Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1845)
- Date
- 1845-01-08
- Page
- Seite 15 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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15 Lehren'schen Rabbinen (Nnüy'llDI .&thri) mit Bannstrahlen und gräßlichen Flüchen gegen uns und alle diejenigen, welche irgend etwas aus dem heiligen Lande veröffentlichen. würden, was nicht mit dem nur Wahrheit (!) bestätigenden Siegel des berüchtigten Gagin versehen sei — so viel Redens gemacht worden; denn dieser Friede, der doch nur durch unsere Veröffentlichung geschloffen wurde, war, wie es sich nunmehr nur allzuklar herausstellt, nur die Beilegung der Fehde zwischen den gefräßigen Wölfen, um desto erbarmungsloser unter den ihnen preisgegebenen Schafen wüthen zu können. Allein, wir gestehen es, wir waren es nach gerade müde geworden, gegen einen Mann anzukämpfen, der im Bunde mit der Lüge die Achtung vor der Oeffentlichkeit so wenig berücksichtigte, daß er mit chasidäischer Insolenz anfangs Alles abläugnete, was sich denn doch späterhin selbst in seinem eigenen Sendschreiben, worin er die abgeschlossene Übereinkunft anzcigte, als wah r herausstelle und anerkannt wurde; zu kämpfen gegen jene indolente Rabbinen und Gemeindebeamte, die es oorziehen, die jungen, thatkräften Bewohner Palästinas von dem ihnen immer spärlicher zufließenden Bettelpfennig zehren zu lassen, als sie durch strebsamen Erwerb von der Abhängigkeit und dem Bettelleben zu emancipi'ren; die selbst in hochmüthiger Dummheit sich mit ihrer Unwissenheit in den Künsten und Wissenschaften trösten pw rDNto noaro cnr p^n tanp Dy jni jm NHrcn rOE'nD) und, als ob ihr Soharstudium eine stützende Säule wäre, es sich zum Verdienst anrechnen, der Einführung jeder Art europäischer Kultur entgegen zu treten. Wir schwiegen, indem wir wünschten und hofften, daß, wie es auch wirklich eine kurze Zeirlang den Anschein hatte, der mit Gewalt.von jenen heuchlerischen Zeloten niedergedrückte Volkssinn sich end ich von selbst Bahn brechen und durch die immer mehr steigernde Noth würde gezwungen werden, das Schlaraffenleben in den Schlafsälen der Bäte Midraschim doch endlich aufzugeben. Die uns in jüngster Zeit zugekommenen schaudererregenden Nachrichten nöthigen uns jedoch abermals die Feder in die Hand, um die Publicity zu Hilfe zu rufen, die wie wir hoffen, ihren wohlthätigen Einfluß ans die unglücklichen Opfer des Selbstbeherrschers aller palästinensischen Juden nicht verfehlen wird. Die erste, freilich nur kurze und unvollständige Anzeige wurde bereits in Nr. 350 der „Franks. Ober.-P.A.Z." mitgetheilt. Wir erhielten jedoch inzwischen die Abschrift eines Kollektiv - Bittschreibc ns aus Jerusalem an Sir Moses Montefiore, und ein eigenhändiges Schreiben von dem greisen Vater des unglücklichen Schlachtopfers, Moses Turgemann, Rabbiner der afrikanischen Gemeinde in Jerusalem (addressirt an Hrn. L. H. LLwenstein und gerichtet an sämmtliche israelitische Rabbinen, Gemeindevorsteher in Europa), womit wir hier den erwähnten Bericht ergänzen und (heilweise berichtigen wollen. Wir heben aus beiden Schreiben nur die wichtigsten Momente hervor, und übergehen die herzzerreißenden Schilderungen der verzweifelten Lage jener Unglücklichen und die mannigfachen Bedrückungen, unter denen sie seufzen. Im Eingänge des Bittschreibens an Montefiore werden die schon bekannten Klagen gegen das fürchterliche Kleeblatt Abr. Chagin (-)ysn pN), Ies. Pinsker, Vekil der emgewanderten österreichischen Juden, und gegen den Dritten im Bunde, Jakob An tibi (verschwägert mit Pinsker) abermals berührt und sodann erzählt, in welcher drückenden Lage sich die afrikanische Gemeinde (uraiyDn WN‘) befände, indem den Gagin-Pinsker-Lehren'schen Anordnungen zufolge, alle Spenden, die sowohl von der Gesammtheit, als auch Privatleuten zufließen, der sog. allgemeinen Kaffe (hhw O'zh) übergeben werden müssen *), aus welchem dann ein Armer erster Klaffe drei span. Duru's, ein Armer zweiter Klaffe aber nur 14 Durus halbjährlich erhält. Von der Verkeilung der andern dahin fließenden Spenden, Stiftungen u. dgl. seien die Afrikaner überhaupt ausgeschlossen. Im Jahre 5603 (1843), als die Noth ihrer Armen den höchsten Grad erreicht hatte, beschlossen sie in einer Sitzung, gleich den beiden andern Gemeinden, einen Abgeordneten nach ihrem Mutterlande zu schicken, um von ihren Landsleuten eine besondere außerordentliche Unterstützung (nwm I1D1J) Su erheben; zu welcher Mission der Sohn ihres Rabbines, Jakob Turgeman, erwählt wurde. Mit den Zeugnissen der Vorsteher der drei Gemeinden versehen, entledigte Turgeman sich seiner Mission, und die,eingesammelren Spenden, welche die gewöhnlich erhobenen auf keine Weise beeinträchtigten, wurden nach seiner Rückkehr unter den afrikanischen Juden vertheilt. „In diesem Jahre 5604 (1844)", fahren die Bittsteller fort, „siel es dem R. Abraham Gagin bei, die Herausgabe erwähnter außerordentlicher Beiträge zu s o r d e r n und „für den Geweindefond" in Anspruch zu nehmen. Er ließ daher den I. Turgeman durch vier seiner Diener auf offener Straße aufgreisen und vor sich führen. Hier verlangte er vor Allem die Auslieferung aller auf diese Spenden Bezug habenden Dokumente, und als er erklärte, solche nicht mehr zu besitzen, wurde er von den Anwesenden auf's Barbarischste mishandelt, ihm die Kleider vom Leibe und in Stücke gerissen und er sodann auf die Straße hinausgestoßen. Gagin schickte ihm jedoch einige Kavassas nach und ließ ihn nach dem Hause des Pinsker schleppen, weil er sich als österreichischen Unterthan geltend gemacht und in dieser Eigenschaft (nnn ') Um dem mit Personen und Verhältnissen nicht näher bekannten Leser den möglichen Jrrthum zu benehmen, daß es etwa Männer von besonderm Gewicht und Ansehen wären, die in Jerusalem sich!eine so willkürliche Verwaltung und Bevormundung anmaßen, müssen wir hier bemerken, daß Jesaias Pinsker nichts anders als ein Bettler von Profession ist, der den Ertrag jämmerlicher Lamentobriefe über seine angebliche Noth auch mit zu seinen regelmäßigen Einkünften rechnet. Ein ähnlicher Brief voll Heuchelei und Bettlerkünste, an den Chef eines hiesigen großen Bankierhauses gerichtet, liegt uns im Augenblicke vor.