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Der Orient · 1845-01-08 · Heft 2 (8.1.1845) · p. Seite 12

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 2 (8.1.1845)
Date
1845-01-08
Page
Seite 12 (sequence 7)
Language
German
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12 Den wahren Hergang der Sache weiß der allsehende und allgerechte Richter in der Höhe, dessen Blicke das tiefste Dunkel erhellen, vor dem Trug und Täuschung nicht bestehen können; er wird gerecht richten, und sein strafender Arm wird, ist eine Unthat verübt worden, den Schuldigen gewiß ereilen. Heidelberg, 29. Decbr. (Replik.) Eine geehrte Redaktion wird dem Sohne des in Nr. 4? dieser Blatter durch Rabbiner Fürst angegriffenen verstorbenen Dr. Rehfuß, Prediger und Oberlehrer an der israel. Bezirksschule dahier, gewiß die Spalten des „Orient" öffnen und eine leidenschaftlose Besprechung gestatten. Unter dem 9. November 1821 ward mein seliger Vater als Lehrer an der hiesigen Bezirksschule, der er schon zwei Jahre vorgestandm, und als Prediger der israel. Gemeinde durch hohe Regierung definitiv angestellt. Mein sel. Vater genoß ununterbrochen die allgemeinste Achtung der hiesigen Familienväter und war vielen nicht nur der Lehrer ihrer Kinder, sonder auch der Freund und Rathgeber in ihrem Familienkreise. Auch in den nahen und entfernten Gemeinden, die der hiesigen^ Bezirksschule angehören, genoß mein Vater die gleiche Hochachtung und dasselbe ehrende Vertrauen, indem in vielen Gemeinden ohne vorhergegangene Berathung mit meinem Vater (was durch eine Menge Briefe zur Genüge dargethan werden kann) nichts Erhebliches unternommen ward. Dieses ehrende Vertrauen und diese so freiwillig gezollte Hochachtung gegen "meinen Vater hat nicht nur in diesen 2 Decennien nicht abgenommen, sondern sie steigerten sich immer höher; denn seine der Schule entlassenen und zu Männern herangereiften Schüler bewahrten die innigste Dankbarkeit und Liebe gegen ihn, und hatten als Bürger und Vater bei schwierigen Fällen in ihren Familienverhältnissen ihren ehemaligen Lehrer zum vertrauten Freunde und Rathgeber. Wie wäre es nun denkbar, daß dieselben an die Aufhebung einer Schule, der mein Vater vorgestanden, gedacht haben sollten'^ Wie hart klingt es, diese ehrbaren Leute zu beschuldigen, sie hätten das materielle Wohl meines Vaters, ihres Lehrers und Freundes, beeinträchtigen wollen. Nein, Herr Rabb.! diese Anschuldigung ist groß und ungerecht! denn nicht die leiseste Spur findet sich hierfür. Es ist bekannt, welche innige Theilnahme meinem leider, allzufrüh verstorbenen Vater während seines langen und schweren Krankenlagers von allen Gemeinden des hiesigen Bezirks brieflich und mündlich zu Theil geworden, und diese dankbaren und warmen Verehrer sollten solcher Handlung fähig gewesen sein! — Als mein Vater im Febr. 1842 seinen Angehörigen entrückt und in ein besseres Jenseits überging, eilten feine ältesten Schüler aus Nah und Fern herbei, um ihrem geliebten Lehrer und wecthen Freunde den letzten Tribut ihrer Hochachtung durch Begleitung seiner Leiche zu zollen. Dieses ist der sicherste Beleg gegen eine solche Anschuldigung. Herr Rabb. Fürst aber, seit dem Jahre 1827 hier placirt, war es, der jetzt die Gelegenheit ergriff, um seinem längst gehegten Verlangen, Besitzergreifung der von meinem Vater innegehabten Dienstwohnung, nach der er schon längst gelüstet, Geltung zu verschaffen. Von hier an und nicht früher datirt sich jene von Rabb. Fürst angeregte Streitfrage gegen die seit 24 Jahren bestehende hiesige Bezirksschule. Es steht mir nicht zu, über diese, ohnedies noch schwebende Angelegenheit zu sprechen und in das Innere derselben einzudringen. —- Herr Rabb. Fürst hätte wissen sotten und weiß es auch, daß durch den unermüdeten Fleiß und seine schriftstellerischen Arbeiten aber nicht durch den geringen Schulgehalt mein sel. Vater die .Existenz seiner Familie gründete.. Wie mag daher wohl derselbe sich des lieblosen Ausdrucks „ich hätte ihn brodlos — (!) machen können" bedienen! Herr Rabb. Fürst, der meinen sel. Vater nie kottegialisch (als Prediger) betrachten wollte, mußte von der hohen Regierung und dem hochlöblichen Obexrathe der Israeliten hierzu öfters und nachdrücklichst angehalten werden. Ebenso war es mein sel. Vater, welcher den hier bestandenen Predigerverem gründete und nicht Herr Fürst, der sogar einem angehenden Kandidaten das Predigen in. der hiesigen Synagoge (nachdem diese Predigt von meinem Vater gutgeheißen war) bestritt, und durch Befehl des hiesigen Oberamtes als hierzu inkompetent abgewiesen worden war. — Diese Beleuchtung war ich der angegriffenen Ehre und Würde meines guten Vaters zu geben schuldig. Die denkenden und vorurtheilsfreien L.ser dieser geachteten Zeitschrift werden nun zu einem selbstständigen Urtheil gelangen können, ohne zu erwarten, daß ich in eine weitere Polemik hierüber, die etwa beliebt werden sollte, mich einzulassen nöthig hätte. Jakob Rehfuß, Sliid. jiir. Hamburg, 23. Decbr. Vor wenigen Stunden ist erfolgt, was schon seit einigen Wochen erwartet worden war, ohne daß man, eben weil man das Ereigniß fürchtete, es sich so nahe und wirklich eintretend gedacht hatte. Herr Salomon Heine, nicht blos der erste Bankier Hamburgs, sondern auch der freigebigste Wohlthater für den Staat, die Stadt und insbesondere das jüdische Gemeinde-, Armen- und Schulwesen, ist vor wenigen Stunden von hinnen geschieden. Die Herrmann Heine'sche Stiftung und das Betty-Heinesche neue israelitische Krankenkenhaus sind zwei großartige Denkmäler, die er sich schon b.ei Lebzeiten gesetzt. G>. Hamburg, 30. Decbr. Am Freitage, den 27. d. M, wurde die Leiche des am 23. verstorbenen Hrn. Salomon Heine zur letzten Ruhestätte gebracht. Gegen 100 Equipagen, in welchen die Verwandten und freunde des Verstorbenen, außerdem viele Di-

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