innere lebensvolle Entwickelung des Hebräischen in der Mischna als eine echte Volkssprache, angeführt werden, um jene Ansicht von der Erstorbenheit des Hebräischen ein für alle Mal acl absurdum zu verweisen. In mehreren, -wie Gittin, Nedarim, Baba