Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1845)
- Date
- 1845-01-08
- Page
- Seite 14 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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14 als Anomalie erscheinen müssen. Wo aber, wie das in Prag der Fall ist, der Vorsteher regelmäßig 6 Stunden täglich dm Gemeindeangelegenheiten zu widmen hat, wo die Anzahl der jährlichen Exhibita ans eine namhafte Summe steigt, wo die Konception von unzähligen Berichten, Relationen, aufgestellte Anfragen, ausschließlich den Vorstehern aufgebürdet ist, wo der Vorsteher, wie dies namentlich bei Herrn Landau der Fall ist, seine ganze Kraft und Zeit seinem eigentlichen Berufe und Erwerbe entziehet und sie ausschließlich den Gemeindeangelegenheiten widmet, da ist ein Gehalt von einigen Hundert Gulden ein sauer verdienter, und wenn eine Anomalie dann zu finden sein sollte, so wäre sie höchstens die, daß die Gemeinde und nicht der Staat diesen Gehalt zahlt. Die Besoldung, die Herr L. bezieht, wäre selbst als die eines gewöhnlichen Koncipienten eine sehr mäßige, und be einer allgemein bekannten Wohlthatigkeit würde Herr L. kaum die einfachsten Lebensbedürfnisse bestreiten können, wenn nicht seine sonstigen Lebensverhältnisse günstiger wären. Diese Berichtigung glaubten wir der Ehre der prager Gemeinde und der Ehre seines Vorstandes schuldig zu sein. Unus ex multis. Wien, 30. Dec. Unsere Hofzeitung, das ossicielle Organ der Lsterr. Regierung, enthält folgenden „Ä ufruf zur Subscription von Beiträgen zur Gründung eines Hospitals für arme Kur brauchende Israeliten inKarlsbad. Wenn der Arme im Allgemeinen der Unterstützung edler Menschenfreunde und der Versorgung in den dazu geeigneten Instituten zugewiesen ist, erscheint der mittellose Kranke, der seine Genesung nicht in der Heimath, nicht im Kreise seiner Wohlthäter oder in den für seine Unterkunft bestehenden Anstalten finden kann, sondern an den Heilquellen entfernter Gegenden suchen muß, um so mehr als Gegenstand drs Mitleides und der Obsorge. In dem weltberühmten heilquillenden Karlsbad, wo wohlthätige Stiftungen und Sammlungen zum Wohle der hilfsbedürftigen Menschheit, humane Anstalten ins Leben riefen, entbehrt der arme Jsraelite, der dort als Fremdling seine Genesung sucht, jene Hospitalität, die ihm Obdach und Verpflegung kostenfrei sichert. Die Hilsslosigkeit eines solchen Menschen wirkt nicht nur auf seinen körperlichen und geistigen Zustand, sondern übt auch auf die empfängliche Gemüthsstimmung leidender Kurgäste einen nachtheiligen Einfluß. Diesem Uebelstande soll nun durch die Gründung eines Hospitals für arme, Kur brauchende Israeliten abgeholfen werden. Und, sowie eine Anstalt für Unterkunft, Nahrung und ärztliche Pflege ein Bedürfniß zur Heilung des Körpers ist, so soll auch zum Heile der Seele eine Abtheilung der zu erwerbenden Lokalität dem religiösen Kultus eröffnet werden, wo sich alle Kur brauchenden Israeliten zur gemeinschaftlichen Andacht versammeln können. Nach den vorläufigen, von dem wohllöblichen Präsidium der k. k. Stadtha uptmannschaft und Polizei-Direktion zu P r a g getroffenen Einleitungen zur Erwirkung der allerhöchsten Genehmigung, wurde mit. hohem k. k. Landespräsidial-Dekrete vom 7. Juni 1843 H. Z. 34920 der Ausweis überdie Möglichkeit der Ausführung und die ersolgteSicherstell ung der hierzu e rforderlich en M it t cl abgefordert. Das aus der Prager Israelitengememde provisorisch gebildete Somit« erklärte: die Möglichkeit der Ausführung liege in der Lheitnahme der Glaubensgenossen im In- und Auslande, und die Sicherstellung der erforderlichen Mittel, in der von ihnen zu erwartenden Zusicherung reichlicher Beiträge; dieses günstige Resultat wird nun von der Wirkung des gegenwärtigen Aufrufes erwartet. Es giebt keine Provinz des In- und Auslandes, wo nicht Menschen wohnen, die der Weltruf des heilsamen Karlsbades zur Herstellung ihrer Gesundheit dahingezogen, und die gestärkt von seinen Heilquellen mit dankerfülltem Herzen zurück in die Heimath Lehrten. Der schönste Zoll des frommen Dankes wäre wohl die kräftige Mitwirkung, welche die baldige Gründung dieses projektirten der Humanität gewidmeten Institutes sichert. Möge die oft erprobte Wohlthätigkeit und angewohnte Milde der vermögenden Glaubensgenossen, dieses humane Vorhaben durch reichliche Geld-, zuflüsse unterstützen, und die edlen Wohlthäter durch die Entstehung dieser Anstalt sich selbst ein Denkmal setzen. Subskriptionen werden bei der in Prag bestehenden israelitischen Ho spi tals-Di re ktion angenommen, und die Namen der Wohlthäter nebst den subskribirten Beiträgen durch die Prager Zeitung veröffentlicht werden. Die Herren Spender bedeutender Beiträge werden in den Statuten als Gründer des israelitischen Hospitals zu Karlsbad aufgeführt erscheinen. Vom provisorischen Somit« zur Gründung eines israelitischen Hospitals zu Karlsbad'). Tyrannei in Palästina. Was habt ihr mein Volk zu zertreten und dasAngesicht der Armen zu zermalmen? (Iesi3,15.) Ihr habt ja abgeweidet den Weinberg, der Raub des Armen ist in euern Häusern (das. 3, 14). Wir haben den Lesern dieser Blätter von der sich leider immer mehr und mehr verschlimmernden Lage unserer palästinischen Brüder lange nichts mitgetheilt. Es war weder Mangel an direkten Berichten, der uns zum Schweigen veranlaßte, noch bewirkte dies der inzwischen angeblich geschloft ' sener Friede unter den sefardischen Rabbinen, von dem im Lehren'schen Sendschreiben — ausgegangen von den .drei *) An der Spitze dieses Konnte 'steht der reichverdiente Vorsteher des Prager israelitischen Spitals, Hr. S. L. Kuh.